senkte sich schmerzlich in die Brust der einsamen Freunde . Jeder suchte den Andern zu schonen und wollte deßhalb seine Sorgen nicht bekennen , aber der verschwiegene Gram nagte sichtlich an Aller Herzen . Wie ein elektrischer Schlag zuckte daher die Freude durch jede Brust und lähmte für einen Augenblick die Kraft der Glieder , als endlich ein großes Paket eintraf , welches außer den Briefen voll zärtlicher Liebe für die Mutter und glühendem Gefühl für die Braut noch eine Art von Tagebuch für den Grafen enthielt , worin sich auf jeder Seite das kindliche Gefühl eines guten Sohnes aussprach und welches zugleich eine kurze Darstellung der Begebenheiten in Spanien enthielt , so weit sie ohne Gefahr für den Schreiber und Empfänger berührt werden durften . Nachdem er die weltgeschichtlichen Begebenheiten , die unter seinen Augen sich ereignet , flüchtig angedeutet hatte , sagte er unter Anderem : Bald nach des Königs Joseph glänzendem Einzuge in die neue Hauptstadt seines Reiches , wurde ich von Vittoria mit Depeschen an ihn gesendet und ich läugne nicht , daß ich gern die Gelegenheit ergriff , die sich dort neu gestaltende Welt in der Nähe zu sehen , und ein poetisches Gefühl ließ es mich höchst reizend denken , an den Ufern des Manzanares zu wandeln , obgleich es mir bekannt war , daß die Lage der Hauptstadt in Ansehung ihrer malerischen und poetischen Umgebung weit hinter der anderer Städte des Reichs zurück steht . Ich fand den König Joseph von einem glänzenden Hofe umgeben , der freilich zum großen Theil aus Franzosen bestand . Aber es ist auch nicht zu läugnen , daß viele vorzügliche Geister sich ihm anschließen , die durch seinen Einfluß und Napoleons mächtige Hülfe die Fesseln des Geistes abzuwerfen hoffen , unter deren Druck Spanien so lange schmachtet , so daß die edelsten Kräfte einer großherzigen Nation seit lange einer großen Theils unwürdigen Geistlichkeit zur Befriedigung eigensüchtigen Verlangens dienen . Ja , der aufgeklärte Theil der Geistlichkeit selbst seufzt nach der Erlösung von diesem Joche . Um so sorgfältiger aber sucht der bei Weitem größere Theil derselben den beschränkten Sinn des Volkes vor jedem eindringenden Lichtstrahle zu bewahren , denn sie fühlen natürlich , daß die Wurzel ihrer Macht erschüttert werden muß , wenn das Volk aufhört zu glauben , daß Seligkeit und Verdammniß unmittelbar in den Händen der Priester ruht . Wir werden also nicht bloß den Kampf zu bestehen haben , der durch ein verwundetes Nationalgefühl erregt ist , sondern unser furchtbarster Feind ist der Fanatismus , den die Priester zu ihrem eigenen Vortheile sowohl , als zu Gunsten Ferdinands im Volke erregen , und durch alle Mittel , die ihnen zu Gebote stehen , stärken und nähren . Diese Betrachtungen drängten sich mir auf , so flüchtig auch nur die Beobachtungen waren , die ich anstellen konnte , denn kaum hatte ich am Morgen meine Depeschen abgegeben und mich dem Könige vorstellen lassen , der mich mit großer Huld empfing , als ich auch schon von so vielen Bekannten umringt und in so viele Zerstreuungen verwickelt wurde , daß mir keine Zeit zu ernsten Beobachtungen blieb . Als die Seele aller Gesellschaften hörte ich einen liebenswürdigen deutschen Baron allenthalben nennen , der sich dem Hofe des Königs angeschlossen hatte , und von diesem selbst als ein geistreicher und unterrichteter Mann , und angenehmer Gesellschafter besonders ausgezeichnet wurde . Auch bei den Damen hatte dieser Fremde viel Glück , und eine reiche , vornehme und schöne Frau , die der König selbst oft mit seinem Besuch beehre , habe sich ganz offen für ihn erklärt , hieß es , so daß man erwartete , die große Neigung werde Beide zu einer ehelichen Vereinigung bestimmen und der König werde dann den aus einem alten Geschlecht abstammenden Deutschen mit sehr bedeutenden Ehrenstellen bekleiden . Da ich diesen gefeierten Mann von allen Seiten als ein Ideal der Liebenswürdigkeit preisen hörte , so wurde endlich meine Neugierde erregt und ich fragte nach seinem Namen . Viele wußten diesen gar nicht . Er war ihnen bloß als der liebenswürdige deutsche Baron bekannt oder als Don Fernando . Endlich nannte ihn mir ein besser Unterrichteter als Baron Schlebach , und mir fiel ein , daß ein solcher ja unser Verwandter sein müsse , weil ja dieß auch der Name meiner Mutter ist , und ich beschloß mich mit ihm bekannt zu machen . Der Tag war mir unter mannichfachen Zerstreuungen verschwunden und am Abend war Cirkel bei Hofe , wo auch ich erscheinen mußte . Es war eine glänzende Versammlung , die sich vereinigte , und es hätte mir wohl mancher der Anwesenden wichtig sein können , wenn nicht meine Aufmerksamkeit auf einen einzigen Gegenstand wäre gelenkt worden . Dort steht der deutsche Baron , flüsterte mir ein Bekannter zu . Meine Augen folgten dem Winke der seinigen und trafen auf einen Blick , dessen Schärfe und Kälte mir ein bekanntes Bild hervorriefen , das ich doch nicht festzuhalten vermochte . In dem Augenblicke redete der König den Baron freundlich an , und das anmuthige Lächeln des in der That schönen Mundes verbreitete einen eigenen Reiz über das blasse , von dunkelm Haar umlockte Gesicht . Die Kälte und Schärfe schwand aus den dunkeln Augen , und die schlanke , reichgekleidete Gestalt erhöhte den angenehmen Eindruck , und doch wurde , indem der König sich von ihm wendete und er zurücktrat , ein gemeiner Hochmuth in seinen Mienen und Gebehrden sichtbar , der auf einmal meinem Gedächtnisse zu Hülfe kam und mich an den Sekretair des Kommandanten der Festung * * * erinnerte , der uns damals so übermüthig behandelte , und den Sie mir als den Sohn eines Ihrer ehemaligen Beamten bezeichneten . Ich wollte mich eben diesem unbekannten Verwandten nähern , als der König mich erblickte und mich an meine Stelle fesselte , indem er sich mir näherte und auch mich durch eine freundliche Anrede auszeichnete . Die Unterhaltung hatte einige Minuten gewährt . Als sich der König darauf zu