zugewanderten , eng zusammengepferchten Volkes in gläubiger Hoffnung jenem fernen Königsgeglitzer die Arme entgegen und schrien immer wieder mit rauh gewordenen Stimmen : » Der König ist kommen , der Kaiser ist da ! « Die Worte verstand man nicht . Doch flehende Sehnsucht war in dem wogenden Gebrüll . Es klang , wie wenn eine riesige Wallfahrtsmenge von Leidenden , Verzweifelten und Besessenen litaneit : » Allmächtiger , erhöre uns ! Allmächtiger , beschütze uns ! Allmächtiger , erlöse uns von allem Übel ! « 10 In den großen Zelten , die auf der Wiesenhöhe der Nürnberger Straße für das Königspaar und sein Gefolge errichtet standen , hatten Herr Sigismund und Frau Barbara die verstaubten Reisekleider abgelegt und für den Einzug in Regensburg sich angetan mit dem Schmuck der Herrscherwürde . Während die Königin , die immer geraumer Zeit bedurfte , um sich schön zu machen , noch vor dem silbernen Reisespiegel saß , hatte der König schon das Zelt verlassen und stand in der milden Sonne . Noch trug er die Krone nicht . Doch seine hohe Gestalt , in der sich Majestät und Anmut paarten , war schon umflossen von den starren Falten des schwer mit Gold bestickten und mit Hermelin verbrämten Purpurmantels . Darunter schimmerte der lange , bis zum Gürtel geschlitzte Reitrock von mattgrüner , mit Perlenblumen benähter Seide . An den Füßen glitzerten die goldgespornten Schnabelschuhe ; und die großen , bunten Emailglieder des Gürtels trugen das breite Schwert , an dessen Knauf ein grüner Smaragd von der Größe einer Welschnuß funkelte - ein Stück geschliffenen Glases - den echten kostbaren Schwertstein hatte Herr Sigismund zu Nürnberg verpfänden müssen , um Geld für die Regensburger Reise zu beschaffen . Dieses Geld war auch schon wieder ausgegeben , war auf der langen Reisestrecke in die flehenden Hände des verarmten Volkes geflossen , das überall in hoffendem Glauben die Straße des schönen , hilfreichen Königs belagert hatte . Er kam zu seiner treuen Reichsstadt Regensburg mit einer Tasche , die so leer war wie ein junges Grab , aus dem der Schaufelmann soeben herausgestiegen . Von den widerlichen Sorgen , die seine häusliche Wirtschaft bedrückten , war in seinen hellen , heiteren Augen kein Schatten zu gewahren . Er schwatzte munter und stand unter dem reinen Himmel wie ein menschgewordener Sonnenstrahl . Das kurzgelockte Braunhaar des Vierundfünfzigjährigen war noch ohne grauen Faden . Ein sorgsam gepflegter , in zwei Spitzen geteilter Vollbart mit lichterem , hübsch geschwungenem Schnauzer umrahmte das längliche , edelgeformte Gesicht , das frische , gesunde Farben hatte . Doch rings um die frohen Augen waren viele feingerissene Faltenzüge ; sie erzählten von Blutstürmen und von Dingen , die nach Meinung der Frommen vor Gott kein Wohlgefallen finden . Wer nicht dicht vor dem König stand , sah diese Runenschrift eines wild durchrüttelten Lebens nimmer , sah nur den fürstlichen Kopf , diese herrliche , anmutsvoll bewegte Mannesgestalt , diesen König von unverwüstlicher Jugend und Schönheit , dem die Herzen des Volkes entgegenjubelten , wenn er lächelte und freundlich grüßte . Neben ihm stand der päpstliche Legat Branda in scharlachfarbener Kardinalstracht mit einem wie aus Marmor geschnittenem Greisenkopf . Den beiden las der junge Kanzler Schlick eine Botschaft vor , die aus München gekommen war . Der Bote , der sie gebracht hatte - Lampert Someiner - , stand bei den Herren des Hofes , grau verstaubt nach einem jagenden Ritt , in den Augen ein ruhiges Leuchten . Während der Kanzler mit halblauter Stimme las , wurde ein Imbiß eingenommen . Wie beim Mahl auf einer Falkenbeize stand man zwischen angepflöckten Rossen oder saß auf Wiesenbuckeln und aß aus kleinen , billigen Zinnschüsseln . Das goldene Reisegeschirr der Majestät war zu Nürnberg bei dem großen Schwertsmaragd zurückgeblieben . Der König hörte die Botschaft , die da gelesen wurde , mit Lächeln an . Eine leichte Röte auf seiner Stirn verriet den Zorn , den er stumm bezwang . Der Kardinal erregte sich : » Die Fürsten zu München sind begabt mit versöhnlichen Seelen . Sie verzeihen dem Ingolstädter flink . Rom wird zögern müssen mit seiner Güte . « » Wie immer ! « Herr Sigismund sah zu einer Herrengruppe hinüber , die den zwerghaften , großköpfigen Narren des Königs umstand und in schallendes Gelächter ausgebrochen war . » Was ist da drüben ? Laßt euren sorgenvollen Herrscher mitlachen ! « Einer kam : » Wir sprachen von heißblütigen Frauen . Da sagte der Narr : In den Leib jener Frauen , die als Liebende unersättlich sind , müßte von ungefähr ein Pantherhaar geraten sein , das sich nimmer entfernt und ruhelos kitzelt . « Die Majestät wurde verdrießlich . » Unser Narr kennt die Frauen , wie der Neid die Freude . « Und in böhmischer Sprache , die der Kardinal nicht verstand , sagte Sigismund seufzend zum Kanzler : » Wenn der Wirrsinn des Narren Wahrheit wäre , müßte unsere Königin einen ganzen Panther verschluckt haben . « Da griffen plötzlich viele Herren nach ihren Waffen . Hinter dem Lagerplatz jagte auf der Nürnberger Straße eine dicke Staubwolke heran . Als man die Reiter und zwei braun und weiß gefleckte Hunde erkennen konnte , flüsterte Schlick : » Der Ingolstädter , mit dem Pienzenauer und Törring . « Stumm , in aufbrennendem Zorne , wandte sich der König und trat so hastig ins Zelt , daß sich der Purpurmantel wie eine schwere Fahne hinter ihm herbauschte . Der Kanzler ihm nach . Im Zelt schrie Herr Sigismund : » Ich will ihn nicht sehen . Er hat wider uns und das Reich gesündigt . Ich muß ihn von der Herrschaft stoßen . « Da stand der zwerghafte , großköpfige Narr bei ihm , zupfte am Mantel des Königs und pisperte mit seinem Kastratenstimmchen : » Vetter , überschrei dir die Lunge nicht ! Sonst wirst du zu Regensburg vor den schönen Frauen husten müssen , statt daß du gewinnend redest . « Diese Stimme floß wie Öl auf den Zorn