naß ; der Wermut des Gewissens verbittert sogar den Schmerz . Wenn der Mensch sein eigner Freund nicht mehr ist , so geht er zu seinem Bruder , der es noch ist , damit ihn dieser sanft anrede und wieder beseele ; - Albano ging zu seinem Schoppe . Er fand ihn nicht , aber etwas anderes . Schoppe führte nämlich ein Tagebuch über » sich und die Welt « , worin sein Freund lesen durfte , was und wenn er wollte ; nur mußt ' ers vergeben , wenn er darin - da es durchaus so geschrieben wurde , als säh ' es niemand weiter - zornige Fächerschläge und noch dazu mit dem harten Ende wegtrug . » Warum soll ich dich mehr schonen als mich ? « sagte Schoppe . Zu diesem Du waren sie gekommen , ohne sagen zu können wann , so sehr sie sonst mit dieser Herzens-Kurialie , mit diesem heiligsten Seelen-Dualis gegen andere geizten ; » denn ich danke Gott , « ( sagte Schoppe ) » daß ich in einer Sprache lebe , wo ich zuweilen Sie sagen kann , ja sogar , wenn die Menschen und Schelme darnach sind , zwischen jedem Komma Euer sowohl Wohl- als Hoch- und Sonst-Geboren . « Albano fand das Tagebuch aufgeschlagen und las mit Erstaunen dieses : » Amanlus-Tag . Ein dummer und äußerst merkwürdiger Tag für den bekannten Hesus oder Hanus152 ! Ich kann mich schwer bereden , daß es der arme Donnergott verdiente , hinter der langen Proserpina153 nachzugehen und ihr endlich ins Gesicht zu gucken , auf die Stirn , auf den Mund , auf den Hals ! O Gott ! Wenn ein solcher Gott nun auf dem Platze geblieben wäre ! - Als Pastor fido stand er zum Glück wieder auf und ging davon . O Höllengöttin , Hesi Himmelsstürmerin , du hast dich zu seinem Himmel gemacht , kann er dich je lassen ? Nachmittags . Der Pastor wird sein eignes Hatzhaus , er weiß nicht zu bleiben ; er wohnt nun in allen Gassen , um seine Jeanne d ' Arc-en-Ciel154 zu erblicken , und leidet genug . Aber Hesus , sind nicht Leiden die Dornen , womit die Schnalle der Liebe verknüpft ? - Heute ging Freitag155 mit der Fürstin auf die Sternwarte . - Der Wind ist Südostost - 13 Monatsschriften in 1 Stunde gelesen - Spener sieht das Leben im glänzenden Vergrößerungsspiegel Gott verklärt und poetisch so gut als einer . Sabinenstag . Mit dem Pastor wirds ärger , wenn ich recht sehe . Er ist auf dem Wege , sich einen Billetdoux-Beschwerer anzuschaffen , sich nachts im Bette zu pudern , und der Schelm wirft in der Hitze , wie Milch , die warm steht , schon poetische Sahne auf . Lasse nur der Himmel niemals zu , daß er mit seiner Höllengöttin je in einen vernünftigen Diskurs gerate , Gesicht vor Gesicht , Atem gegen Atem , und die zwei Seelen untereinander gemengt ! - Wahrlich , der Flins156 raffte ihn weg , Hesus verschlänge ein tausendjähriges Reich auf einmal ; ich sorge , er würde vom Göttertrank zu wild und wäre zu schwer zu bändigen von mir . Abends . Ists nicht schon so weit mit dem Pastor , daß er sich einen Autor aus dem Wimmer-Jahrzehnt des Säkuls ( er schämt sich , ihn zu nennen ) geborgt hat und sich vom dummen Zeuge rühren lassen will , indem er über den Effekt nachsinnt , den der Autor im 14ten Jahre auf ihn gemacht ? Freilich stößet er ihm im jetzigen wie ein Nachtwächter am Tage auf ; aber er ruft sich doch das Rufen zurück und hat neue Rührung über die alte . So lächelt mich die Deklination cornu in der Grammatik noch bis auf diese Stunde an , weil ich mich entsinne , wie leicht und behend ich in den goldnen Kindheitsmonden den ganzen Singularis behielt . Simon Jud . Verdammt ! Ein schönes Gesicht und ein falscher Maxd ' or machen im Kurs von einem Jahre ein paar hundert Schelme , die sich bloß im Wunsche zu behalten und wegzuschaffen unterscheiden . Hesus feindet und ficht schon Millionen Nebenbuhler an ; wie Knopfmacher und Posamentierer , oder wie Gelb- und Rotgießer , so lassen so nahe Handwerker einander nicht aufkommen . Recht , Höllengöttin ! daß du alle Männer hassest ; das ist doch etwas für den Pastor , eine Wundsalbe . - Scioppius , die beiden Scaliger und die kräftigen Schlegel u.s.w. « - Hier kommt das Tagebuch auf andere Dinge . Ein altes Porträt , zu welchem Schoppe sich selber gesessen , hatt ' er retouchieret ; eine Beilage als Inserat für das Pestitzer Wochenblatt kündigte dessen Bestimmung an : » Endes Unterschriebner , ein Porträtmaler aus der niederländischen Schule , macht bekannt , wie er sich in Pestitz gesetzt , und daß er bereit ist , alles von jedem Stand und Geschlecht zu malen , was ihm sitzt . Als Probe , was er leiste , kann man bei ihm ein Selbstporträt besehen , das ihn vorstellt , wie er nieset , und es zugleich mit ihm daneben zusammenhalten . - Ich schneide auch aus . Peter Schoppe . No. 1778 . « Vermutlich sollte das die Höllengöttin bewegen , einmal dem niesenden Maler zu sitzen . Albano mußte mitten im tiefen Schmerze erstaunen . Anfangs hatt ' er nach seiner einfachen Natur geglaubt , er selber sei unter dem Hanus verstanden . Jetzt kam Schoppe . Sanft sagte Albano zuerst : » Ich habe auch dein Tagebuch gelesen . « Der Bibliothekar fuhr mit einem Exklamations-Fluche zurück und sah glühend zum Fenster hinaus . » Was ist , Schoppe ? « fragte sein Freund . Er drehte sich um , sah ihn starr an und sagte , die Gesichtshaut auseinander ringelnd , wie einer , der sich die Zähne putzt , und die Oberlippe aufziehend , wie ein Knabe , der in ein Butterbrot beißet :