weiter Ferne . Wiederum mißdeutete sie das Trauernde seiner Melodie , sie glaubte darin eine verhaltene Sehnsucht ausgedrückt ; er soll nicht mehr leiden , dachte sie , zu lange dauert seine Qual , er ist zu bescheiden , zu fordern , was er meiner Geburt und Bestimmung unangemessen glauben könnte , ich selbst will den Hauptschritt tun und herrscht er dann über mein Land , wie er über mich herrscht , was kümmert ' s ihn , ob er den Titel eines Fürsten tragen darf , er ist ein Zauberspruch , der mächtiger wirkt , je heimlicher er ist gehalten . O Stolz meiner Ahnen , o Stolz meiner Liebe , jener möchte ihn beherrschen und dieser sich ewig ihm unterwerfen ! - Während dieses Selbstgespräch die Fürstin tief in sich beschäftigte , war der Graf mit seiner Melodie fertig geworden , er sang den rührenden Schluß einer Reihe von Romanzen , die das Leben eines unglücklichen Kaisers besingen . Die Fürstin blickte jetzt wieder auf ihn und der Gesang rauschte an ihrem Ohre , wie die Wellen an der Wand eines Schiffes neben einem Schlafenden , der von seiner Heimat träumend die Sichel durchs Korn , die Bäche durch Blumen , die Hirsche durchs Laub , die Jugend im Tanz rauschen hört , bis der Sturm ihn erweckt . Es wird uns schwer auszudrücken , wie es ihr so einzeln ins Herz tönte , als der Graf sang : Der Kaiser flieht vertrieben , Flieht das eigne Land ; Das Heer ist aufgerieben Fliehend seine Schand . Nur die sind ihm geblieben , Die er oft verkannt , Denn streng sind , die uns lieben , Not hat Lieb erkannt . Er grüßt die alten Tage Seiner Jugendzeit , Vergißt der Zeiten Plage In Vertraulichkeit . Die Fürstin hatte von dieser Strophe nichts vernommen , als das liebe Wort Vertraulichkeit . Der Graf sang weiter : Zum Fluß ist er gekommen , Findet keine Brück , Da wird sein Herz beklommen , Er kann nicht zurück . Da kommt ein Schiff mit Netzen : » Schiffer nimm zum Lohn , Willst du uns übersetzen , Meine goldne Kron . « Der Schiffer hat genommen Seine goldne Kron , Doch eh ' er über kommen , War der Feind dort schon . Die Fürstin dachte in sich : Könnte ich ihm nur meine goldne Krone aufsetzen , wie leicht würde mir ! Der Graf » So lieb dir ist dein Leben , Fahr zurück ans Land , Den Schifflohn will ich geben Mit der eignen Hand . « Der Kaiser droht zu schlagen Mit dem goldnen Stab , Doch schnell zurückgetragen , Ihn dem Schiffer gab . Jetzt sah er wie die Feinde Ihn am Ufer sehn , An Freundes Busen weinte , Wollte schier vergehn . Die Fürstin seufzte : » An seinem Busen zu weinen , an seinem Herzen zu vergehen , wie selig ! « Der Graf » Ich hab nichts mehr zu geben , Als den Mantel mein , Der gibt mir Not im Leben , Bald auch Todespein : War meiner Not Beglücken Eurer Tage Preis , Den Purpur reißt in Stücken , Geb ihn allen preis ! « Er faßt , soviel er konnte , Jeder riß sein Stück , Es auf dem Herzen sonnte , Wie ein Stern im Glück . Die Fürstin dachte : Nein , nicht mit einem Zeichen soll er sich begnügen , ganz will ich ihn einhüllen in meinem Purpur , er hat für uns beide Platz , daß ich den Liebling ganz allein mit mir verbinde , ihn aller Welt verstecke . Der Graf Die Stücke heften alle Auf die Kleider fest Und vor dem Feind mit Schalle Halten Ordensfest . Dann stellen sie sich alle Rings zum Kaiser treu , Daß er von einem Walle Rings geschützet sei . Der Purpurstern kann blitzen , Wärmt auch wohl das Herz , Kann nicht als Harnisch schützen Vor der Pfeile Erz . » Ja er muß Sie schützen ! « rief die Fürstin unerwartet laut . Der Graf sagte lächelnd , » ich zweifle « , und sang weiter : » Jetzt flieht ! « befiehlt der Kaiser , » Flieht , ich sterb allein ! « Sie rufen all zum Kaiser : » Das soll nimmer sein , Der Purpur ist zerrissen , Aus ist nun dein Reich , Vor Gott wir stehen müssen Bald mit dir zugleich . Wir wollen hier vergehen , Froh des ew ' gen Muts ; Aus unserm Blut erstehen Rächer deines Bluts . « Die Fürstin hörte jetzt auf die Geschichte und der Graf sang den Schluß : Die Feinde sehn sie blicken , Sehn die Sterne hell , Und ihre Pfeile drücken In die Herzen schnell . Nach aller Edlen Falle , Fällt der Kaiser auch , Sein Segen über alle Ist sein letzter Hauch . Die blut ' gen Purpurstücke Halten frisch die Farb , Der Feind ist groß im Glücke , Nicht den Schmuck verdarb . Der Graf wollte weitersingen , als die Schloßglocke eilfe schlug , nun war die Zeit vorbei , wo er den Ring noch erwarten konnte , er warf die Gitarre fort und sagte der Fürstin , daß er nach Palermo reiten müsse , wo er mit dem Paketboote Briefe von großer Wichtigkeit erwarte , die der Fürstin Freude machen würden , doch bät er sie , seiner Frau nichts davon zu sagen . - Die Fürstin war überrascht von diesem Geheimnisse , das sie der Frau verbergen sollte , ihr war es in dem Augenblicke ganz gewiß , daß ihn dieselben Scheidungspläne von seiner Frau beschäftigten , worüber sie den ganzen Morgen nachgedacht , sie wurde rot , sie fragte nach dem Geheimnisse ; er versagte es ihr aber mit wenigen Worten , bei denen er so bedeutend aussah , daß sie ihre Deutung als unfehlbar betrachtete . Wir wissen die beiden Ursachen seiner kleinen Reise , der Ring und die erwarteten näheren