verwahrt , als daß er sie hätte befreien können . Und wenn ihm auch ein kühner Streich gelänge , er konnte ja doch den Kindern nicht die Mutter wiedergeben , und der Vater war auf lange , vielleicht auf immer , von ihrer Schwelle verbannt . Doch war es nicht dies allein , was seinen Blick an die grauen Giebel fesselte : es war der wunderbare Zug nach der Heimat , den seine heimatlosen Gesellen nicht verstanden . Seltsamer Drang des Herzens ! Keine heimische Geschichte , vom Mund des Großvaters auf den Enkel fortgepflanzt , keine alte Volkssitte lebte in diesem nüchternen Orte , woraus das Gemüt des Knaben Nahrung und dankbare Anhänglichkeit hätte schöpfen können , und doch zog es den reifenden Mann aus der Öde der Verbannung immer wieder nach der kargen Heimat zurück . Sie hatte ihn ausgestoßen und von sich gespien , sie fürchtete sich vor ihm wie vor dem wilden Tiere , das aus den Wäldern hervorbricht ; er fluchte ihr und drohte ihr mit Mord und Brand : und doch kam er immer wieder nach ihr zu schauen , und in seiner kindisch unverdauten Weise war er mehr als auf jede Kriegs- oder Friedensneuigkeit darauf erpicht , zu wissen , was man in Ebersbach von ihm sage , obgleich er sich die Antwort selbst geben konnte , die ihn immer wieder mit Wut und Haß gegen die Menschheit erfüllte . Wut and Haß traten auch jetzt wieder an die Stelle der Wehmut ; ohnmächtige Racheblicke sendete er hinab , und sein abgehetztes Hirn begann zu wirbeln , so daß er sich dem Wahnsinn nahe fühlte und es geraten fand , sich mit der Jagd nach Wild eine Beschäftigung aufzuerlegen , um der Hetzjagd seiner Gedanken zu entgehen . Auch war es Zeit für ihn , das Feld zu räumen , denn die Mäher kamen da und dort aus dem Flecken gezogen , und ihre Sensen blitzten in der Sonne . Bald gehörte die Welt , mit Ausnahme der Waldwinkel und Diebsherbergen , wieder den Menschen , die in den Schranken des Lebens blieben und sich unter das Gesetz beugten . Sein Platz war nicht mehr hier , und wenn er dem Lichte des Tages zu trotzen wagte , so durfte er sich bald wieder auf das wilde Geschrei der Menschenjagd gefaßt halten . Er ging in den Wald und zog aufmerksam spürend einen großen Bogen , der ihn zuletzt wieder , eine gute Strecke unterhalb seines Vaterortes , gegen das Tal herausführte . Er befand sich hier an einer steilen Bergseite über einem ganz engen Seitentälchen , das in der Urzeit nur eine Schlucht gewesen war . Ein dünnes Bächlein rieselte durch den Grund nach dem größeren Tale hinaus , und neben dem Bächlein lief ein schmaler Weg hin , kaum für kleine Fuhrwerke befahrbar . Das Bächlein und der Weg füllten den Grund des kleinen Einschnittes völlig aus ; über dem Bächlein hing der steile Bergwald , wie eine beinahe gerade Wand , und von dem Rande des schmalen Weges an stieg die entgegengesetzte Wand , sich sanfter zurücklehnend , nach der Anhöhe empor , die das größere Tal begrenzte . Auf dieser nicht so steil geneigten Seite zogen sich Wiesenstücke vom Tal herein und von der Höhe herab bis an den Rand des Weges , aber von Wald unterbrochen , der sich an einzelnen Stellen von der steilen Bergwand her über das Bächlein auch auf die andere Seite verbreitet hatte , so daß der schmale Weg sich oft im Walde zu verlieren schien . Das Tälchen war so still , daß das Wild hier oft bis an den Weg herunterkam , um aus dem Bächlein zu trinken . Er zog sich an der steilen Bergseite hin und geriet in eine Vertiefung , die von oben nach dem Tälchen herablief , wie sie , vom Volke Klingen genannt , in den vielfach eingeschnittenen Bergwäldern sich häufig finden . Ein Erdaufwurf , mit Moos und Waldgras bewachsen , hinderte seinen Schritt . Er blieb stehen und besann sich . » Richtig ! « sagte er , » hier am Kirnberg , weit ab von ihrer Gemeinschaft , haben sie dich eingescharrt , armer Küblerfritz ! Wenn einer des Wegs daherkommt , so geht er gewiß scheu vorüber und denkt in seinem Herzen : Herr , ich danke dir , daß ich kein , solcher bin . Bei Nacht wird sich vollends gar keiner herwagen , und doch bleibst du sicherlich auf deinen trotzigen Ellbogen ruhig liegen , denn der Kirnbach da drunten ist viel zu klein für deinen Durst . Schlaf du ruhig fort im kühlen grünen Wald . Hier ist dir ' s wohler , als auf dem Kirchhof neben den anderen mit ihrem Wahren Christentum . Hätt ich dran gedacht , so war ich heut nacht bei dir eingekehrt , alter Kamerad . Dafür will ich dir jetzt ein wenig Gesellschaft leisten . « Er setzte sich auf den verrufenen Hügel und pflog mit seinen Gedanken Verkehr . Da sie ihm aber zu wild wurden , stand er wieder auf und ging weiter vorwärts , bis er zu einer alten Buche kam , die ihm bequem zum Anstand schien . Das Gewehr in den herabhängenden Händen haltend , lehnte er sich an den Baum und starrte in den blauen Himmel empor . Es war so still , daß der Ton des Mähens von draußen , wie er glaubte , in diese Einsamkeit zu ihm drang . Da weckte ihn ein Geräusch in der Nähe . Er blickte hin und erhob leise das Gewehr . Auf einer kleinen Lichtung , unter der Stelle , wo er seinen Stand genommen , war ein Hirsch herausgetreten , der lauschend stehen blieb . Er legte an , zielte und wollte abdrücken , zog aber in diesem Augenblicke das Gewehr zurück , da er die Ursache entdeckte , die den Hirsch zurückgehalten und ihm so schußgerecht gebracht hatte . In der Richtung des Schusses , auf