den jungen Seelen eine Ausstattung schlichter Begriffe mitgibt , mit denen sie durch das Irrgewinde des Markts sich helfen sollen , so gut es gelingen mag . Diese in geduldiger Treue immer zu wiederholen und einzuprägen , habe ich meine jungen Mädchen um mich versammelt . Ich unterrichte und bilde sie , nicht als ob ich damit etwas Verdienstliches zu vollbringen meinte , sondern weil ich eben dazu passe , und an den Ort gestellt worden bin , wo diese Pflicht geleistet werden sollte . Johannas Bekenntnis Von dem kriegerischen Schauspiele , welches die Menge der Fürsten und Prinzen unglaublich glänzend machte , mit dem Generale zurückgekehrt , fand ich Ihren Brief und die Bücher , welche die Herzogin inzwischen gelesen , und mir übersendet hatte . Also so haben wir ausgesehen ? Sonderbar , daß man von seinem inneren Antlitze keinen Begriff hat , wie oft man sich dies auch einbilden mag . Oder vielmehr die Sache steht so : Wir wissen um unsre Verhältnisse , Stimmungen , Irrtümer und Schwächen recht wohl , aber sie im Spiegel zu erblicken , ist schauderhaft . Anfangs war ich auf den Autor bitterböse , und keinesweges gemeint , mich , wie die Herzogin , der durch ihn von Gott mir verhängten Buße zu unterwerfen . Auch der General wollte nichts von Nachgiebigkeit gegen den im stillen an uns herangeschlichnen Memoiristen wissen . Als wir aber die Sache näher bedachten , sahen wir ein , daß meine Geschichte Frauen und Mädchen , in deren Hände unsre Denkwürdigkeiten doch auch wohl gelangen mögen , zur Lehre dienen kann , und daß , wenn auch alle Beispiele die Wiederholung der Irrtümer nie verhüten , die Irrenden doch an meinem Falle zu ihrem Troste erkennen werden , wie das Gemüt uns in großes Leid bringt , die Arme unsres Schutzgeistes aber stark genug sind , uns aus demselben emporzuziehn . Da käme ich nun in das Fach der Herzogin und wollte auch erziehn . Aber freilich beruht mein Unterricht auf andern Voraussetzungen . Die Stille , Liebe meint , so sehr die Demut ihr auch gebietet , ihre ganze Wirksamkeit vor der Welt als zweifelhaft darzustellen , insgeheim denn doch , daß ihre moralischreligiösen Vorschriften die jungen Seelen vor dem Strudel bewahren werden . Ich habe dagegen die Überzeugung , daß gerade die edelsten Naturen unsres Geschlechts unbedingt tiefen Verwicklungen dahingegeben sind , welche keine Regel der Klugheit , kein Präservativ der Sitte , und keine Andachtsübung aufhält . Viele gehn in denselben unter , wenige werden gerettet . Zu diesen gehöre ich , und wenn auch die Art meiner Herstellung sich nicht bei jeder Unglücklichen wiederholen wird , so lehrt sie wenigstens , daß das Leben selbst aus seiner Fülle den Stab wachsen macht , welchen die Dressur der Pensionsanstalt nicht darreicht . Dies will ich erzählen , schlicht , einfach , kurz ; zu ausgeführter , oder gar kunstreicher Behandlung habe ich weder die Lust , noch das Geschick , noch die Zeit . Die Stellung der Frauen in der Gegenwart ist sonderbar . Was hat unsre Mütter beschäftigt , ihren Geist und ihr Gemüt ausgefüllt ? Das Haus oder die Gesellschaft . Die Ruhigen wandten sich jenem , die Lebhafteren dieser zu . Nun gibt es aber keine Häuslichkeit mehr im alten Sinne , und aus der Gesellschaft ist der feine Zauber längst verschwunden , durch dessen Verwaltung wir die Priesterinnen und Fürstinnen der Salons wurden . Unser Platz in der Welt ist also leer oder anderweitig besetzt , wie man dieses Mißverhältnis ausdrucken will . Wenn wir uns auch vor der durch die Saint - Simonisten uns zugedachten Emanzipation schönstens bedanken wollen , so läßt sich doch ahnen , daß unser Zustand bedeutenden Verändrungen entgegengeht . Der Autor hat der Wahrheit gemäß erzählt , daß mich schon als Mädchen auf dem Schlosse meines Vaters das Gefühl eines Vaterlandes mächtig bewegte . Die Natur mußte vielleicht so bei mir verfahren , mir Ersatz durch eine allgemeine Empfindung geben , weil mir der Segen einer gesetzlichen Geburt , mir eine Mutter vorenthalten worden war . Madame de Staël - wenn ich nicht irre - hat einmal gesagt , daß in Zeiten , wo man auch den Frauen die Köpfe abschlage , ihnen notwendig erlaubt sein müsse , sich um die Politik zu bekümmern . So schlimm steht es nun bei uns nicht . Aber da wir durch die Staatsumwälzungen unser Vermögen einbüßen , uns mit den Männern versetzen lassen müssen und Söhne für den Krieg gebären , so scheint uns weder das Recht noch die Veranlassung zu fehlen , an allen den öffentlichen Dingen teilzunehmen , durch welche auch uns Freude und Entsagung , das Lachen und die Träne bereitet wird . Diese Vorstellungen bewohnten wie in der Knospe den Kopf des jungen Mädchens , es sprach sich und andern dieselben nicht aus . Die Frau , welche Schritte in die Dreißig getan hat , wird wohl davon reden , und eingestehn dürfen , daß sie von jeher sie gehabt . Nun aber ist es eine eigne Sache um dieses Vaterland . Wir sind und bleiben denn doch arme Gefühlswesen , bei welchen der Weg zum Haupte immer und ewig durch das Herz geht . Wenn die Trommel gerührt wird , wenn sie dahinziehn in langen Reihen , und die Fahnen den Tüchern , und die Tücher den Fahnen Abschied zuwinken , und nun der Busen um Reich und Thron , und zugleich um das Schicksal der Lieben bangt , dann die herrlichen , freudigen Kampfes- und Siegesnachrichten erschallen , jeder in diesem Sturme sich zum Außerordentlichen gehoben fühlt , ach und endlich bei dem Friedensheimzuge die Freunde uns die teuersten Güter erobert dahergetragen bringen - dann weiß eine Frau , daß auch sie in ihrer schwachen , furchtsamen Seele eine Empfindung beherbergt , welche über die Spindel und das Nähzeug hinausreicht , dann dürfen wir uns eines Geschlechts mit der Mutter der Gracchen , und den Weibern der Numantiner rühmen . Oder