sind gezählt , und gern möchte ich sie ungestört haben . - Und nimmer sollen durch mich diese kostbaren Stunden , die Gott verlängern mag , gestört werden , erwiederte Bristol , tief gerührt von dem völlig wieder erlangten Vertrauen des theuern Königs . Ich habe nur einen Wunsch gekannt , er war , mit meinem Könige versöhnt zu sein und noch einmal voll Vertrauen die Hand küssen zu dürfen , die huldvoll über mein ganzes Leben reichte . Du hast Recht gehabt , dies zu wünschen , und Du hast dadurch Deinem alten Freunde wohlgethan . Sie sagen , mein böses Fieber sei jetzt zu Anfang des Frühjahrs heilsam ; aber dies gilt nur für die Jugend , ich weiß es besser . Gestern , das war meine letzte Audienz ! Bald hoffe ich , setzte er mit Andacht und Ruhe hinzu , vor dem Audienz zu haben , welcher der König der Könige ist . Im Ganzen , Bristol , fürchte ich ihn nicht . Denn ob ich gethan , was möglich war auf meinem Platze , das kann nur der wissen , der allein meine Kräfte richtig zu schätzen weiß ; aber selten habe ich unterlassen , was ich als Recht erkannte , und wenn Du mir verzeihen willst , alter Freund , dann denke ich , wird mich ein mildes Gericht erwarten . - Bristols lange unbenetzte Augen flossen hier über ; schluchzend drückte er sein Gesicht in die fieberheiße Hand des Königs und stöhnte schmerzlich : O mein König , mein theurer Herr , muß ich noch lange nach meinem theuern Könige leben , so wird jeder Hauch Dank und Liebe für ihn sein ; aber vielleicht vereinigt mich Gottes Hand bald wieder mit dem , dem ich hier ausschließlich meine Kräfte weihte . Ja , sieh , mein Freund , fuhr der König fort , und immer freier und ruhiger ward sein Ausdruck , wenn wir reif sind , hier aufzuhören , das sagt freilich kein Mensch dem andern voraus , aber es giebt etwas in unserm Innern , welches zum Wegweiser dient nach jener Welt ; das Leben löst sich von uns selbst ab , es schrumpft zusammen , wir sehen es in allen seinen Theilen verkleinert , wie aus weiter Ferne ! Dann , glaube mir , ist es Zeit , da oben wird es weiter und größer , und der Trieb , der uns Zeitlebens beherrscht , dahin zu wollen , wo wir uns freier bewegen können , der führt uns zuletzt ohne Scheu über die Grenze hinüber . Sie ziehn noch an mir herum , und Jeder will etwas anders , und ich will nichts als Ruhe , um sterben zu können ; da denke ich , es wird nicht mehr viel schaden , was ich zugebe , und der da oben macht es wieder gut , wenn es meinem armen Lande Schaden bringen sollte . Ich empfehle Dir meinen Kronprinzen . Du weißt am besten , was für Prinzipia wir befolgt haben , es könnte ihm Noth thun . Bleibe ihm zur Seite , das heißt , wenn Du mit Buckingham versöhnt sein wirst , wozu ich Dir Glück wünschen will ; aber ich sage Dir , was er sich einmal in den Kopf gesetzt , das hält er fest , ich könnte Dir viel davon erzählen , ohne ihn deshalb verkleinern zu wollen . Jetzt stutzte der König und hielt inne , denn ziemlich vernehmlich ward im Nebenzimmer gesprochen ; man unterschied die kalte und etwas abstoßende Sprache des Prinzen , und die helle und lebendige Stimme des Marquis . Der König ward etwas roth , während er horchte , dann schien er sich zu beruhigen . Leise und heimlich ein wenig lächelnd , sagte er : Steeny ist nicht dabei , der wäre schon hereingebrochen ; Karl ist aber ein guter Sohn , er wird seinen alten Vater nicht betrüben wollen . Doch höre , Lieber , Du thust mir zu Gefallen ein bischen blöde und stellst Dich hinter den Bettvorhang , nun höre , thue es ! Bristol litt empfindlich bei dem Gedanken , sich verbergen zu sollen ; er stand mit gebeugtem Haupte , und ehe noch die Bitte des Königs den alten Stolz überwinden konnte , öffnete der Marquis dem Prinzen die Thür , und beide traten ein . Der Prinz hielt sich abgewendet von Bristol , als sähe er ihn nicht , und ging auf das Bett seines Vaters zu , ohne daß Bristol sich von seinem Platze geregt hätte . Der König streckte ihm mit unruhiger Zärtlichkeit die Hände entgegen , die der Prinz in kindlicher Ehrfurcht küßte . Mein lieber Sohn , mein theures Kind ! Gott segne Dich dafür , daß Dein alter Vater Dein erster und letzter Gedanke ist ; komm ganz nahe heran , setz Dich auf mein Bett , mein guter Sohn ; - so redete Jakob seinen Sohn mit dem sichtlichsten Bestreben an , ihn durch Liebe und Freundlichkeit milde zu stimmen . - Ich hoffe , mein theurer Vater befindet sich leidlich , und was hier in meiner Abwesenheit mindestens Unbesonnenes geschehen ist , hat , wie ich hoffen will , keinen Einfluß ausgeübt über die so leicht erschütterte Gesundheit Eurer Majestät . - Gesundheit , Kind ! lächelte der König , sieh , Kind , das paßt nicht mehr ; wo ist hier noch Gesundheit ? Und meine Krankheit , Kind , der wollen wir gern eine wohlthätige Erschütterung gönnen . Wohlthätig , betonte der Prinz , wollte Gott , es gäbe eine solche ; aber da ich sie nicht herbeiführen kann , werde ich jeden ohne Unterschied für eine nachtheilige verantwortlich machen . Nun , nun , sagte der alte König etwas empfindlich , wenn Du erlaubst , mein Kronprinz , wollen wir selbst es noch übernehmen , unsere Angelegenheiten zu vertreten . Höre , Kind , so mußt Du mir nicht kommen , Frieden will ich haben , und Du wirst um