, daß dieser rauhere Schimmer ganz Die wahre Anmuth Deinem Antlitz nahm . Zu früh der Sturm der Leidenschaften kam , Wollüstig wirbelnd Dich im Lebenstanz . Der Reue Dorn an Deinen Blüthen nagt , Der Unschuld Frische ist Dir nicht geblieben , Nur Liebesthau Dein welkes Herz erfrischt . Zu brechen ach ! Dich meine Hand nicht wagt , Ich scheue jenen Dorn trotz allem Lieben , Denn Deiner Farben Schmelz scheint nur verwischt . Wie Moses , der geschaut das heilige Feuer , Nicht sagen konnte , was er dort entdeckte , So auch mein Geist für immerdar bedeckte Meine Gedanken mit der Liebe Schleier . Eh mögen meine Haare mir erbleichen , Eh ich bekenne , was ich oft gelitten . Wohl hast mein Herz Du mittendurch geschnitten , Doch keine Thräne siehst Du niederschleichen . Kein Blut so locken dreischneidige Klingen Aus Wunden , innerlich verblutend , schweren , Doch Todesblässe sie den Wangen bringen . Auch Du vermißt in meinem Auge Zähren , Wenn Deiner Worte Dolche mich durchdringen , Mein bleiches Antlitz aber sollst Du ehren . Zwei Sterne waren ' s und ein Glanz von Rosen , Weißröthlich als ob Schnee darüber flockte , Das war ' s , was in der Liebe Schlinge lockte Mich schon Erstickenden und Odemlosen . Ich brenne , brenne . Ströme nicht noch Meere Verlöschen meine Gluth , doch brenn ' ich gerne . Entzündend mich an ihrem Augensterne , Aufs neue stets ich weiter mich verzehre . Ja , wie ein Phönix in die Flamme springe Ich selber , die an meinem Marke prassen ! O wie viel süßer wäre doch die Schlinge , Wenn ihre Arme wollten mich umfassen , Und glichen sie dem heißen Feuerringe ! Wohl bin ich frei , doch bin ich glückverlassen . Todtenlied auf die Geliebte des Kalifen . Wehe , wehe über diese Todte , Die der Sturm gepflückt in ihrem Lenze , Eh der Gluthstrom ihrer Brust verlohte - Sie die Herrin in dem Land der Tänze ! Sie die Herrin in dem Land der Sänge , Sie die Herrin in dem Land der Rosen - Laßt drum ihrer Heimathlieder Klänge Ihre fliehende Seele noch umkosen ! Auf die schwarze Gruft laßt niederflattern Weiße Rose , die zu Schiras sprießet ! Denn als Pflicht geziemt es den Bestattern , Daß ihr schönes Leben schön sich schließet . Nun hat sie das erste Leid betroffen , Daß auch dieses wandelt sich in Gnade : Früh steht Allah ' s Sternensaal ihr offen Und zum Tubabaum ziehn ihr Pfade , Während wir die Häupter niedersenken , Sündenreif , der kargen Erndte harrend , Und erst spät zum Grabe wankend lenken , Fast willkommen uns entgegenstarrend . Sie ist glücklich ! Darum auf , Gebieter , Welchen mehr , als uns , sie hat verlassen ! Warum willst Du , ihres Leichnams Hüter , Deiner Jugend Mark in Gram verprassen ? Dreier Tage Lauf ist Dir verstrichen , Speis und Trank versagend Deinem Munde - Bleich wie sie , die Dir und uns verblichen , Stierst Du starr und schweigend in die Runde . Wartest , ruhend neben ihrer Leiche , Kalt wie sie durch Dein erbittert Härmen , Ob Dein warmer Odem wohl sich schleiche In die Adern ihr , das Blut zu wärmen . Doch genug ! Erhebe Dich , Kalife ! Wenn der Liebe Freuden auch geschlossen , Ist Dir ' s nicht , als wenn Drommete riefe Oder Schnauben von beherzten Rossen ? Und Dein Reich , Kalif , es ruft Dich strenge , Daß den Scepter fremde Hand nicht fasse ! Ferne hör ' ich tausendstimmige Menge , Feindestritte hör ' ich nahn , erblasse ! Nein , erröthe in gerechtem Zorne ! Laß die Todten und das Leben wähle , Daß an unstillbarer Sehnsucht Dorne Nicht verblute Deine starke Seele ! Also hätte ja auch Sie gesprochen , Wenn der Feinde Schaaren Dich umdrohten ! An dem Feinde sei ihr Tod gerochen : So gedenk ' , o so gedenk ' der Todten ! Rafael Haubitz . Aus dem Morast der Sansara . Jüngst im Traum durch Kaschmirs Hain Schritt ich hin auf weichem Rasen , Wo Jungfrauen , selbst ein Kranz , Rosen sich zum Kranze lasen . Und ich wollte lechzend schon Meine Auges Gluth versenken In den Blick der schönsten Frau , Sinn und Seele , all mein Denken . Wollte an mein fiebernd Herz Ihren weißen Busen pressen Und in wilder Liebeslust Zeit und Ewigkeit vergessen . Ich erwachte . Nacht um mich . Einsam war ich und verlassen . Todte Nacht , nur einzeln schlich Noch ein Schwärmer durch die Gassen . Wie unschuldsrein sind Deiner Lippen Rosen , Wie jugendfrisch und rosig Deine Wangen , Wie weiblich sanft Dein schmeichlerisches Kosen ! Doch tief im Herzen wohnen giftige Schlangen . Längst ward es ein Morast , in dem versunken Ein jedes reinre Fühlen , schmutz-getödtet . Dort wohnt das Irrlicht nur und finstre Unken . War diese weiße Stirn je schamgeröthet ? War früher je Dein Herz ein Friedensweiher , In dem sich spiegelte der Stern der Reinheit ? Die Taube Weiblichkeit , hat sie der Reiher Der Noth verscheucht vom Sumpfe der Gemeinheit ? Ach , überm giftgen Abgrund fliegt die Taube Verzweifelt hin und wieder in der Herde Der Fledermäuse , flügel-lahm ihr Glaube Und fern die Hoffnung auf die Heimatherde . Sie winkt am Sumpfessaum , ein grüner Anger - Umsonst ! Nachtfalter schwirren dicht und dichter , Die Taube stürzt sich , flatternd bang und banger , Betäubt hinab , ihr eigener Vernichter . Doch bist Du eine Taube , süße Schlange ? Warst Du es je ? Du plätschertest mit Wonne Im heimathlichen Kothe wohl schon lange - Du mit dem reinen Antlitz der Madonne ! Denn keinen Flecken ließ das Schmutz-Geträufel Auf Deinen holden Zügen . Zu der Katzen Geschlecht gehörst Du , Engel halb , halb Teufel . Wie möchten Deine Tatzen