Bildhauer zum Vorschein kam . Er modellierte , wie man sagte , seit zwei Jahren an einer Kreuztragung , konnte aber nicht von einem bekannten klassischen Vorbilde abkommen ; dafür strich er um so fertiger die Geige . Die mittleren Spieler waren zwei Glasmaler ; sie machten an den Kirchenfenstern die prächtigen Teppichmuster und anderes Beiwerk und ließen sich nie einer ohne den andern sehen . Sie waren zu uns aus dem Zug der Nürnberger Zünfte herübergekommen , wo sie unter den Meistersingern gegangen ; ich aber kannte die ganze Musik vom Mittagstische her , den ich in einer billigen Wirtschaft aufzusuchen gewohnt war . Viele gute Brüder lösten sich dort an den stets vollbesetzten Tischen täglich ab ; aber die beiden Glasmaler waren die einzigen , welche ihr Geld in rundlichen wohlverschnürten Lederbeutelchen führten ; denn sie freuten sich ihres bescheidenen , aber sichern Erwerbes , lebten sparsam und verdienten jeden Sonntag einen Extragulden mit der Kirchenmusik . Doch heute taten die vier um der Freude willen ein übriges und lockten mit recht wohlgezogenem Tone das Volk zum Tanze . Bald drehte sich ein halbes Dutzend Paare bequemlich im weiten Raume , darunter Agnes mit Lys , in dessen Arm sie mit erwachender Glückseligkeit dahinschwebte , zum ersten Male seit dem Beginne des ganzen Festes . Das Gebet in der Kapelle schien geholfen zu haben ; freilich gehörten auch so fromme Spielleute dazu , und besonders der Gottesmacher , der die Gestalt mit glänzenden Augen verfolgte , drückte jedesmal , wenn sie in seine Nähe kam , den Cellobogen mit vollerer und doch weicher Kraft auf die Saiten und gab seinem Wohlgefallen auf diese Weise den zierlichsten Ausdruck . Ich saß ausruhend bei einem Krüglein frischen Bieres an einem Tischchen , beobachtete ihn mit Vergnügen und begriff vollkommen , wie dem Arbeiter in Silber und Elfenbein das feine Wesen einleuchten mußte . Nun ging es diesem während ein paar Stunden nach Wunsch ; die frommen Geiger spielten als Freiwillige nicht zu oft , so daß niemand ermüdet wurde und genugsam Zeit zu geruhiger Unterhaltung übrigblieb . Die Sonne ging dem Untergange entgegen , und im Hause begann es zu dämmern ; Erikson erschien an allen Enden gleich einem Haushofmeister und ließ die Lichter anzünden , aufhängen , hinstellen , wie es gehen wollte . Dann verschwand er wieder , um in einem neuern Saale das einfache Abendessen zu ordnen , mit welchem die frohsinnige Witwe ihre Eingeladenen bewirten wollte so gut es sich in der Eile habe tun lassen , teilte der Unermüdliche entschuldigend mit , als ob es bereits seine eigene Angelegenheit wäre . Lys indessen ging ab und zu , sich anderwärts umzusehen ; endlich aber kam er nicht mehr zurück . Wir harrten seiner beinah eine Stunde ; Agnes verhielt sich schweigend und gab mir kaum eine Antwort , wenn ich das Wort an sie richtete ; auch mit andern wollte sie weder plaudern noch tanzen . Zuletzt , da ich sah , daß sie des Wartens müde war und wieder zu leiden begann , schlug ich ihr vor , in die anderen Teile des Hauses zu gehen und zu betrachten , was alles dort vorfiele . Das nahm sie an , und ich führte sie langsam durch verschiedene Räume , wo sich überall einzelne Gesellschaften vergnügten , bis wir in ein Kabinett gelangten , in welchem an zwei oder drei kleinen Tischen behaglich gespielt wurde . An einem derselben saß Lys , der Hausherrin gegenüber und zwischen zwei älteren Herren , und spielte eine Partie Whist ; denn die letzteren gehörten zu Rosaliens Verwandten , welchen sie die Zeit so angenehm als möglich zu vertreiben wünschte , und natürlich hatte sich Lys beeilt , das Opfer mit ihr zu teilen . Er war so glücklich und in seine Lage vertieft , daß er gar nicht bemerkte , wie wir dem Spiele zuschauten und sich noch andere Zuschauer sammelten . Die Partie ging zu Ende ; Lys und Rosalie hatten den alten Herren einige Louisdors abgenommen , was den Unverbesserlichen als ein günstiges Zeichen so bewegte , daß er seine Freude nicht verbergen konnte . Doch Rosalie nahm die Karten zusammen und bat die Spieler , zu welchen auch die von den andern Tischen getreten waren , eine kleine Rede von ihr anzuhören . » Ich habe mich « , begann sie mit artiger Beredsamkeit , » bisher arg gegen die Kunst versündigt , indem ich , obgleich mit Glücksgütern gesegnet , soviel wie nichts für sie getan habe ! Ich bin um so tiefer beschämt , als es mir so gut unter den Künstlern ergeht , und ich glaube auch schon meine Dankbarkeit für die ehrenvolle Anwesenheit so fröhlicher Musenkinder am besten einigermaßen abzutragen , wenn ich endlich beginne , etwas Nützliches zu tun . Nun aber ist es eine bekannte Eigenschaft der Protektoren und Gutesstifter , daß sie für ihre Sache stets Teilnehmer anwerben und möglichst ins Breite wirken müssen , damit das Gute um so mehr Boden gewinne . So hören Sie denn , werte Freunde ! Am heutigen Nachmittage , als ich um das Haus herumging , irgendeinen Dienstboten zu rufen , fand ich in einer verborgenen Ecke des Gartens den jüngsten und zierlichsten unserer Gäste , den Pagen Gold des Herren Bergkönigs , der am Zuge so großmütig seine Schätze ausgestreut hat . Der noch nicht siebzehn Jahre zählende Knabe stand bei seinem Genossen , dem Pagen Silber , einen offenen Brief in der Hand , bleich und entsetzt und schwere heiße Tränen in seinen hübschen Augen zerdrückend . In der offenen und teilnehmenden Stimmung , in der wir uns ja alle befinden , konnte ich mich nicht enthalten , hinzuzutreten und mich nach der Ursache solchen Leidwesens freundlich zu erkundigen . Da vernehme ich , daß schon in den gestrigen Abendzeitungen die Nachricht von einem großen Feuer gestanden hat , welches seit Tagen in der fernen Vaterstadt des trauernden Knaben watet , während wir in unserm Freudengedränge hievon keine Ahnung