den Bahnhof ! Er ist nach Witoborn , um eine Liegenschaft anzukaufen ... Aus der Enckefuß ' schen Schuldenmasse ? Sieh ! Sieh ! Das nenn ' ich rasch bei der Hand ! Wie so , Enckefuß ' sche - ? Ich habe am Ende Pitern noch das Geleit gegeben , ein Angebot auf die Grundstücke zu machen , die der Oberst und Hedemann kaufen wollten ? Beruhigen Sie sich ! ... Indessen - Eben wollte Benno seinem Freunde auseinandersetzen , daß sich der Assessor von Enckefuß auf seine , Benno ' s , Verwendung an den Procurator Nück gewandt hätte , ihm in der Befreiung seines überschuldeten Vaters von den bittersten Verlegenheiten behülflich zu sein ... Eben gab er eine Schilderung der Verhältnisse des Rittmeisters , die ganz den Erinnerungen , die von diesem Lucinde haben mußte , entsprach ... Eben mußte er zugleich sein Erstaunen ausdrücken , daß , wenn Piter Kattendyk wirklich die Enckefuß ' sche Masse erstehen wollte , dies nur im Auftrage seines Schwagers geschehen sein könnte , jedoch in einer Eile , die ihn wahrhaft überrasche - als Thiebold vom Fenster aus eine ungewöhnliche Aufregung auf dem kleinen Platze bemerkte . Was gibt es denn da ? unterbrach Thiebold in plötzlichem Ausruf Benno ' s und seine eigene Besorgniß , die er für Hedemann ' s Mühle aussprechen wollte , die einen Theil der überschuldeten Enckefuß ' schen Besitzthümer bildete ... Auch Benno hatte schon lange ein ungewohntes Treppenlaufen in seinem kleinen Hause bemerkt , war auch ans andere Fenster getreten und bestätigte schon , daß an einem ganz in einen Winkel des kleinen Platzes gedrückten Hause ein starker Zusammenlauf von Menschen stattfand , ja eben bestieg sogar ein Polizeicommissar eine nach der Straße offen liegende Treppe des von den Menschen aufgeregt umstandenen Hauses ... Die Menschen drängten nach ... Der Commissar wandte sich und verbot jedem , nur auch einen Schritt weiter zu folgen ... Damit schloß er die Treppenthür hinter sich zu und verschwand . Thiebold hatte in seiner raschen Art schon zum Fenster hinausgesprochen , was denn da wäre ? Es ist die Nacht einer ermordet worden ! hieß es . Wie ? Wer ? riefen beide Freunde zugleich . Eine Frau ! Die sanguinische Natur Thiebold ' s hatte schon den Hut in der Hand und stürzte die Stiege hinunter , um wenn nicht für sich , doch für seinen Freund Benno eine für so nahe Nachbarschaft beunruhigende Thatsache festzustellen . Indem kamen bereits die Wirthsleute Benno ' s und berichteten ihm , daß in dem Hause drüben eine alte stadtbekannte geizige und nach allgemeiner Vermuthung reiche Frau diese Nacht wäre ermordet worden ... Die Milchfrau hätte die Thür ihrer Wohnung offen gefunden ... wäre hineingegangen und hätte die alte Dame mit einer Schlinge um den Hals erwürgt gefunden , dicht am Küchenherde . Eine Frau Hauptmännin - hieß es ; der Name ging Benno verloren , zumal in der Eile , mit der man auf jeden aussein mußte , der neue Mittheilungen brachte . Benno , inzwischen vollends angekleidet , wollte gleichfalls seinen Hut holen . Ohnehin bekümmerte ihn , da ihn gestern Nachmittag ausschließlich Bonaventura in Anspruch genommen und er Nück nicht gesprochen hatte , die plötzliche Ahnung einer Gefahr , in die sowol Hedemann ' s und des Obersten Ankauf als selbst die momentane Schuldenbefreiung des Landraths und Rittmeisters von Enckefuß gerieth . Der » schöne Enckefuß « besaß daheim , soweit Benno wußte , keinen einzigen Beistand , keine einzige Hülfsquelle mehr . Die Gläubiger konnten sein Eigenthum , ein größeres Anwesen vor und in Witoborn , in Anspruch nehmen und schon hatte Hedemann davon eine Mühle und deren Gerechtsame für sich erstehen wollen von einem der Witoborner Juden , der darauf eine Hypothek hatte , die dem ganzen Werthe des Grundstücks fast gleichkam ... Kaufte Hedemann sie von dem Gläubiger , so erstand er sie zu geringerem Preise . Trat aber ein Gesammtkäufer ein , der die Schuldner befriedigte und - wie der Assessor für seinen Vater hoffte - sich mit diesem , der ohne Besitzthum nicht mehr Landrath sein konnte , arrangirte , so fielen vielleicht Hedemann ' s Hoffnungen nicht nur auf einen wohlfeilen Preis , sondern vielleicht überhaupt die für den Ankauf und eine neue Begründung seiner Existenz vorhandene Möglichkeit dieser Erwerbung fort . Ließ Nück , ohne seinem Hülfsarbeiter davon etwas zu sagen , diesen Ankauf in solcher Eile und hinter seinem Rücken vollziehen - noch gestern früh war kaum die allgemeine Bereitwilligkeit des oft gar seltsamen Procurators gewonnen gewesen - , so fiel zwar die Hoffnung gerade nicht fort , daß Hedemann seine Mühle bekam , doch jedenfalls wurde der Preis größer , als durch den Ankauf von jenem Einzelnen , der seine Hypotheken retten wollte . Und noch war seiner schnellen Combination sogleich etwas Anderes räthselhaft gewesen . Nück ' s Neigung , dem bedrängten Enckefuß zu helfen , schien ihm keine aufrichtige . Er hatte es sogar anfangs ganz unbedingt abgelehnt . Und sogar von Hedemann und dem Obersten hatte er die Worte fallen lassen : Bester , was ist denn nur das ? Ich höre ja , diese beiden Leute sind aus Amerika zurückgekommen und noch nicht ein einziges mal hat einer von ihnen hier oder in Kocher am Fall oder in Witoborn einer Messe beigewohnt ? ... Benno wollte aufs schleunigste zu Nück oder Enckefuß . Ein Glück aber zunächst für den Kaffee , daß eben auch Thiebold wieder zurückkam ... Rasch zuspringend auf das übersiedende Wasser und ohne die Bereitung des Frühstücks aus dem Auge zu verlieren , erzählte er : Ja das ist schön ! Ein richtiger completer Mord ! Ich bin von der Wache hinaufgelassen worden und habe mir die Geschichte angesehen ! Hinter den Vorhängen im zweiten Stock drüben ... Schauerlich ! ... Braun und blau ... In der Küche dicht am Feuerherd liegt eine alte Person ... mit ' nem gräßlich entstellten Angesicht ... und gerade als wollte sie in Todesangst