. Als die Tür der Schwemme geöffnet wurde , quoll der dicke Pfeifenqualm heraus . Der Seewirt faßte einen der Knechte am Lodenzipfel . » Geh , Steffel , mach den Sprung zur Förstnerin aussi ! Sie weiß schon , daß ihrem Buben nix gschehen is , aber dös arme Weibl tut wie verruckt . Geh , mach dös Katzensprüngl ! Ich zahl dir a paar Maß Bier . « » Meinetwegen ! « Der Knecht stapfte durch die Pfützen und verschwand im Grau des strömenden Regens . Stunde um Stunde verrann . Um Mitternacht machte der Seewirt Kehraus in der Schwemme . Laut schwatzend torkelten die Letzten nach Hause . Der Regen war dünner geworden und ging in feines Geriesel über ; das hatte keinen Laut mehr ; und das Rauschen der Bäche wurde eintönig . Droben im Bergwald gaukelten die Lichter zweier Fackeln ; sie verschwanden , um auf dem tieferen Gehäng wieder aufzublitzen . Durch die hängende Wolkendecke stahl sich das erste Grau ; aus den Wäldern dampften bleiche Nebel und schwebten unruhig hin und her , jedem Wechsel des Windes folgend . Ein starker Geruch von zerriebenem Laub und aufgewühlter Erde füllte die Luft . Es tropfte von den Bäumen ; die hatten ihre Blättchen in dieser Nacht zu Blättern ausgeschoben . Ein junger Apfelbaum , der hinter dem Zaun eines stillen , öden Gehöftes stand , hatte weißen Blütenschimmer . Und eine Drossel schlug . Das war der erste Laut dieses Morgens . Dann klirrende Schritte auf dem Steig , der vom Waldhang gegen die Lände führte . Zwei Holzknechte erschienen unter den triefenden Bäumen ; der eine schob mit dem Bergstock das Fallholz und die Steine aus dem Weg , der andere trug die Büchse und den Hüttensack eines Jägers ; ihnen folgten zwei Männer mit einer Reisigbahre : die Stangen am Fußende trug ein alter Bauer , während die Traghölzer zu Häupten der Bahre in Franzls Händen lagen . Sein Gang war mühsam , seine Arme zitterten . Die drei anderen hatten sich von Stunde zu Stunde abgelöst ; nur Franzl hatte immer den Kopf geschüttelt , wenn einer der Knechte ihm die Stangen aus den Händen nehmen wollte . Das nasse Gewand klatschte an seinem Körper . Tastend suchte sein Schritt den Weg , während seine Augen an dem Mädchen hingen , das auf dem Reisig der Bahre gebettet lag , mit Franzls Wettermantel unter dem Kopf , mit zerschnittenem Mieder und gelöstem Haar . Malis Augen standen offen und hatten flackernden Glanz ; bald schrie sie mit heiseren Lauten , bald wieder raunte sie ein Gewirr sinnloser Worte vor sich hin ; dabei zupften ihre Finger ruhelos an den Haaren der triefenden Lodendecke , die den Körper der Fieberkranken bis zur Brust umhüllte . Die Bahrenträger schritten am Brucknerhaus vorüber und den Wiesen zu . Auf dem Sträßlein stand die alte Horneggerin . » Franzl ! « schrie sie . Und rannte . Nun war es mit Franzls Beherrschung zu Ende . » Da schau , Mutter ! Gibt ' s an Unglück mit ' m Madl , so kannst mich gleich mit eingraben ! « Alle Freude der Horneggerin , daß sie ihren Buben heil nach Hause kommen sah , verwandelte sich in Jammer . » Jesus Maria ! « Sie eilte den Trägern voraus , um Zaun und Tür vor ihnen zu öffnen . » Nur eini , Leut ! Mein Bett soll s ' haben , und wenn ich am Boden liegen müßt ! « Als Franzl die Fiebernde in die Kammer trug , schlug sie mit den Händen um sich und schrie . Der Doktor kam , und die Horneggerin schob ihren Buben zur Tür hinaus . In der Stube fiel er auf die Ofenbank , und seine Knie begannen zu zittern , daß die genagelten Absätze laut auf den Dielen trommelten . Mit verweintem Gesicht kam die Horneggerin aus der Kammer geschlichen und legte den Arm um den Hals ihres Buben . » Sei gscheit Franzl ! Solang eins am Leben is , darf man d ' Hoffnung net verlieren ! « Franzl umklammerte die Mutter . » Dös Madl is mir alles ! Mein Glück und Leben ! Wenn unser Herrgott dem Madl nimmer helfen mag - da wär ' s mir lieber , dem Bruckner sei ' Kugel hätt net den andern troffen , sondern mich ! « » Jesus ! Bub ! « stotterte die Försterin . » Wie kannst dich denn so versündigen ! « » Recht hast ! Ich hab an dich vergessen . Gott verzeih mir ' s ! « Franzl hob das bleiche Gesicht ; seine Augen brannten . » Mutter ! Jetzt hat der Vater d ' Ruh im Grab . Der ihm die Kugel durchs Herz gjagt hat am blutigen Johannistag - jetzt liegt er droben in die Latschen , mit der Kugel am gleichen Fleck . « Jähe Blässe rann über das Furchengesicht der alten Frau . » Der Bruckner ? « Der Jäger schüttelte den Kopf . Leis begann er zu erzählen , während seine verstörten Augen immer wieder die Kammertür suchten . Die ganze Leidensgeschichte seines Herzens sprudelte aus ihm heraus , von der ersten Begegnung mit Mali bis zu ihrem warnenden Wort vor der Dippelhütte : » Nimm dich vorm Schipper in acht ! « Er schilderte jedes Erlebnis mit dem grauen Kameraden , bis zum letzten Morgen unter der Hangenden Wand . » Gleich hat mir die Gschicht mit seine zwei Lumpen net taugt . Aber mit dem Wörtl vom Schwarzbartigen , der den Vater am Gwissen hätt , hat er mir Fuier ins Blut gossen . Und wie ich einisteig übern Schneelahner , sitzt er schon da vor mir , der Schwarzbartig , mit ' m Gsicht voll Ruß ! Siedheiß geht ' s mir in Kopf , und ich fahr gleich auf mit der Büchs . Allweil sitzt er und rühr sich net . Der Spielhahn is ihm vor die