Griechischen Wein ... ich führe ihn leider nicht selbst ... aber ein Glas Capwein , Justizrath ? Gnädige Frau , ich danke ... was befehlen Sie noch ? Keinen Befehl , Schlurck ! Nur Freundschaft und Theilnahme für ein unglückliches Geschöpf , das Vertrauen zu Ihrem Herzen hat und es selbst zu dem ihrigen verdient . Excellenz - Ich beschwöre Sie , lassen Sie doch die Förmlichkeiten ! Ich verachte ja diese Formen , ich sehe in ihnen das Flüchtigste , das Erbärmlichste von der Welt ! Ich fühle Gott sei Dank ! mehr innern Werth in mir , als daß ich mich durch einen äußern unterstützen müßte . Ach ! Ich bin von einer Gefahr umgeben , Schlurck , die ich mir vielleicht zu lebhaft ausmale ! Aber gegen seine Phantasie kann Niemand etwas . Die hängt vom Blute ab und ich weiß nicht , wie ich es machen soll , daß mein Auge nicht zu schwarz sieht - Ein Arzt macht Das , sagte Schlurck . Cremortartari wird auch mein armer Zeisel nehmen müssen , wenn der Intendant von ihm den Gefangenen heraushaben will und den guten Mann in Teufels Küche bringt . Wo denken Sie hin , Schlurck ! Wenn ich weiß , daß Sie durchaus diesen Vorfall vergessen möchten ... Gnädigste , Sie könnten die Güte haben , den Geheimrath zu bestimmen , den Zornausbruch einer gebornen Nutzholz - Dünkerke ... Ach , scherzen Sie nicht ! Schlurck ! Das Vergessen ! Das Vergessen ! Wenn es nicht mehr ist als diese Angelegenheit ! Meinen innigsten Dank ! Pauline nahm Platz und fuhr in leidender Aufregung , indem sie den Justizrath zum Bleiben nöthigte , fort : Schlurck , ich hatte ein bewegtes Leben , aber ich sehne mich nach Ruhe . Ich mag die alten Aufregungen nicht mehr , ich habe den Muth nicht mehr , gegen das allgemein Gültige zu trotzen . Ich will mein Leben abschließen , irgend noch einem guten vernünftigen Gedanken nachleben und vom Vergangnen mich lossagen . Aber ich will mich auch ganz lossagen . Ich will keine Erinnerungen in mir und in Andern und durch Andere noch weniger . Sie kennen die Macht der Antecedentien . Ja , ja , beste Freundin ! sagte Schlurck lächelnd über die plötzliche Zähmung der wilden Frau ; warum sollt ' ich die Antecedentien nicht kennen ! Sie sind ja nächst der Cholera die verdammteste Krankheit der Zeit und eine ganz unheilbare ! Wir sind die Censur der Schriften los , haben aber dafür die Censur der Sitten bekommen . Mit der Preßfreiheit , die vielleicht ein gesunder Zustand sein kann , ist die Krankheit der Antecedentien gekommen . Und wenn Sie wissen wollen , warum ich mich nicht wählen lassen mag , so ist es auch die Scheu vor einer allzufrechen Analyse meiner Persönlichkeit . Ich bin mir leidlicher Solidität bewußt .... Aber Sie haben gelebt ! Gelebt ! O das ist viel gesagt . Alles , Alles , Frau von Harder ! Ja ! Leben ! Gelebt haben , Schlurck ! Geschleudert gewesen sein hin und her , heute von einem Wahn , morgen von einer Leidenschaft , geschleudert nicht immer durch das Schicksal , das uns unverschuldet traf , sondern auch durch das , was wir uns selber zugezogen und bitter bereuen . Wer kann dafür , daß man fast fünfzig Jahre zählt ! Gnädige Frau ! Ja Schlurck , fast fünfzig Jahre ! Ich besitze den Heroismus der Wahrheiten , die unleugbar sind . O Sie sind ein Engel ! meinte Schlurck und lächelte im Stillen , da er wußte , daß Frau von Harder hätte sagen müssen : Fast sechszig Jahre ! Ja , ja , die Antecedentien ! fuhr er fort . Da setzen sich Grünschnäbel hin , die nichts erlebten , nichts erleben konnten , weil sie jung , oder wenn alt , zu dumm waren und analysiren Lebensläufe ! Nein , ich gestehe Ihnen , um diesen Preis wünsch ' ich mir die alten Conduitenlisten der Behörden zurück . Die waren doch geheim , selbst die Register der Inquisition , in denen wir Beide vielleicht aufgezeichnet stehen , wir wissen ' s selbst nicht , selbst die sind mir nicht so zuwider , wie dies öffentliche Gerichtsverfahren über Menschen , die - gelebt haben ! Ah , das war eine Übereinstimmung ! Es fehlte nicht viel , daß Pauline den Justizrath umarmt hätte .... Erkennen Sie daraus meine Verlegenheit , sagte sie nach einer freudigen Pause . Amanda von Hohenberg war meine Feindin . Ja ! Hören Sie ! Ich sage Alles ! Sie hat Denkwürdigkeiten hinterlassen , in denen , wie sie mir selbst einst schrieb , Gott richten würde . Für diese fanatische Person war Gott so sichtbar schon auf Erden , daß ich gewärtigen kann , eine große Störung meiner Ruhe zu erleben , wenn diese Denkwürdigkeiten in unberufene Hände kommen . Zwei Jahre sind vorüber . Die Memoiren sind nicht da , sie erschienen nicht . Bei Ihnen wurden sie nicht deponirt , bei Niemandem und dennoch sollen sie vorhanden sein . Alle Welt erwartet sie . Die wahnwitzige Trompetta hat den Hof darauf schon vorbereitet . Jedermann ist gespannt . Sie finden sich aber nicht . Ich weiß es , Egon soll sie veröffentlichen . Egon sollte die Einrichtung ihrer Zimmer so treffen , wie sie sie sterbend verlassen hatte . Das Bild ! war ihr letztes Wort . Alles ist nun , was sie schrieb , theils verbrannt , theils unter meinem Verschluß . Alles ist da , nur ein Bild nicht , ein Bild , das man in Hohenberg hat stehlen wollen . Alles ist da , nur die Memoiren sind es nicht und dies Bild . Dies Bild also enthält die Memoiren . Auf dem Heidekrug ist es entwandt worden . Entweder mit Wissen oder gegen Wissen meines Mannes . Darüber werden wir von ihm selbst bald Aufklärung haben , aber denken Sie sich , wenn Egon