das im höchsten Grade gleichgültig sei . Ahriman Mirza war sehr still und in sich gekehrt . Bald hatte sein Gesicht einen gradezu blöden Ausdruck ; bald funkelten seine Augen in grimmiger Energie . Alles , was er tat , war unsicher und überhastet , und sehr oft horchte er ängstlich auf oder schaute wie erschrocken hinter sich , als ob er sich von etwas Unsichtbarem ärgerlich beobachtet und beeinflußt fühle . Sie hatten über dreißig Kamele gestellt . Diese waren vortrefflich , einige davon sogar ausgezeichnet , ausnahmslos nur echte , hochrassige Schuturi Ba ' aud102 . Der Umstand , daß die Dschamikun nur Bergkamele besaßen , die aber als solche von ganz demselben , vielleicht noch höherem Werte waren , wurde von ihnen bereitwillig durch die Zahl ausgeglichen : Sie stellten zehn Stück mehr dagegen . In Beziehung auf die Taki und Dinarun war dies nicht nötig . Diese brachten gegen vierzig Stück zusammen , was die Dschamikun mit ebenso vierzig erwiderten . In Betreff der Pferde lagen die Verhältnisse umgekehrt . Die Gegner mochten in Beziehung auf ihre Matadore denken , was sie wollten ; der Durchschnitt aber stellte sie tief . Sie konnten nicht einmal so tun , als ob sie das leugnen wollten . Ihr Aerger hierüber war groß ; sie verschluckten ihn aber im stillen . Sie brachten mit den Dinarun und Taki zwar gegen sechzig Stück » edles Blut « zusammen , wie sie es nannten , mußten es sich aber gefallen lassen , daß wir mit nur vierzig parierten . Nach Abschluß dieser Verhandlungen wurde das Resultat bekannt gegeben und schnell über das ganze Tal verbreitet . Nun schickten wir nach den beiden Eilkamelen , welche von einem der mitgebrachten Hadeddihn und von Hanneh geritten werden sollten ; sie tat das nicht anders ; sie wollte auch einmal zeigen , daß man kann , wenn man will ! Unser drittes war das schnellste Kamel der Dschamikun , leider aber schon ziemlich alt und dabei eigenwillig . Als die Gegner ihre drei Trümpfe brachten , sahen wir freilich , daß es nicht leicht war , gegen solche Kamele aufzukommen . Der Scheik ul Islam und der Mirza gebärdeten sich sehr siegesgewiß ; der alte , bigotte Scheik der Taki ebenso . Sie lachten , als der Dschamiki mit dem seinigen kam . Und sie lachten noch lauter , als unsere Bischarihn-Hadschihn gebracht wurden und sie nun erfuhren , daß eines derselben von einem Weibe geritten werden solle . Es wurde eine Schnur quer über die Bahn gezogen . An ihr hatten sich die sechs Kamele in einer Reihe neben einander niederzulegen . Sie wurden bestiegen . Sobald das Zeichen gegeben wurde , hatte man die Schnur zu entfernen . Es handelte sich hier um einen Gesamtlauf , während die Pferde zu Zweien rennen sollten . Unsere Hanneh schwang sich mit einer Miene in den Sattel , als ob es sich um etwas ganz Alltägliches handle . Sie hatte nur den dünnen Medrek in der Hand , ein leichtes Stäbchen , mit welchem man dem Hadschihn zeigt , nach welcher Seite es sich zu halten habe . Die Gegner aber waren mit schweren , schmerzenden Hetzpeitschen versehen . Da ertönte die Kärna . Die Schnur verschwand . Sechs Zurufe erschollen . Aber nur fünf Kamele gehorchten . Dasjenige des Dschamiki sprang nicht auf . Es blieb liegen . Es brüllte vor Zorn über die große Menschenmenge , vor der es sich produzieren sollte . Das paßte ihm nicht . Unsere Gegner lachten ; wir aber auch . Der Dschamiki lachte schließlich ebenso mit , stieg ab und gab seinem Kamele so lange gute Worte , bis es aufstand und sich von ihm fortbringen ließ . Inzwischen waren die drei Gegner sofort im eiligsten Laufe davongeritten , Hanneh und der Hadeddihn aber erst langsam hinterher . Der Scheik ul Islam jubelte laut , denn der Abstand , den es gab , war nach seiner Ansicht bei der nur einmaligen Runde , die es gab , fast gar nicht einzubringen . Aber die Schnelligkeit unserer Hedschihn vergrößerte sich ; sie vergrößerte sich auch dann noch , als sie diejenige der Vorläufer erreicht hatte ; sie nahm zu , immer zu , als ob sie sich bis in das Unheimliche steigern wolle . Jetzt war der hinterste Gegner erreicht ; er wurde überholt . Bald auch der zweite . Der erste war weiter voran . Er schaute sich wiederholt nach dem Verhängnisse um , dem er so gern entrinnen wollte und doch nicht konnte . Es kam ; es kam ! Es flog an ihm vorüber , weiter , immer weiter , den Geisterhedschahn gleich , von denen man in den Steppen des Sudan erzählt - - - jenseits am See zurück , vom brausenden Jubel der staunenden Menge begleitet , herbei , herbei , um endlich bei uns zu halten . Hanneh wartete das Niederknieen ihres unübertrefflichen Tieres gar nicht ab . Sie schwang sich von oben herunter , ging leuchtenden Auges dorthin , wo der Scheik ul Islam und der Mirza saßen , schlug mit ihrem Stabe laut auf die Bank vor ihnen und sagte : » Ihr lachtet über das Weib ; das Weib lacht nicht , aber es siegt ! « Hierauf kehrte sie an ihren Platz zurück , von Mann und Sohn mit Händedrücken empfangen . Ihr Hadeddihn führte die siegreichen Tiere fort . Dann erst kamen die Gegner , einer immer später als der andere . Wir hatten von drei Nummern zwei Gewinner und also die siebzig Kamele und auch die drei Matadore gewonnen . Der Pedehr sorgte dafür , daß sie sofort in Sicherheit gebracht wurden . Das hatten die Feinde nicht erwartet . Aber anstatt klug und still zu sein , verfielen sie in das Gegenteil und rühmten sich , mit den Pferden Rache nehmen zu wollen . Der Scheik ul Islam rief nach seinem » besten Pferd von Luristan « , gegen welches zunächst zu reiten sei .