mußte Es ist alles eitel unter der Sonne ! Die Königin war als Weib , was er als Mann , und beide , in reiche , üppige Wänder gehüllt , saßen allein und einsam sich gegenüber und schienen , die brennenden Augen eines auf das andere geheftet , in heißem , fast feindlichem Wortspiele sich das Rätsel ihres Wesens , der Weisheit und des Glückes herauslocken zu wollen . Das Merkwürdige dabei war , daß der schöne König in seinen Gesichtszügen ein zehnmal verschönter und verstärkter Ferdinand Lys zu sein schien . Ein anderes Bild stellte einen Hamlet dar , aber nicht nach einer Szene des großen Trauerspieles , sondern als Porträt und so , als ob ein anachronischer van Dyck den Prinzen in seinen Staatsgewändern gemalt hätte , ganz jung , blühend und hoffnungsvoll , und doch mit seinem ganzen Schicksal schon um Stirn und Augen . Dieser Hamlet glich ebenfalls stark dem Maler selbst . Obgleich im strengsten Stil gehalten , machte doch einen überwältigenden , verführerischen Eindruck eine Königin , welche , schon von jeder Hülle entblößt , eben mit dem Fuß in einen klaren Bach zum Bade tritt und vergessen hat , ihre goldene Krone vom Haupte zu tun . So trat sie , mit derselben geschmückt , dem Beschauer gerade entgegen , jeder Zoll ein majestätisches Weib , aus einem Lorbeergebüsch hervor , den ruhigen Blick auf das kühle Wasser gesenkt . Dies Bild , so gewaltig es war , war doch , mit wahrhaft klassischer Liebe und Kindlichkeit ausgeschmückt und ausgeführt . Das Beiwerk , die glänzenden Steine im Bach , die durchsichtigen spielenden Wellen , die stahlblauen Libellen darüber , die Blumen am Ufer , die Lorbeerbäumchen und endlich die Wolken am tiefblauen Himmel , alles war so frisch und leuchtend und doch so streng und fromm geformt , daß die sinnliche Gewalt , welche auf den reichen Gliedern der Hauptfigur herrschte , auf dem heiligsten Rechtsboden zu stehen schien . Das Hauptbild aber , und auf welches er den meisten Fleiß verwandte , war eine größere Komposition , deren Veranlassung die Psalmworte gegeben Wohl dem , der nicht sitzet auf der Bank der Spötter ! Auf einer halbkreisförmigen Steinbank in einer römischen Villa , unter einem Rebendache , saßen vier bis fünf Männer in der Tracht des achtzehnten Jahrhunderts , einen antiken Marmortisch vor sich , auf welchem Champagner in hohen venezianischen Gläsern perlte . Vor dem Tische , mit dem Rücken gegen den Beschauer gewendet , saß einzeln ein üppig gewachsenes junges Mädchen , festlich geschmückt , welches eine Laute stimmt und , während sie mit beiden Händen damit beschäftigt ist , aus einem Glase trinkt , das ihr der nächste der Männer , ein kaum neunzehnjähriger Jüngling , an den Mund hält . Dieser sah beim lässigen Hinhalten des Glases nicht auf das Mädchen , sondern fixierte den Beschauer , indessen er sich zu gleicher Zeit an einen silberhaarigen Greis mit kahler Stirn und rötlichem Gesicht lehnte . Der Greis sah ebenfalls auf den Beschauer und schlug dazu spöttisch mutwillig Schnippchen mit der einen Hand , indessen die andere sich gegen den Tisch stemmte . Er blinzelte ganz verzwickt freundlich mit den Augen und zeigte allen Mutwillen eines Neunzehnjährigen , indessen der Junge , mit trotzig schönen Lippen , mattglühenden schwarzen Augen und unbändigen Haaren , deren Ebenholzschwärze durch den verwischten Puder glänzte , die Erfahrungen eines Greises in sich zu tragen schien . Auf der Mitte der Bank , deren hohe , zierlich gemeißelte Lehne man durch die Lücken bemerkte , saß ein ausgemachter Taugenichts und Hanswurst , welcher mit offenbarem Hohne , die Nase verziehend , aus dem Bilde sah und seinen Hohn dadurch noch beleidigender machte , daß er sich durch eine vor den Mund gehaltene Rose das Ansehen gab , als wolle er denselben gutmütig verhehlen . Auf diesen folgte ein stattlicher ernster Mann ; dieser blickte ruhig , fast schwermütig , aber mit mitleidigem , bedauerlichem Spott drein , und endlich schloß den Halbkreis , dem Jüngling gegenüber , ein eleganter Abbé in seidener Soutane , welcher , wie eben erst aufmerksam gemacht , einen forschenden stechenden Blick auf den Beschauer richtete , während er eine Prise in die Nase drückte und in diesem Geschäft einen Augenblick anhielt , so sehr schien ihn die Lächerlichkeit , Hohlheit oder Unlauterkeit des Beschauers zu frappieren und zu heillosen Witzen aufzufordern . So waren alle Blicke , mit Ausnahme derer des Mädchens , auf den gerichtet , welcher vor das Bild trat , und sie schienen mit unabwehrbarer Durchdringung jede Selbsttäuschung , Halbheit , Schwärmerei , jede verborgene Schwäche , jede unbewußte Heuchelei aus ihm herauszufischen oder vielmehr schon entdeckt zu haben . Auf ihren eigenen Stirnen und über ihren Augen , um ihre Mundwinkel ruhte zwar unverkennbare Hoffnungslosigkeit ; aber trotz ihrer Marmorblässe , die alle , ohne den rötlichen Greis , überzog , staken sie in einer so unverwüstlichen muntern Gesundheit , und der Beschauer , der nicht ganz seiner bewußt war , befand sich so übel unter diesen Blicken , daß man eher versucht war auszurufen Weh dem , der da steht vor der Bank der Spötter ! und sich gern in das Bild hineingeflüchtet hätte . Waren nun Absicht und Wirkung dieses Bildes durchaus verneinender Natur , so war dagegen die Ausführung mit der positivsten Lebensessenz getränkt . Jeder Kopf zeigte eine inhaltvolle eigentümlichste Individualität und war für sich eine ganze tragische Welt oder eine Komödie und nebst den schönen arbeitlosen Händen vortrefflich beleuchtet und gemalt . Die gestickten Kleider der wunderlichen Herren , der grüne Sammet und der rote Atlas an der reichen Tracht des Weibes , ihr blendender Nacken , die Korallenschnur darum , ihre von Perlenschnüren durchzogenen schwarzen Zöpfe und Locken , die goldene sonnige Bildhauerarbeit an dem alten Marmortische , die Gläser mit den aufschäumenden Perlen , selbst der glänzende Sand des Bodens , in welchen sich der reizende Fuß des Mädchens drückte , diese zarten weißen Knöchel im rotseidenen