und soll dies alles nicht achten und nur für das Glück , für die Heiligung jenseit des Grabes ihm einen Aufenthalt wünschen und erflehen , sieh , da stehen meine Gedanken stille , ich kann nicht glauben , daß diese Erde einer edlen Seele je ein bloßes Jammertal werden könne , ich kann dieses Leben nicht jenem aufopfern . Denk ich aller Tätigkeit , die Dein Vater auf dieses Leben verwendet , so vieler Erfolge , die ihm geworden , so vieler , die ich mit Zutrauen erwarte , denk ich meines eignen Herzens und meiner ganzen Sinnesart , die er in zärtlicher Liebe ohne Härte , ohne Zwang gebessert hat , es ist mir unmöglich zu sagen , dies alles sei eitel und nichtig , und ich hätte eigentlich alle meine Gedanken auf Gott zu richten und seiner zu vergessen . Dieser Tätigkeit für andre bist Du durch das Klosterleben für immer entzogen , Du siehst die Menschen selten und nur in ihrem tiefsten Kummer , im Aufhören ihres Lebens usw. « Erst am vierzehnten Juli , es war der Tag ihrer alten Schuld , an welchem sie immer früh aufstand , um lange beten zu können , erhielt sie die Antwort ihres Johannes , er lehnte das Anerbieten ab , nicht weil er sein jetziges Leben für löblicher halte , sondern weil es ihm notwendig , ihm Bestimmung sei ; übrigens erklärte er sich ganz frei , daß er ihre Gesinnung über das Glück und die Tätigkeit dieses Lebens teile , daß diese Meinungen von der Eitelkeit und Nichtigkeit dieser Welt Mißverständnisse wären , daß unser Glaube eine Religion des Lebens , weder der Freude noch des Jammers einzeln und abgesondert sei , daß ihn dies vor allen auszeichne , die entweder die Not der Welt hinter Lügen zu verstecken suchten , oder den armen Menschen in seinem Jammer und Not und Schwachheit mit hämischer List anfielen , um ihn sich zuzueignen ; daß aber die letzte Art leider auch manchen so genannten christlichen Lehrer verführe . Er schloß mit den Worten : » Du siehst liebe Mutter , daß ich mit dem reinsten Ausdrucke meines Glaubens mich nur wenigen in meinem Kloster verständigen kann , nie werde ich darum streiten , denn Christus , der aller Welt und allen Völkern in so verschiedener Gestalt erschienen , allen als Hingebung und Aufopferung aus Liebe , warum sollte der uns im Kloster , die wir aus verschiedenen Völkern , Ständen und Bildungen zusammengekommen , in der Betrachtung gleich sein ; in unsern Herzen fühlt er sich gleich . « Dieser Brief hatte die Mutter ungemein getröstet ; welche Freude ist es einer Mutter , von ihrem Sohne belehrt zu werden , sie dankte dem Himmel in ihrer Kammer für die gnädige Führung ihres Lebens und segnete ihre Kinder , die vor dem Fenster sich auf einem Platze herumtummelten . Mitten in dieser Freude überraschte sie der quälende Gedanke , warum der Graf sie den Morgen nicht besucht habe , und während sie noch darüber nachsann , sah sie ihn , mit der Gitarre eilig nach dem Gartenhause der Fürstin gehen , sie erschrak und wollte es sich nicht gestehen warum ; auch ihrer Schwester gestand sie es nicht , die zu ihr ins Zimmer trat und sie in Tränen fand ; doch hatte diese geliebte Schwester bald die Freude , sie mit mancher Erzählung von glücklichen Einfällen der Kinder zu einer heitern Laune über zu führen . So wenig Klelia sonst sprach , so unerschöpflich war sie , jedem Traurenden etwas mitzuteilen , was ihn beruhigen oder zerstreuen konnte . Als die Herzogin sie verlassen , blickte Dolores noch einmal ein schönes Christusbild an , das den kleinen Altar erfüllte , sie schlug die Bibel auf und wurde mit ihren Augen zufällig auf den Spruch geführt , den Christus zu dem armen Sünder sagte : » Wahrlich ich sage dir , heute wirst du mit mir im Paradiese sein . « - Sie ging zu ihren Kindern und zu ihren Beschäftigungen ; aber sie konnte den Spruch nicht vergessen , immer stand das Bild vor ihr , milde , doch schmerzlich zu ihr sprechend : » Wahrlich ich sage dir , heute wirst du mit mir im Paradiese sein . « Der Graf hatte diesen Morgen seine Frau nicht vergessen , er wollte sie mit einem angenehmen Geschenke überraschen und der Goldarbeiter in Palermo hatte es nicht beendigt , es war ein breiter Goldring , auf welchem die zwölf Planetenzeichen mit Perlen eingelegt waren ; er sollte zum Ersatz des verlorenen Verlobungsringes dienen und in dem Bilde des ewig sich verjüngenden Jahrs , die ewig sich verjüngende Liebe darstellen . Ungeduldig hatte er am Morgen darauf gewartet , endlich ging er , um mit seiner Ungeduld nicht allein zu sein , zur Fürstin , auch wollte er dort musizieren . Er wußte überdies , daß er seine Frau an diesem Tage noch angenehmer überraschen würde , und fürchtete sich , in dieser Stimmung ihr das ganze Geheimnis , die nahe Ankunft ihres Vaters zu verraten , von dessen Reise er den Tag vorher die erste Nachricht bekommen und von dem er mit Bestimmtheit Briefe in Palermo erwartete . Diese Gedanken machten seine Unterhaltung mit der Fürstin sehr einsilbig , sie setzte ihm nach ihrer Gewohnheit feine Früchte und edlen Wein vor , diesmal Christitränenwein in einem sehr alten Familienbecher , der aus einem Jaspis geschnitten das Haupt der Medusa darstellte , an der die Schlangen als Handhabe geringelt waren ; sie hatte immer eine Freude daran , ihn essen zu sehen , weil er alles mit voller Empfindung genoß . Er ließ diesmal den Becher stehen , versuchte eine Melodie auf der Gitarre , die in seinem Kopfe wogte und immer rührender und anziehender unter seinen Fingern sich gestaltete . Die Fürstin saß auf einem breiten Sessel im Fenster , bald sah sie ihn an , bald stützte sie sich auf ihren Arm , und hörte ihn wie aus