ihn nun einmal habe verbannen müssen . Denkt , daß Ihr selbst nur durch eine List bei mir seid , die mich zwar gestern in der Audienz sehr erschreckte , die ich aber Euch gern verzeihe , um Euers Eifers willen für meinen alten Freund Bristol . Der Marquis fühlte sich von dem Anblick dieses kranken , schwachen Mannes bewegter , als er geahnt . Sein gutes Herz und sein sanfter Sinn war so eingeschüchtert , daß er keinen Begriff mehr von seiner ihm zustehenden Gewalt hatte und , ganz zum Kinde geworden , die Zuchtruthe des übermüthigen Günstlings mehr , als jede andere Regung , fürchtete . Und dies , sagte er endlich , sich zusammen nehmend , soll mein Bescheid sein ? Der Bescheid , auf den Bristol mit banger Sorge harrt ! - Ich verspreche Euch , lieber Marquis , ich werde Alles außerdem in Ueberlegung nehmen , und meinem alten Bristol sagt nur , - denn Ihr , schlauer Herr , steht doch mit ihm in Verbindung , - ich lasse ihm sagen , er solle sich nicht grämen ; denn wenn er unschuldig ist , wie ich gern glaube , so habe ich ihn eben so lieb , wie vorher . Auch soll er nur sich Zeit lassen , wir versöhnen uns schon noch einmal ! Freilich , setzte der alte König nachdenklich hinzu , von seiner verfallenen Gestalt , gutmüthig lächelnd , zum Marquis aufblickend , freilich , viel Zeit haben wir dazu meinerseits nicht mehr ! O , rief der Marquis , überwältigt von Rührung , so benutzen Euer Majestät diesen freien , sichern Augenblick ! Ja , ich stehe mit ihm in Verbindung , unter dem Schutze Frankreichs , den ich für ihn in Anspruch nehme , führte ich ihn hierher , im Nebenzimmer harrt er . O sprecht ein Wort , und er liegt zu Euern Füßen ! - Um Gott , was ist das ! Hülfe , Hülfe ! Verrath ich bin verloren , man gebraucht Gewalt ! Steeny ! Steeny ! Baby ! zu Hülfe , zu Hülfe ! So schrie der alte König , indem er die Decken seines Bettes in seiner trostlosen Geistesverwirrung sich vorhielt ! Der Marquis hatte Ueberwindung nöthig , diesen fast widrigen Zustand gelassen anzusehen : er faßte sich aber , entschlossen , sein Werk zu vollenden . Ich muß Euer Majestät erinnern , hob er mit feierlicher Stimme an , daß hier vor Euch der Gesandte Frankreichs steht , beauftragt von Dero königlichem Bruder , Euer Majestät eine Bitte in Bezug auf den Grafen von Bristol vorzutragen . Es sind weder Mörder , noch Verräther , die zu Euer Majestät reden ; mein Auftrag ist ein Werk des Friedens . Nun , nun , sagte der König , zu sich kommend und etwas beschämt , ich verstehe wohl , und ist mir einen Gesandten zu empfangen , nichts Fremdes . Er schob sich unruhig in seinem Bette umher , und seine Augen irrten immer nach der Thür hin , durch die der Gesandte eingetreten . Endlich sah er ihn lächelnd an und winkte ihm näher . Leise sagte er dann : Ist er wirklich da ? Der Marquis bejahte es . Nun hört , sagte er , freudig mit den Augen blinzelnd , dann laßt ihn ein Augenblickchen herein , ehe es Jemand sieht , und haltet Wache , hört Ihr ! Der Marquis flog in das Nebenzimmer . Der große Augenblick war gekommen , wonach Bristols Herz so innig sich gesehnt , es sollte geschehen . Der Marquis eilte auf ihn zu , und den Mantel selbst von seinen Schultern ziehend , rief er : Glück auf , er ist versöhnt ! Doch , setzte er wehmüthig hinzu , faßt Euch , und vor allen Dingen begnügt Euch mit seiner wieder aufgelebten Liebe , vertheidigt Euch nicht ! Er versteht Euch nicht , und Ihr verliert die Zeit ! Wehmüthig drückte Bristol die Hand des Marquis und trat schnell in das bekannte Zimmer seines Königs . Ein ununterbrochenes Weinen , mit Worten vermischt , drang aus dem Bette des Königs ihm entgegen . Aber Bristol kniete vor seinem kaum noch kenntlichen Könige , dessen physisches und geistiges Hinscheiden ihm schmerzlich beim ersten Anblicke einleuchtete , mit derselben Verehrung nieder , wie einst vor den Stufen des Thrones , als er diesen noch in seiner höchsten Kraft besessen . Der König neigte sich über ihn und legte seine Hände zärtlich auf sein Haupt . Bristol wagte nicht zu sprechen , er ehrte , selbst allzu sehr erweicht , die Bewegung des verehrten Monarchen . Sprich nur , Digby , sagte dieser endlich gefaßter , Du hast Deinen König nicht zu fürchten ; denn ich glaube es dem guten Marquis , daß Du mich nicht hast verrathen wollen . Da sei Gott vor ! sprach Bristol und hob sein Haupt frei in die Höhe , daß ein Tropfen Blutes in diesen Adern flösse , der gegen meinen gnädigen Herrn sich auflehnte ; Bristol hätte ihn selbst mit der Spitze seines Degens hervorgelockt . - Ich dachte es wohl , mein alter Freund ! Aber Du weißt wohl , die Jugend will immer klüger sein , und ich muß Dir im Vertrauen sagen , alles , was Du mit der Infantin damals abgeredet , war mir doch lieber , als was mein lieber Steeny jetzt mit der Französin vor hat . Indeß sehe ich ein , daß , da es die Infantin nicht sein konnte , uns nur diese königliche Prinzessin noch übrig blieb , und immer bleibt gegen Steeny ' s Eifer nichts zu sagen , wenn er auch darin zu weit gegangen ist , Dein Verdienst schmälern zu wollen . Doch bitte ich Dich um meinetwillen , halte Ruhe und gieb nicht zu , daß aufs Neue Streit entsteht . Sieh , Bristol , ein Anderer wird bald an meiner Statt sein , und ihm werde ich Dich empfehlen , aber meine Stunden