Pfarrer . » Hochwürden ? « stammelte Kitty . » Man hat mich gerufen , um Sie zu empfangen , gnädiges Fräulein ! « Der Ton dieser Worte nahm ihr die Sprache . » Kommen Sie , mein gutes Kind ! Ich will Ihnen Stütze sein beim Eintritt in das väterliche Haus , auf das der Herr in unerforschlichem Ratschluß seine schwere Hand gelegt hat . « Kitty zitterte , als der Pfarrer sie führte . Im Billardzimmer hatte sie ein Gefühl , als versänken die Wände . Dazu hörte sie immer Worte , Worte . Es war schon ausgesprochen , das Furchtbare - und sie konnte es nicht fassen . Dann streckte sie unter schluchzendem Laut die Hände und stürzte aus dem Zimmer , durch den Flur - zur Kruckenstube . Eine Hängelampe erleuchtete die getünchten Mauern , auf denen sich die Gemsgehörne durch ihre Schatten verdoppelten . Die Beine von einer Wildschur umwickelt , saß Graf Egge im Lehnstuhl , das graue Haupt mit dem steinernen Gesicht und den toten Augen ein wenig zurückgeneigt . Kein Laut kam über Kittys Lippen . Einen Schritt nur tat sie und stand wieder wie gelähmt . Kaum merklich bewegte sich Graf Egge ; seine Finger zogen sich ein , und zwischen den schmal geöffneten Lippen blinkten die Zähne . » Geißlein ? « Das klang wie aus weiter Ferne . Da schrie sie , als hätte man ihr einen glühenden Stahl ins Herz gebohrt , stürzte auf den Vater zu , umschlang ihn , brach in die Knie und drückte schluchzend das Gesicht in seinen Schoß . Ein Schüttern ging durch den Körper des Blinden . Mit beiden Händen tappte er , bis er das zuckende Haupt seines Kindes fand . » Sei gut , Geißlein ! Mach ' keinen Unsinn ! Es ist nun einmal so . Ich hab ' ausgejagt . Das ist nimmer zu ändern . Hoffentlich hat dir ' s der Pfarrer löffelweis eingegeben . « Sie schluchzte . Er streichelte ihr das weiche Haar und befühlte ihre kleinen Ohren . » Eine harte Sache , Geißlein ! Die Lichter hin . Alles schwarz vor den Augen . Kein Berg und kein Wald . Nimmer Grün und nimmer Blau . Nur Schwarz ! Und dich lieb ' ich auch . Und soll dich nimmer sehen . Und es sehnt mich nach deinem Anblick . Hat dir die Sonne da drunten wohlgetan ? Bist du gesund geworden ? Hast du rote Wangen ? Laß mir die Kleesberg kommen ! Die soll mir sagen - « Er verstummte . Wie in Schmerz verzog er den Mund , während er den rechten Arm streckte und die Finger bewegte , als empfände er eine Spannung an der Hand . Kitty fuhr auf . Sie konnte den Anblick nicht ertragen - die welken Züge , die starren , vorgequollenen Augen mit dem roten Kreis um jeden Apfel . Stöhnend barg sie wieder das Gesicht . Alles zu Ende . Auch ihr Glück , ihre Liebe ! Alles vernichtet , versunken ! Sie war gekommen , mit dem Vater zu ringen um ihr Glück - wenn es sein müßte , ihn zu verlassen ! Und da lag sie zu seinen Füßen , an ihn geschmiedet mit allen Banden einer Kindersdeele ! Nur noch die Liebe zu ihm , aller Jammer , der sie erschütterte , alles Erbarmen , das ihr das Herz zerriß ! Und das andere zu Ende - das schöne , selige Märchen , verklungen , versunken ! Nur dieser Blinde noch , nur diese starren , toten Augen , die trocken waren , ohne Glanz und ohne Tränen - - - Es pochte an die Fenster ; schwere Tropfen schlugen gegen die Scheiben . Dann ein Sausen , das von weit her tönte und im nächsten Augenblick schon alle Mauern von Hubertus umringte , ein helles Geprassel , wachsend zu einem dröhnenden Geknatter . Die Fenster wurden weiß , es trommelte auf dem Dach und brauste durch alle Wipfel des Parkes nieder auf die Erde . Der echte , wilde , zügellose Frühlingsregen der Berge , der alle faulen Zweige von den Bäumen schlägt , die Täler und Höhen säubert , den letzten Schnee ersäuft und die Felsen befruchtet ! Ein fahler Blitz , ein matt verrollender Donner , dann wieder Finsternis und Ströme über Ströme . Bäche rannen auf allen Straßen des Dorfes , der See überstieg die Ufer , und in das Geprassel des Regens mischte sich immer mächtiger das Rauschen der Ache und der schwellenden Wildbäche . An allen Häusern waren die Fenster hell . Über die roten Scheiben huschten die schwarzen Schatten der Weiber , die mit Lumpen alle Lücken der Fensterrahmen verstopften . Und hinter den Flurtüren das Geschrei der Mägde , die das eingedrungene Wasser von den Dielen schöpften . Ein einziges Haus war öd und finster . Das Brucknerhaus . Und doch belebt : die beiden Kühe brüllten im Stall und zerrten an den Ketten . Sie hungerten . Im Seehof kreischender Stimmenlärm ; die Schifferschwemme mit Gästen angefüllt ; kein Lied , kein Zitherklang ; nur das Gewirr der lauten , erregten Stimmen ; und die erleuchteten Fenster von Qualm verschleiert . Auf der gedeckten Terrasse stand der Seewirt ; die Fensterhelle warf seinen Schatten lang auf die überschwemmte Lände hinaus . Jetzt Stimmen vom Waldsaum her , und das Geplätscher watender Schritte . Vier Holzknechte betraten die Terrasse , schüttelten die triefenden Wettermäntel und schleuderten das Wasser von den schwammigen Hüten . » Was is ? « fragte der Seewirt . » Gschieht in der Nacht noch was ? « » Nix mehr ! Die Bescherung droben muß liegenbleiben , hat der Schandari gsagt , bis morgen die Grichtsleut alles gesehen haben . Aber dös arme Madl werden s ' in der Nacht noch runterbringen . Wie der Regen anfangt hat , sind s ' mit der Tragbahr in der Almhütt untergstanden . « Die Holzknechte suchten ins Trockene zu kommen