Goten , ich mahne dich an jenen doppelten Eid zu dieser Stunde . Ich frage dich , willst du opfern , wie du geschworen , dein Alles , dein Glück und dein Weib , dem Volk der Goten ? Siehe , auch ich habe drei Söhne verloren für dies Volk . Und habe meinen Enkel , den letzten Sproß meines Geschlechtes , geopfert , gerichtet für die Goten , ohne Zucken mit den Wimpern . Sprich , willst du das gleiche tun ? willst du halten deinen Eid ? oder ihn brechen und ehrlos unter den Lebendigen , verflucht sein unter den Toten , willst du ? « Witichis wandte sich im Schmerz unter den Worten des furchtbaren Alten . Da erhob sich Rauthgundis . Die Linke auf ihres Mannes Herz gelegt , die Rechte wie abwehrend gegen Hildebrand ausstreckend , sprach sie : » Halt ein . Laß ab von ihm . Es ist genug , schon längst . Er tut , was du begehrst . Er wird nicht ehrlos und eidbrüchig an seinem Volke , um sein Weib . « Aber Witichis sprang auf und umfaßte sie , als wollte man ihm sein Weib sogleich entreißen . » Geht jetzt , « sprach sie zu den Männern , » laßt mich allein mit ihm . « Teja wandte sich zum Ausgang , Hildebrand zögerte . » Geh nur , ich gelobe es dir : « sprach sie , die Hand auf die Marmorurne legend , » bei der Asche meines Kindes : mit Sonnenaufgang ist er frei . « » Nein , « sprach Witichis , » ich stoße mein Weib nicht von mir , nie . « » Das sollst du nicht . Nicht du vertreibst mich : ich wende mich von dir . Rauthgundis geht , ihr Volk zu retten und ihres Gatten Ehre . Du kannst dein Herz nie von mir lösen : ich weiß es , es bleibt mein , seit heute mehr denn je . Geht , was jetzo zwischen uns beiden zu leben ist , trägt keinen Zeugen . « Schweigend verließen die Männer das Zelt , schweigend gingen sie miteinander die Lagergasse hinab , an der Ecke hielt der Alte . » Gute Nacht , Teja , « sagte er , » jetzt ist ' s getan . « » Ja , doch wer weiß , ob wohlgetan . Ein edles , edles Opfer : noch viele andre werden folgen und mir ist : dort in den Sternen steht geschrieben : umsonst . Doch gilt ' s die Ehre noch , wenn nicht den Sieg . Leb wohl . « Und er schlug den dunkeln Mantel um die Schulter und verschwand wie ein Schatten in der Nacht . Achtzehntes Kapitel . Am andern Morgen noch vor Hahnenkraht ritt ein verhülltes Weib aus dem Gotenlager . Ein Mann im braunen Kriegermantel schritt neben ihr , das Roß am Zügel führend und immer wieder in ihr verschleiert Antlitz schauend . Einen Pfeilschuß hinter ihnen ritt ein Knecht , ein Bündel hinter sich auf dem Sattel , an dem die schwere Streitaxt hing . Lange verfolgten sie schweigend ihren Weg . Endlich hatten sie eine Waldhöhe erreicht : hinter ihnen die breite Niederung , in der das Gotenlager und die Stadt Ravenna ruhten , vor ihnen die Straße , die nach der Via Aemilia im Nordwesten führte . Da hielt das Weib den Zügel an . » Die Sonne steigt soeben auf : ich hab ' s gelobt , daß sie dich frei und ledig findet . Leb wohl , mein Witichis . « - » Eile nicht so hinweg von mir , « sagte er , ihre Hand drückend . - » Wort muß man halten , Freund , und bricht das Herz darob . Es muß sein . « - » Du gehst leichter , als ich bleibe . « Sie lächelte schmerzlich . » Ich lasse mein Leben hinter dieser Waldhöhe : Du hast noch ein Leben vor dir . « - » Was für ein Leben ! « - » Das Leben eines Königs für sein Volk , wie dein Eid es gebeut . « - » Unseliger Eid . « - » Es war recht , ihn zu schwören : es ist Pflicht , ihn zu halten . Und du wirst mein gedenken in den Goldsälen von Rom , wie ich dein in meiner Hütte tief im Steingeklüft . Du wirst sie nicht vergessen , die zehn Jahre der Lieb ' und Treu , und unsern süßen Knaben . « » O mein Weib , mein Weib , « rief der Gequälte und umschlang sie mit beiden Armen , das Haupt auf den Sattelknopf gedrückt . Sie beugte das Haupt über ihn und legte die Rechte auf sein braunes Haar . Inzwischen war Wachis herangekommen : er sah der Gruppe eine Weile zu , dann hielt er ' s nicht mehr aus . Er zog leise seinen Herrn am Mantel : » Herr , paßt auf , ich weiß Euch guten Rat , hört Ihr nicht ? « » Was kannst du raten ? « » Kommt mit , auf und davon ! werft Euch auf mein Pferd und reitet frisch davon mit Frau Rauthgundis . Ich komme nach . Laßt ihnen doch , die Euch so quälen , daß Euch die hellen Tropfen im Auge stehen , laßt ihnen doch den ganzen Plunder von Kron ' und Reich . Euch hat ' s kein Glück gebracht : sie meinen ' s nicht gut mit Euch : wer will Mann und Weib scheiden um eine tote Krone ? Auf und davon , sag ' ich ! Und ich weiß Euch ein Felsennest , wo Euch nur der Adler findet oder der Steinbock . « » Soll dein Herr von seinem Reich entlaufen , wie ein schlechter Sklave aus der Mühle ? Leb wohl , Witichis , hier nimm die Kapsel mit dem blauen Band : des Kindes Stirnlocken sind