, und so fiel es auch mir nicht ein , mir um irgend Etwas betrübte Gedanken zu machen . Als ich nach der Leiche des Henkers frug , erfuhr ich , daß man sie nach den Ruinen geschafft und dort dem Scheik ul Islam vor das Zelt gelegt habe . Sein Pferd war vom Hauptmanne konfisziert worden ; den Kiss-y-Darr aber hatte der Ustad jetzt mitgebracht , um ihn wieder gesund zu pflegen . Der Regen ließ auch für später nicht nach . So war nichts mehr zu machen , und wir gingen in der Hoffnung schlafen , daß er sich bis morgen ausgegossen haben werde . - Es legte sich heut wohl kein Mensch so hochbefriedigt , so stolz nieder wie Hadschi Halef und Hanneh . Ihr Sohn war unbedingt der Held des heutigen Tages gewesen , und ich hatte ihnen gesagt , daß dies nicht etwa Zufall , sondern in der vortrefflichen Begabung Kara ' s begründet sei . Das war eine Wonne für meinen Hadschi , der , als ich am andern Morgen aufstand , soeben in die Sänfte stieg , um sich nach der Tribüne tragen zu lassen , denn Ahriman Mirza und der Scheik ul Islam hatten einen Zusammentritt des Preisgerichtes und der Dschemma gefordert , weil sie gleich heut früh einen wichtigen Antrag zu stellen hätten . Bei einer solchen Beratung mußte der » Scheik der Hadeddihn « natürlich gegenwärtig sein , und wenn er noch so schwach gewesen wäre ! Der gestrige Tag aber war ihm außerordentlich gut bekommen , natürlich infolge der Freude über das brave Verhalten seines Sohnes . Nach einer Stunde , als die Verhandlung vorüber war , welche der Ustad geleitet hatte , kam dieser selbst nach dem Hause herauf , um mich aufzusuchen und abzuholen . Da erfuhr ich denn , welche Wünsche Ahriman Mirza und der Scheik ul Islam vorgebracht hatten . Diesen beiden Herren schien nämlich der Gedanke , sich nach der gestrigen Blamage den ganzen heutigen Tag den Blicken einer so großen Volksmenge auszusetzen , sehr peinlich zu sein . Sie hatten sich also schon am frühesten Morgen darüber geeinigt , daß das Rennen , wenigstens für sie und ihre Zwecke , so kurz wie möglich abzumachen sei . Daher ihr Antrag . Dieser lautete : Die edlen Pferde , welche eigentlich laufen sollten , laufen nicht , werden aber als Gewinne gestellt . Wirklich rennen werden von jeder Seite nur drei . Wer in zwei Rennen siegt , gewinnt sämtliche Pferde . Keiner von diesen drei Matadoren darf zweimal laufen , und sie vorher vorzuzeigen , ist nicht nötig . Die Preispferde müssen gegenseitig von gleichem Werte sein . Was ich nun erwartete , das war auch geschehen : Die Dschamikun hatten diesen Antrag einstimmig angenommen , und man war unten am See jetzt schon sehr fleißig dabei , die Preise zu taxieren und zu vergleichen . Diese Bedingungen bezogen sich auch auf ein voranzugehendes Kamelrennen , bei welchem die Chancen der Dschamikun freilich nicht günstig standen , weil ihre Tiere mehr in die Berge als für den Schnellauf in der Ebene paßten , während dem Aemir-y-Syllan jedenfalls die besten Eilkamele seiner Schatten und Massaban zur Verfügung standen . Dieser Mangel aber wurde , zumal unter den neuen Bedingungen , durch die beiden Leibkamele unserer Hanneh vollständig ausgeglichen . Da wir nur Syrr verbergen , sonst aber mit unsern Matadoren nicht Versteckens spielen wollten , gab der Ustad Befehl , die Letzteren für unsere Boten bereit zu halten . Syrr jedoch wurde mit alten Decken behangen und ganz heimlich hinunter zum Chodj-y-Dschuna gebracht und in dessen Hof gestellt , den Niemand betreten durfte . Als wir dann gehen wollten , fragte Schakara , ob sie dieses gewiß seltene Rennen mit ansehen dürfe , und wir freuten uns darüber , ihr einen guten Platz zwischen uns Beiden versprechen zu können . Was das Wetter betrifft , so war dies so , wie wir es uns gar nicht besser hätten wünschen können . Es hatte zwar bis spät nach Mitternacht » wie aus Flußmulden « gegossen ; alles Buschwerk hing von der Schwere des herabgestürzten Wassers tief niederwärts ; die Stauden und Gräser lagen hart am Boden , und gar mancher Baum war mitsamt den Wurzeln ausgewuchtet worden ; aber die Flut hatte sich vollständig in den See verlaufen ; die Wege waren schnell wieder getrocknet , und die Rennbahn lag sogar noch besser da als gestern , weil die Wucht der Regenmassen von ebnender Wirkung gewesen war . Als wir mit Dschafar Mirza , der nun wahrscheinlich seines Lebens wieder sicher sein konnte , hinunterkamen , sahen wir , wie sehr Ahriman und der Scheik ul Islam sich beeilt hatten , ihre Preise zu stellen . Sie waren beide persönlich da , um darüber zu wachen , daß ihnen nur Gleichwertiges gegenübergesetzt wurde , denn es lag ja in ihrer Absicht , uns alles Gute abzugewinnen und dann über den zurückgebliebenen Schund zu lachen und zu lästern . Dadurch hatten sie aber auch sich selbst gezwungen , nur ihr Bestes daranzuwagen , und ich war sehr neugierig darauf , wie dieses » Beste « sich wohl ausnehmen und bewähren werde . Was zunächst nicht die Pferde und Kamele sondern die beiden genannten Personen betrifft , so machte der Scheik ul Islam heut fast denselben Eindruck , den gestern der » Schundroman « gemacht hatte , ja einen fast noch schlimmeren , weil die vielen Schnittwunden und Schmarren , welche er im Kampfe mit seinem eigenen Schützling erhalten hatte , keine gefälschten , sondern wirkliche waren . Das Messer schien ihm wiederholt entrissen und gegen ihn selbst gerichtet worden zu sein . Besonders hatte er das Gesicht sehr arg bepflastert , und an der einen Wange und dem Kinn fehlte ihm ein großes Stückchen Haut mitsamt dem Bart. Der Rest des letzteren war nun nicht mehr eine Zierde für ihn , sondern vielmehr eine Schande . Er gab sich aber die Miene , als ob ihm