Alten ! « rief der Schüler halb von Sinnen . Der Vogel sprang in die Büsche , der Schüler eilte ihm nach . Die Elster flatterte einen engen Felsenweg empor , der bald nur noch über Morast und wild umhergeworfene Steinblöcke gefährlich hinanleitete . Von Block zu Block mußte der Schüler klimmen , wollte er nicht im Sumpfe versinken . Seine Kniee zitterten , seine Brust keuchte , seine Schläfe bedeckte kalter Schweiß . Er rupfte in der Eile Blumen und Blätter ab und streute sie auf die Steine , damit er den Weg wiederfinden möchte . Endlich stand er auf bedeutender Höhe vor einem geräumigen Felsenportal , aus dessen dunkelem Schlunde ihm eine Eisluft entgegenstrich . Die Natur schien hier noch in der uralten Gärung zu sein , so fürchterlich und zerrissen starrte das Gestein über , neben , vor der Höhle . » Hier wohnt unser Weiser ! « rief die Elster , indem sich ihre Federn vom Kopf bis zum Schweife sträubten und krausten , so daß sie ein unheimliches und widerwärtiges Ansehen bekam . » Ich will dich bei ihm anmelden und fragen , wie er über deinen Wunsch gesonnen ist ? « mit diesen Worten schlüpfte sie in die Kluft . Sie kam aber gleich wieder herausgesprungen und rief : » Der Alte ist mürrisch und eigensinnig , er will nicht anders dir den Eibenzweig geben , als wenn du ihm alle Ritzen der Höhle verstopfest , denn er sagt , die Zugluft sei ihm empfindlich . Aber ehe du damit fertig wirst , kann manches Jahr vergehen . « - Der Schüler raffte des Mooses und Krautes zusammen , soviel er fassen konnte , und ging nicht ohne Schauder in die Höhle . Drinnen sahen ihn von den Wänden Tropfsteinfratzen an , er wußte nicht , wohin er sein Auge vor den abscheulichen Gestalten retten sollte . Er wollte tiefer in den Felsging dringen , da schnarchte es ihm aus der hintersten Ecke entgegen : » Zurück ! Störe mich nicht in meinen Forschungen , treibe da vorne dein Wesen ! « Er wollte entdecken , wer da spreche , sah aber nichts als ein Paar glühroter Augen , die aus dem Dunkel leuchteten . Nun gab er sich an seine Arbeit , stopfte überall Moos und Kraut ein , wo er eine Spalte sah , durch welche ein Schimmer des Tageslichtes drang , aber das war ein schwieriges und , wie es schien , unendliches Werk . Denn , glaubte er mit einer Spalte fertig zu sein und sich zu einer anderen wenden zu können , so fiel das Eingestopfte wieder heraus und er mußte von vorn beginnen . Dazu schnarrte das Schnarchende im Hintergrund der Höhle Töne und Laute ohne Sinn ab und ließ nur bisweilen verständliche Worte ausgehen , die so klangen , als ob es sich seiner tiefen Forschungen berühme . Die Zeit schien dem Schüler im reißenden Fluge unter seiner verzweiflungsvollen Arbeit vorüberzueilen . Tage , Wochen , Monate , Jahre kamen , so dünkte ihm , und schwanden , und dennoch spürte er weder Hunger noch Durst . Er glaubte sich dem Wahnwitze nahe und wiederholte sich still mit einer Art von rasender Leidenschaft die Jahreszahl und daß er am Tage Peter und Paul zu Walde gegangen sei , um nicht gar aus aller Zeit zu treten . Wie aus weiter Ferne sah ihn das Bild seiner geliebten Schlummernden an , er weinte vor Sehnsucht und Trauer und doch fühlte er keine Träne über die Wangen rinnen . Auf einmal war es ihm , als sehe er eine bekannte Gestalt sich der Schläferin nähern , entzückt sie betrachten und sich dann wie zum Kusse über sie beugen . In diesem Augenblicke übermannten ihn Schmerz und Eifersucht , alles um sich her vergessend stürzte er gegen den dunkeln Hintergrund der Höhle . » Den Eibenzweig ! « rief er heftig . » Da wächst er ! « antwortete das Glühende , Schnarchende , und zugleich fühlte er die Zweige eines Baumes in der Hand , der aus einer finsteren Spalte der Grotte emporstand . Er brach an einem Zweige , da tat es ein Winseln um ihn her , das Glühende schnarchte stärker als jemals , die Höhle schwankte , schütterte , stürzte zusammen , Nacht wurde es vor den Augen des Schülers , und unwillkürlich rief es aus ihm hervor : Vor den Eiben Kein Zauber tut bleiben . Als seine Augen wieder helle wurden , sah er sich um . Ein dürrer , sonderbar mißfarbiger Stecken lag in seiner Hand . Er stand zwischen Gestein , welches sich zu einer Kluft wölbte , die aber nicht eben mächtig war . In der Tiefe klangen schrillende , pfeifende Töne , wie sie die großen Eulen von sich zu geben pflegen . Die Gegend umher war wie verwandelt . Es war eine mäßige Anhöhe , kahl und ärmlich , mit unbedeutenden Steinen übersäet , zwischen denen auf der einen Seite nach der Tiefe zu durch feuchtes Erdreich der Weg hinableitete , den er heraufgekommen war . Von den großen Felsblöcken war keiner mehr zu erschauen . Ihn fror , obgleich die Sonne hoch am Himmel schien . Es bedünkte ihn , als habe sie denselben Stand , wie damals , als er ausgegangen war , den Zweig zu holen , der nun zum dürren Stecken in seiner Hand geworden war . Er ging den Pfad über die Steine hinab , das Wandern fiel ihm beschwerlich , er mußte sich auf den Stecken stützen , das Haupt hing auf die Brust hinab , er hörte seinen Otem , der mühsam aus ihr hervordrang . An einer schlüpfrichten Stelle des Pfades glitt er aus und mußte sich am Gebüsch halten . Dabei kam ihm seine Hand dicht vor das Auge , die sah grau und runzlicht aus . » Herr Gott ! « rief er , von einem Schauder gepackt , » bin ich denn so lange - - ? «