, Taback und Indigo - Melchior , der schwarze , noch mit einem Zuckerhut in der Hand - oder sind Sie für Runkelrübe ? Ohne im mindesten sich reizen zu lassen von Benno ' s » lateinischem Stolze « , unterbrach Thiebold nur mit den einfachen und höchst gelassen geseufzten Worten : Nicht einmal kleinen Zucker im Vorrath ! Damit holte er tief wehmuthsvoll einen Stiefelknecht aus dem Zimmer , in dem Benno ' s jugendlich knospende Praxis in dem Repositorium lag und wo er des Abends nach Hause kommend immer zuerst musterte , was etwa neu eingetroffen von seinem Schreiber in die kleine Baumschule künftiger fruchttragender Proceß-Obstgärten gelegt war , während er sich dabei die Stiefeln auszog . Thiebold zerklopfte ein großes Stück Zucker , das er gleichfalls aus Benno ' s offenem Schreibsecretär , Kassa und Speisekammer zu gleicher Zeit enthaltend , genommen hatte ... Nun , erzählen Sie doch von Ihrer Reise ! sagte Benno und setzte , dies jedoch etwas kleinlauter , hinzu : Waren Sie denn auch in Lindenwerth ? Thiebold klopfte am Fenstersims Zucker ; Benno trat im Hauskleide an den Kaffeetisch ... Sein geschornes Militär-Haar war schon wieder voller gewachsen und setzte auch seine gewohnte natürliche Kräuselung an . Sein Teint , immer etwas bleich , war heute von einer milden Röthe angehaucht . Sein Hals lag offen , wie die Brust , die die ganze bräunliche Schönheit hatte , die von den Alten am Manne so gerühmt wird . Beide Freunde hätten sich ganz wohl zu einem Modell der Dioskuren stellen können ; vorausgesetzt daß der Künstler sowol eine kleine Neigung Thiebold ' s , mit seinen lichten Milchblutformen und dem sozusagen blonden Habitus seiner ganzen Constitution etwas ins Allzuvolle überzugehen , und bei Benno im Gegentheil eine gewisse brennende und an die mit phrygischer Mütze geschmückten Gestalten neapolitanischer Fischer erinnernde Magerkeit weise gemildert hätte . Auf die Frage : Waren Sie denn auch in Lindenwerth ? war die Thiebold ' sche Gegenfrage : Gestern ist ja wol Ihr Vetter angekommen ? gewissermaßen Blödsinn und doch lag eine Antwort darin . Beide nämlich , Benno und Thiebold , waren von dem Zwiespalt in Armgart ' s Familie unterrichtet ; beide wußten , daß Armgart ' s Lehrerin , Angelika Müller , an den Dechanten etwas Entscheidendes in dieser Angelegenheit geschrieben hatte ; doch kannten sie den nähern Inhalt der Erklärungen Armgart ' s nicht und mochten den Obersten am wenigsten drängen , ihnen mitzutheilen , was Bonaventura in der Morgenstunde , wo sie noch nicht die Lehmschanze erstürmt hatten , doch schon früh genug aus waren , um einen forcirten Marsch zu unternehmen , bei ihm gewollt hatte . In Armgart ' s Angelegenheiten war etwas vorgefallen , das hatten sie , als sie Abends spät todmüde zurückkamen , schon gemerkt ; aber selbst Benno wußte von der Wanderung vom Hüneneck an bis zur Maximinuskapelle aus Armgart ' s eigenem Munde über ihre heimlichen Gesinnungen gegen den Vater nichts weiter , als daß sie vor Sehnsucht brannte , ihm ein paar selbstgefertigte Tragbänder zu schenken ... Nun ließ sich fast annehmen , daß Bonaventura auch mit Aufträgen des Obersten und Dechanten für Lindenwerth erschienen war und darin lag denn doch eine gewisse Logik der Thiebold ' schen Gegenfrage . Was soll ihm denn hier werden ? fragte dann Thiebold und klopfte Zucker in Hoffnung , von Armgart zu hören . Er ist auf heute früh zum Kirchenfürsten bestellt ... sagte Benno und hob den Deckel der Maschine auf , die stark genug war , Wasser zum Sieden zu bringen . Man vermuthet eine Berufung an den Dom ... Sieh ! Sieh ! ... Blieben Sie denn noch in Kocher lange nach mir ? Ein paar Stunden ! steuerte Benno auf die feierlichere Beilegung der Differenz zu . Ich hatte Eile zu meinen Arbeiten zurück ! Und Nück schrieb mir Aufträge für die Reise noch bei einigen Gutsbesitzern und Bauern ... ich kann alle Stunden gewärtig sein , wieder auf ein paar Commissionen hinaus zu müssen ... Ich hoffe , daß Sie Ihren Vetter bei uns einführen ! ließ Thiebold fallen . Wann wollen Sie mit ihm bei uns speisen ? Mein Vetter ist höchst einfach und liebt die Gesellschaft nicht ... Auch will er schnell nach St.-Wolfgang zurück , obgleich ich höre , daß der Kirchenfürst unpäßlich ist und ihn vielleicht gar noch nicht einmal empfangen kann ... Die reizbare Eminenz ist , wie mir Enckefuß erzählte , in einer gewaltigen Aufregung , die ihn um so mehr erschüttern mag , als er sie äußerlich nicht verräth . Nun war der verhängnißvolle Name Enckefuß gefallen ... Thiebold wich aber noch aus und sagte : Daß ich von der Dechanei so kurzen Abschied nahm ! ... Ich bereu ' es fast ... Hat sich das Verhältniß mit der Dame nicht ausgeglichen ? Wissen Sie denn nicht ? fiel Benno ein . Was soll ich wissen ? Während ich noch mit Frau von Gülpen zu ihren Gunsten parlamentirte , war sie ja abgereist ... Aber erfuhren Sie denn nicht , im Kattendyk ' schen Hause - ? Was ? Mit Ihrem Zauberweibe haben Sie Ihre schlechten Cigarren unter Einem Dache geraucht ! Ich weiß kein Wort ... » Zauberweib « war ein Ausdruck gewesen in Thiebold ' s großer Apostrophe an Benno ' s Herzlosigkeit . Dies Wort wirkte jetzt auf ihn wie die beschämende Erinnerung an einen Rausch ... Er wollte etwas erwidern , verschluckte es jedoch wegen nicht ausreichender Stimmmittel ... Himmel ! fuhr Benno fort . Wenn diese scharfen Augen und Ohren das Négligé Ihres tapfern Herzens und besonders Ihrer Zunge belauscht hätten ! Welche denn ? Diese neue Bewohnerin des Kattendyk ' schen Hauses ! Lucinde Schwarz ! Gott sei Dank ! Ich schwieg den ganzen Abend - Schnuphase vermittelte das Engagement ! Auf die Folgen bin ich begierig ! Deshalb war Piter so geheimnißvoll - Noch im Bahnhofe - Wo - ? Wir brachten Pitern vor einer Stunde auf