und von seiner Gerechtigkeit nicht strafen lassen . Und in den Büchern der Geschichte ist zu lesen , daß sie seine Güte verachten und keine Nächstenliebe haben . Sie sind hartnäckiger als die Teufel , welche sich vom Geiste Chodehs strafen ließen und sich selbst in der Hölle die gegenseitige Hilfe nicht versagen . Was die nicht thun , die ihr Menschen nennt , das thaten die , welchen ihr den Namen Teufel gebt : Sie nahmen das Kreuz auf sich , welches die Folge ihres Sündenfalles war . Nun sollen sie auch die Ersten vor allen Andern sein , die sich der göttlichen Macht der Gnade fügen . Wenn der Himmel über die Hartherzigkeit seiner Erdenkinder weint , werden die Thränen der Erlösung an ihnen vorüber in die Hölle träufeln . Dann wird aus dieser Thränenflut ein Jubel sich erheben . Die Tiefe wird zur Höhe , die Dunkelheit zum Lichte , der Fluch zum Segen aufwärts steigen . Und wer ist der , der dann sich aus dem Abgrund heben wird , um der Erlösung stumm ins Auge zu schauen ? Der ihr dann sagt , daß er in Reue wiederkehren wolle ? Das wirst du sein , Ahriman Mirza , du selbst , der hier vor meinen Augen steht ! Und wenn sich hinter dir die Hölle schließt und vor und über dir der ganze Himmel öffnet , so wirst du selbst , du selbst die Antwort sein , die er dir giebt auf das , was heut die Hölle hier durch deinen Mund gefragt ! - Nun habe ich dir weiter nichts zu sagen . Was du noch vorzubringen hast , das ist der Andern Sache . Ich überlasse dich dem Scheik der Dschamikun ! « Er verließ den Kreis , in welchem er mitten unter uns gestanden hatte , und schritt die grüne Alm hinab , dem Tempel zu . Der Perser verschränkte die Arme über der Brust , warf den stolzen Kopf zurück und schaute ihm nach , bis er hinter dem Rosengebüsch verschwunden war . Dann sagte er in schneidender Ironie : » Ein alter Mann , der nicht mehr denken kann und darum nur noch lieben will , weil er sich ohne Liebe hilflos fühlt ! Wie stolz könnt ihr auf diesen Schwächling sein , der für die Faust , die ich gegen euch ballen werde , nicht eine mutige Antwort , sondern nur die von der Angst geöffnete Hand des Segens hat ! Mit welchem Rechte hat er überhaupt gesprochen ? Ist er ein Dschamiki ? Bei euch geboren ? Er scheint nicht zur Dschemma zu gehören . Er verwies mich auf den Scheik . Warum hat er meine Rede unterbrochen ? Ich sprach zur Dschemma , aber nicht für Andere . Ich wollte euch sagen , weshalb wir eigentlich hierher zu euch gekommen sind . « Da antwortete der Pedehr : » Was du da fragst , geht keinen Fremden an . Wurdest du unterbrochen , so sprich jetzt weiter . Aber fasse dich kurz ! Es ist nur Gefälligkeit von uns , daß wir dir überhaupt Gehör schenken ! « » Welche Güte ! « lachte er . » Ich danke euch ! « Er ließ seine Gestalt eine höchst nachlässige , mißachtende Haltung annehmen und fuhr dann fort : » Ich erzählte von jenen Anhängern Isa Ben Marryams , welche wir , als sie kamen , für Feinde hielten und dann aber ganz im Gegenteile als unsere allerbesten und brauchbarsten Helfer anerkannten . In ihrer inneren Zerrissenheit sorgen sie ja selbst dafür , daß sie uns nie beherrschen können werden . Der Raum zwischen dem Schah-in-Schah und seinem Volke wird von uns und ihnen ausgefüllt . Wer bei dem Herrscher etwas erreichen will , der hat sich an uns zu wenden . So war es stets , und so muß es immer bleiben ! Aber da hörten wir vor einiger Zeit , daß ein Mann beim Schah-in-Schah gewesen sei , ohne uns vorher zu fragen , und daß er einen Stamm regiere , dessen Angelegenheiten alle direkt zwischen ihm und dem Schah-in-Schah entschieden werden , ohne daß man uns Beachtung schenkt . Ja , wir erfuhren sogar , daß jeder Mensch , der diesem Stamme angehört , sich selbst persönlich an den Herrscher wenden könne . Wir erkundigten uns . Es war der Stamm der Dschamikun . Der Mann aber , der sich erdreistet hat , in solcher Weise uns unserer heilig gewordenen Rechte zu berauben , ist nicht etwa ein Dschamiki , sondern ein vollständig Landfremder , von dessen Herkommen niemand etwas weiß . Auch er spricht von Isa Ben Marryam . Auch er redet , ganz wie jene Vorherigen , von Frieden und Versöhnung , von Gnade und Barmherzigkeit . Darum mußten wir ihn für ebenso uns nützlich wie die Andern halten , so lange wir nichts näheres erfuhren . Da aber verbreitete sich das Gerücht , daß die Dschamikun eine große Schar der Massaban gefangen genommen und nach Teheran abgeliefert hätten . Diese Massaban gehören zu uns . Sie bilden zwar keinen Stamm für sich , stehen aber unter unserm ganz besondern Schutze . Auf den Vorschlag eures Ustad hat der Schah-in-Schah , ganz ohne sich vorher bei uns zu erkundigen , diese Massaban nach den Fiebergegenden verbannt , die einer Hölle gleichen . Da wir übergangen worden sind , ist es uns nicht möglich gewesen , dies zu verhindern . Durch diese unerhörte , eigenmächtige That eures Ustad habt ihr euch verraten . Wir haben euch erkannt . Könnt ihr leugnen , daß es wahr ist , was ich erzähle ? « » Leugnen ? « antwortete der Pedehr . » Bei den Dschamikun darf die Lüge nicht wagen , sich einzuschleichen . Und sollte sie sich etwa offen zeigen , so offen , wie heut ihr zu uns gekommen seid , so würde sie genau so weichen müssen , wie ihr am Schlusse des Rennens beschämt abzuziehen haben werdet . « » Das