diese Denkwürdigkeiten drucken ließe ! Hm ! hm ! räusperte sich Schlurck . Wenn ich mir ' s genauer überlege ... das Geplauder einer alten Rivalin , die sich von der Welt zurückzog , weil sie vielleicht keine Verehrer mehr fand ... kann das schaden ? Was machen Sie sich aus solchen kleinen Nadelstichen ? Verbrechen werden Sie gegen keinen andern Gott begangen haben , als gegen den kleinen Gott der Liebe ... Über die Streiche dieses Kindes lacht man . Pauline schwieg und sah Schlurck von der Seite mit großem Mistrauen an , gleichsam um heimlich auszuspähen , ob dies seine wahre Meinung wäre . Als er die Brille wieder aufgesetzt hatte , sagte sie : Nein ! Auch lachen soll man nicht mehr über mich . Ich leide in der Gesellschaft noch zu sehr daran , daß man über Nadasdi lachte . Ein Buch von mir und ein Buch über mich ist ein großer Unterschied . Die Bilder der Familie , meine gnädigste Freundin , fuhr Schlurck ruhig fort , die Bilder der Familie Hohenberg sollen an den Prinzen Egon zurück . Sie stehen genau in dem Inventarium verzeichnet , das beim Verkaufe des Mobiliars angefertigt wurde . Ich werde sie vom Geheimrath alle in Anspruch nehmen müssen . Meinen Sie vielleicht ein Bild im Medaillonformat , das Pastellportrait der weiland jungen Fürstin ? Suchen Sie es ! sagte Pauline . Dies gerade wird fehlen .... Schlurck blickte nieder und spielte mit dem leichten Stöckchen , das er in der Hand trug . Er legte den Perlmutterknopf des Stockes bald an die Lippen , bald klopfte er damit auf die Fläche der linken Hand . Pauline fühlte sich gefoltert . Sie wissen etwas von dem Bilde -Justizrath ? sagte sie . Und wenn ich etwas davon wüßte ? Das Bild ist mein ! Es gehört dem Prinzen Egon ! Und Sie wären im Stande , es ihm auszuliefern ... auszuliefern , ehe man es untersuchte ? Wenn es eine Kapsel enthielte , unter der die Denkwürdigkeiten verborgen wären ... Schlurck , würden Sie ihm diese ausliefern ? Würden Sie ruhig mit ansehen , daß mein Ruf , meine Ehre , in die Hände meiner Feinde käme ? Hm ! hm ! sagte Schlurck , schwieg dann , wiegte das Stöckchen hin und her und schien zu überlegen , wie er diese Chancen der Aufrichtigkeit einer gefährlichen und einflußreichen Frau mit seinem Vortheil vereinigen sollte . Er ging von dem Grundsatz aus : Gegen schlimme Menschen muß man selber schlimm sein . Auch Sie sind mein Feind , rief Pauline und sprang bebend vor innerer Erregung auf ; ich sehe es , auch Sie ! Nach einer Weile warf sie sich in einen andern Sessel und bedeckte das Antlitz mit beiden Händen . Schlurck stand auf und zog seine Handschuhe wieder an , als rüstete er sich zum Gehen ... Wir klagen , sagte er , und jammern über ein Bild ! Hätten wir es nur erst ! Wissen Sie , wo ich es vermuthe ? Wo ? In den Händen meiner Tochter . Schlurck ? In den Händen meiner Tochter . Sie scherzen .... Lassen Sie mich diese Vermuthung , die sich auf allerhand Plaudereien Bartusch ' s , die ich fast überhörte , gründete , genauer untersuchen . Ich hoffe , mich so zu benehmen , daß ich Ihnen nicht misfallen werde . Pauline richtete noch einmal erstaunt den Kopf auf und fragte nochmals : In den Händen Ihrer Tochter ? Sie wissen doch , sagte Schlurck , daß ich eine Tochter habe , die ich Melanie nannte , weil mir der Tonfall dieses Namens Das auszudrücken schien , was sie Gott sei Dank ! zu meiner Freude wirklich geworden ist . Sie schwebt vorurtheilsfrei über die Erde hin und hat dazu von den Göttern die entsprechenden leichten Schwingen bekommen . Ich glaube , daß sie einmal der Sonne zu nahe kommen und sich elend verbrennen kann ; aber wenn sie stürzt , wird sie nicht auf ' s Gemeine fallen . Ich liebe sie doppelt , einmal , weil sie mein Kind ist und zweitens , weil sie Verstand hat . Sie liebt den Prinzen Egon .. Sie wird die Fürstin von Hohenberg ! sagte Pauline . Ich bitte Sie , rief Schlurck , dann nehm ' ich mein Wort zurück und erkläre , daß sie keinen Verstand hat - Was glauben Sie ? Ich wiederhole nur , was mir Bartusch , mein alter Maulwurf und Spürer , heute früh zugetragen hat . Da mich weit mehr der große Proceß und die Administration beschäftigte , als all diese kleine Romantik ; da ich ferner jeden Augenblick zum Prinzen gehen wollte , um über alles Zukünftige klar zu sehen , so hört ' ich nur halb und halb auf dies Tuscheln und Flüstern und merkte nur obenhin , daß der Alte von meiner Melanie viel Krauses und Buntes erzählte . Sie hat viel unterwegs gelacht und , wenn ich aufrichtig sein soll , gestern über Niemanden mehr - Über Niemanden mehr- wiederholte Pauline gespannt . Schon wollte sie sagen : Als über meinen Mann ? doch sie besann sich ... der Gedanke des im Möbelwagen eingesperrten Intendanten war ihr denn doch zu demüthigend ... Sie wiederholte : Als über wen ? Nun nannte Schlurck , mit einem wohlangebrachten Handkuß , in aller Delikatesse und mit viel Schelmerei wirklich den Geheimrath ... Die Gewißheit , daß nun also doch Henning von Harder der Düpe irgend einer von weiblicher Hand im Interesse des Prinzen geleiteten Intrigue gewesen war , lag klar vor den Augen der klugen Frau . So wie sich weibliche Schönheit und Liebenswürdigkeit in die Verknüpfung der ihr so räthselhaften einzelnen Thatsachen mischte , ging sie nicht mehr irr , denn da hatte sie einen sicher leitenden Faden . Vom weiblichen Herzen wissen Frauen immer wohin es zielt und wofür allein es schlägt und wofür allein es etwas wagt . Ebenso klar war ihr aber auch ,