Andern wendete , suchten meine Blicke den Baron vergebens . Ich weiß nicht , hinter welche Gruppe er sich zurückgezogen hatte , denn spät erst , als der Cirkel sich auflöste , sah ich ihn noch einen Augenblick , indem er mit vielen Andern die Appartements verließ , und zwar in solcher Entfernung , daß ich eine in den königlichen Sälen unschickliche Eile hätte anwenden müssen , um ihn zu erreichen . Meine Neugierde war durch diese kleinen Umstände erhöht worden , und ich ließ mich bei der Dame seines Herzens des andern Tages vorstellen , einer schlanken , edel gebauten Spanierin , deren dunkle , gebietende Augen eine Glut ausströmten , die entzücken oder erschrecken mußte . Sie lud mich mit aller liebenswürdigen Gastfreundschaft der Spanier ein , an ihren Abendgesellschaften Theil zu nehmen , und versicherte mir , daß ich in diesen Kreisen manchen Mann antreffen würde , der der Stolz seines Vaterlandes sei , wie auch manchen bedeutenden Fremden . Ich dankte für ihre gütige Einladung , indem ich sie annahm , und sie erwiederte , daß sie jedem Franzosen mit Vergnügen ihr Haus öffne , weil sie von dem französischen Einfluß hoffe , daß er Spanien von dem geistigen Druck befreien werde , unter welchem es so unwürdig schmachte . Ich machte die schöne , für ihr herrliches Vaterland mit Recht begeisterte Dame darauf aufmerksam , daß sich doch ein kräftiger Widerstand und zwar nicht bloß vom Volke aus gegen unsere Einwirkung zu offenbaren anfange . Das ist unser Unglück , sagte sie schmerzlich seufzend . Der Stolz der Spanier weist die fremde Hülfe zurück und würde das unermeßliche Unglück beweinen , das daraus entspringen müßte , wenn die Versuche gelingen sollten , sich dem fremden Einflusse zu entziehen , denn die ganze Masse des Volkes wird von der Geistlichkeit in den Fesseln des dumpfen Aberglaubens gehalten , und es wird diese Kette , die es in seiner Blindheit für sein Heil und seinen Ruhm hält , bis auf den letzten Blutstropfen mit der Tapferkeit ächter Spanier vertheidigen , und viel zu gering ist die Zahl der Einsichtsvollen , das Bessere Erkennenden , als daß sie nicht der Masse erliegen müßten . Deßhalb bedürfen wir der fremden Hülfe , um das murrende Volk wider seinen Willen zu seinem Heile zu leiten , und wenn uns dafür die Flüche des jetzigen Geschlechts treffen , so wird der Segen des künftigen diese Last wieder von uns nehmen . Ich fand mich berufen , politische Streitfragen mit der schönen Dame zu erörtern , und verabschiedete mich in der schönen Hoffnung , die Bekanntschaft eines mir etwas räthselhaften Verwandten bei ihr zu machen . Es war natürlich , daß ich noch denselben Abend von der Erlaubniß Gebrauch machte und den glänzenden Kreis vermehrte , der sich um die schöne Frau versammelte . Aber wenn ich am Morgen die gebietende Hoheit ihrer Miene bewundert hatte , die doch auf eine wunderbare Weise mit Zärtlichkeit und selbst Schalkheit gemischt war , so lag am Abend Schmerz und Trauer unverkennbar auf der edeln Stirn ; der Mund zwang sich zum Lächeln , um die freundlichen Reden der Gäste zu beantworten ; aber selbst dieß Lächeln hatte einen schmerzlichen Ausdruck . Ich gestehe indeß , daß ich keinen lebhaften Antheil an dem sichtbaren Kummer der schönen Frau nahm , meine Augen suchten in dem glänzenden Kreise den deutschen Baron und suchten ihn vergeblich . Endlich richteten einige nähere Bekannte die Frage gerade zu an die Dame des Hauses , wie es komme , daß man den liebenswürdigen Don Fernando diesen Abend vergeblich erwarte . Es schien , seine liebenswürdige Freundin hatte nur diese Frage erwartet , um ohne Rückhalt den Schmerz ihres Busens zu entfesseln . Sie theilte den Freunden mit , daß er sie noch diesen Morgen vollkommen gesund besucht habe ; kurz nachdem Sie mich verlassen hatten , sagte sie , indem sie sich an mich wendete . Ich theilte ihm meine Freude über meine Bekanntschaft mit Ihnen mit , und er schien lebhaften Antheil daran zu nehmen , aber bald darauf wurde er von heftigem Schwindel befallen . Er fuhr nach Hause , und nun erfahre ich auf meine Erkundigungen , daß er ernstlich krank ist und das Bett vielleicht in mehreren Tagen nicht verlassen kann . Die ganze Gesellschaft bewies die lebhafteste Theilnahme für Don Ferdinand , und Jeder versicherte , ihn des andern Morgens besuchen zu wollen , um sich von seinem Befinden zu unterrichten . Ich war nicht der letzte , der diesen Entschluß faßte , denn ich wollte die Zweifel , die immer lebendiger in mir aufstiegen , auf jeden Fall aufzuklären suchen . Ich säumte also nicht , mich in Begleitung eines Bekannten , der mich vorstellen sollte , nach seiner Wohnung zu verfügen , sobald es am andern Morgen die Schicklichkeit erlaubte , zu einem Kranken einzudringen . Aber meine Hoffnung wurde getäuscht , denn wir wurden an der Thüre höflich mit dem Bescheide abgewiesen , daß Don Fernando sich so übel befände , daß er Niemand empfangen könne . Drei Tage nach einander setzte ich hartnäckig meine Belagerung fort . Endlich gab ich die fruchtlose Bemühung auf , in der Meinung , daß der Kranke doch endlich wieder sichtbar werden müsse . Nach einigen Tagen aber wurde mir angezeigt , daß ich meine Depeschen beim Minister in Empfang nehmen und meine Rückreise nach Vittoria antreten könne . Ich zögerte natürlich nicht , meine Pflicht zu erfüllen , und war in derselben Stunde bereit , abzureisen , als mir der König melden ließ , ich möge meine Abreise bis zum andern Tage verschieben , weil er mir den Morgen um neun Uhr noch einige Aufträge selbst ertheilen wolle . Ich mußte diesem Befehle gehorchen , und ich hatte am andern Morgen die Aufträge des Königs vernommen , die es ihm besser däuchte , mir mündlich zu vertrauen , als sie in Depeschen mitzutheilen , deren Beförderung immer unsicher ist , weil es tausend Möglichkeiten giebt