- zuweilen für immer , zuweilen lange Jahre . Es gibt Frauen genug , deren Eitelkeit es schmeichelt , einen solchen Gefangenen mit sich durch ' s Leben zu führen ; und Männer genug , die sich so mitführen lassen , weil sie dabei gehätschelt und verzogen werden - bis sie alte Hagestolzen und vollkommen unerträglich sind . « » Eine furchtbare Perspektive , liebe Tante ! « sagte Uriel scherzend , » und ich begreife , « setzte er ernst und liebevoll hinzu , » daß Dein wahrhaft mütterliches Auge sie für mich nicht ertragen kann . In ein solches Verhältnis gerät man , wenn man niemand liebt und doch gern geliebt sein möchte . Bei mir ist es aber gerade umgekehrt : ich liebe jemand - und will von niemand sonst geliebt sein . « » Ach ! « seufzte die Baronin , » wie konfus ist das Leben mit all ' seinen Erscheinungen ! Hört man von der Treulosigkeit der Männer , so seufzt man . Und findet man einmal die Treue - so seufzt man auch . « - Am anderen Morgen erschien Uriel nicht zum Frühstück und Levin sagte der Baronin , daß er nach Himmelspforten gefahren sei . » Und Sie hielten ihn nicht zurück ? « rief sie . » Er hat mich nicht gefragt , sondern nur gesagt , er gehe . Warum sollte er aber auch nicht gehen ? « » Warum ? mein Gott , warum will er denn durchaus in Regina ' s Nähe kommen , da es nur seinen Schmerz erneuert ! Ich interessiere mich lebhaft für alle liebende Herzen , aber nicht für ihre Torheiten . « » Das ist doch recht schwer zu trennen , « antwortete Levin heiter , » Leidenschaft ist Torheit . Nun , wer weiß , ob Regina ihm nicht die Pforte des Himmels aufschließt , die enge Pforte , durch welche wenige gehen . « » Dann wäre es freilich eine höhere Fügung - und nach einer solchen verlangt er , « sagte die Baronin . - Uriel hatte lange mit sich selbst gekämpft , ob er Regina aufsuchen solle - oder nicht . Er fürchtete nicht die Aufregung des Schmerzes ; aber sehr , den Stachel von Bitterkeit gegen Gott und Menschen , der ihm so viel zu schaffen gemacht hatte und dessen er sich noch immer nicht ganz erwehren konnte . Doch vielleicht nimmt sie mir gerade diesen Stachel aus dem Herzen , sprach er zu sich selbst ; wer weiß , welche Gnaden eine solche Seele mitteilen kann . Zur Stunde der Vesper war er in Kloster Himmelspforten und ging in die Kapelle , die geöffnet - jedoch hinter dem Altar durch Gitter und Laden abgeschlossen gegen den Chor , war , in welchem die Ordensfrauen gemeinschaftlich die kanonischen Stunden beteten . Es war ein grauer milder Nachmittag , die Luft so seltsam lau , wie sie zuweilen im Dezember auf ein paar Tage oder Stunden eintritt ; man denkt dabei an erfrorene Rosen . In der Kapelle herrschte schon die Dämmerung des Abends und die Vesper hatte begonnen , als Uriel eintrat . Also hier in diesem trüben , frostigen Dunkel verblüht die leuchtende Lilie ! sprach er zu sich selbst ; in dieser Schattenwelt ist ihr energisches Leben untergegangen , in dieser Grotte des Karmels ihr Herz eingesargt ! Ein namenloses Weh zerschnitt ihm die Seele ; das Weh , welches jeder empfindet , der in der Opferflamme des Altars ein blutendes Menschenherz langsam verzehren sieht und nicht weiß , daß es darin auf der Hand Gottes liegt . Er horchte auf die betenden Stimmen ; sie waren zu einem und demselben Ton eingeübt : er konnte nicht Regina herausfinden . Begraben ! begraben ! jammerte sein Herz . Er hoffte auf die Antiphone ; es war ja unmöglich , die Singstimme ganz ihres eigentümlichen Gepräges zu entäußern . Die Antiphone des Advents » Alma redemptoris « wurde gesungen ; aber ohne Regina . Er hätte ihre Stimme mit dem ihr eigenen seeleninnigen Klang unter Tausenden erkannt . Begraben ! begraben ! jammerte sein Herz ; und wie es so jammerte , fiel ihm ein , dies sei vielleicht keine figürliche Redensart und sie sei in der Tat tot oder sterbend . Er floh aus der Kapelle , eilte zur Klosterpforte und schellte hastig . Die Pförtnerin erschien am kleinen Fenster und mit stockendem Atem sagte Uriel : » Ich wünsche die Schwester Therese vom Lamm Gottes zu sprechen . « Dies war Regina ' s vollständiger Klostername ; es konnte jetzt keine Verwechselung mit irgend einer anderen Schwester Therese vorfallen . » Sie ist im Chor , « sagte die Pförtnerin , und setzte ein paar Worte hinzu , welche bescheiden andeuteten , daß die späte Stunde ungelegen sei . » Also komme ich morgen vormittag , « erwiderte Uriel und ging ruhiger in die Kapelle zurück , die ihm plötzlich nicht mehr so finster und frostig vorkam , denn - sie war im Chor und wo sie war , da wurde es sonnenhell und sonnenwarm . Er fühlte sich beglückt , in ihrer Nähe zu atmen , von denselben Mauern umschlossen , von demselben Dach beschirmt zu sein . Nichts trennte sie - als der Altar mit dem Tabernakel ; als Gott ! Und trennt denn Gott die Seelen ? fragte er sich heimlich . Sind sie nicht süß und fest geheimnisvoll in ihm verbunden ? .... viel sicherer , viel unzertrennlicher in dieser göttlichen Lebensgemeinschaft , als in einer irdischen ? .... Und doch ! und doch ! das Menschenherz hat nicht sein Genügen in ihr ! - Und er dachte mit einer so unerhörten Freude , daß ihm die Brust davon beklemmt wurde : morgen werde ich sie sehen , sie hören , mit ihr sprechen ! und dann ? .... - Ihm war zu Sinn , als ob dann sein Herz still stehen werde . Es war ganz dunkel geworden ,