der Tod , die großen , im Fieber leuchtenden Augen auf sie gerichtet . Helene war so erschrocken , daß ihr die Stimme versagte und daß sie keine Bewegung zu machen im Stande war . Sie glaubte im ersten Moment , eine Erscheinung zu sehen . Ich bin es wirklich , sagte Oswald ; verzeihen Sie mein plötzliches Erscheinen . Ich fragte nach der Baronin ; man hat mich hieher gewiesen . Ich will die Mutter rufen , sagte Helene tief aufathmend , indem sie sich erhob . Bleiben Sie , sagte Oswald ; ich bitte Sie darum ; ich habe nur zwei Worte zu sagen ; ich sage sie Ihnen lieber und leichter , als der Baronin . In Oswalds Erscheinen und Wesen lag etwas so Feierliches , daß Helene nicht den Muth fand , seine Bitte abzuschlagen . Wollen Sie sich nicht setzen , sagte sie tonlos , indem sie sich wieder in ihren Stuhl sinken ließ und auf einen anderen in ihrer Nähe deutete . Oswald regte sich nicht . Ich weiß nicht , gnädiges Fräulein , sagte er , ob Ihnen Ihre Frau Mutter von gewissen Intriguen erzählt hat , mit denen sie seit einiger Zeit belästigt wird und deren Seele Herr Timm ist ? Ich habe heute Morgen das erste Wort davon gehört . Ebenso wie ich . Und das ist es gerade , was mich hierher getrieben hat . Ich kann den Gedanken nicht ertragen , ja ich könnte nicht ruhig sterben , wenn ich denken müßte , daß Sie , Fräulein von Grenwitz , glauben könnten , ich hätte mich je so unwürdiger Mittel und eines so niedrigen Werkzeugs gegen Sie bedienen können . Wollen Sie das auch Ihrer Frau Mutter sagen ? Ich will es . Und sagen Sie ihr auch , und glauben vor Allem Sie selbst es mir , daß ich nichts so schmerzlich beklage , als daß man Sie je mit dieser Sache behelligt hat . So ist Alles doch nur eine Erfindung des Herrn Timm ? Nein , mein Fräulein , erwiderte Oswald mit traurigem Lächeln , eine Erfindung jenes Menschen ist es nun wohl nicht . Ich fürchte nur zu sehr , daß es die lautere Wahrheit ist , und das ist der zweite Grund , weshalb Sie mich hier sehen . Sie glauben doch nicht , daß wir uns jemals sträuben würden , gerechte Ansprüche anzuerkennen ? Sie werden gar nicht in diesen Fall kommen ; ich fühle keinen Wunsch in mir , diese Ansprüche zu erheben . Ich würde das nie und unter keinen Umständen gethan haben , und jetzt am allerwenigsten . Er warf einen Blick im Zimmer umher . Die Pracht der Ausstattung erinnerte ihn schmerzlich daran , wo er war . Jetzt am allerwenigsten , wiederholte er ; hier sind die Papiere , die in dieser unglücklichsten aller Geschichten beweisend sind . Ich wünsche , daß Ihre Frau Mutter sie in Gewahrsam nimmt , um auf alle Fälle gegen die Machinationen jenes Menschen gesichert zu sein . Er legte das Packet Papiere , welche ihm Timm vor einigen Stunden überbracht hatte , vor Helene auf das Bureau und verbeugte sich zum Abschied . Einen Augenblick noch , mein Herr , sagte Helene , indem sie sich ebenfalls erhob ; glauben Sie , daß meine Mutter , daß ich ein solches Geschenk annehmen werde ? Was hat Ihnen das Recht gegeben , so klein von uns zu denken ? Ich glaube , mein gnädiges Fräulein , daß Ihr Stolz diesmal irrt . Es handelt sich selbstverständlich nur um mich , der ich den sehr verzeihlichen Wunsch habe , mich von einem häßlichen Verdachte zu reinigen . Es war unnöthig , mich daran zu erinnern , daß es der Mutter des Majorathsherrn von Grenwitz , daß es der Braut des Fürsten zu Waldernberg ziemlich gleichgiltig sein kann , ob sie ein paar hunderttausend Thaler mehr oder weniger im Vermögen haben . Die Verhältnisse haben keinen Einfluß auf unsere Pflichten , erwiderte das junge Mädchen , sich aufrichtend und die schöne Lippe verächtlich krümmend : und glauben Sie nur nicht , daß es der Stolz des Rheichthums und des hohen Ranges ist , der mich so gleichgiltig gegen Ihr Anerbieten macht . Diesen Augenblick sind wir im Begriff , nach Grünwald abzureisen , wo mein Bruder auf den Tod erkrankt ist , und dort auf dem Pult liegt der Anfang eines Briefes , worin ich der Fürstin zu schreiben gedacht , daß ich nun und nimmermehr die Gattin ihres Sohnes werden könne . Die dunklen Augen Helenes leuchteten , das heiße Blut färbte das Incarnat der lieblichen Wangen tiefer , sie war Oswald so schön , so einzig schön nie erschienen . Und das in diesem Moment , wo er bereits im Herzen Abschied genommen von einem Leben , das keinen Reiz mehr für ihn hatte ! gerade jetzt mußte ihm das Ideal seiner glänzendsten Träume , nicht in unerreichbarer Ferne - nein , in unmittelbarer Nähe erscheinen , dem kühnen Wunsch , dem festen Willen vielleicht erreichbar ! Weshalb sagte sie ihm , daß sie den Fürsten nicht heirathen werde , und sagte es in diesem herausfordernden Ton , wenn sie ihn - den Schwankenden , Treulosen , Wankelmüthigen - nicht demüthigen wollte durch die Kraft des Entschlusses , mit welchem sie der Herrlichkeit entsagte , nur um sich selbst treu zu bleiben ? Diese Gedanken jagten in wilder Flucht durch Oswalds Gehirn , das , überreizt durch Schlaflosigkeit und Fieberträume , mit einer wunderbaren Schnelligkeit arbeitete und die Resultate complicirtester Gedankenreihen in schwindelndem Fluge erfaßte . Er wußte , daß sie ihm dies nimmermehr gesagt haben würde , wenn sie ihn nicht zu irgend einer Zeit geliebt hätte , vielleicht noch liebte , und dabei wußte er auch mit unumstößlicher Gewißheit , daß er und sie durch Alles , was geschehen war , auf immer unwiederbringlich von einander geschieden seien . Es war deshalb keine Bitterkeit , sondern nur tiefste Trauer in dem