geliebt werden darf . Seit einiger Zeit hält sich unter andern nicht gemeinen Künstlern auch dein Freund Parrhasius zu Milet auf , und findet viele Ursache sich bei uns zu gefallen . Die Günstlinge des Plutus wetteifern mit einander , wer die meisten und schönsten Stücke von ihm aufzuweisen habe , und der Künstler befindet sich ungemein wohl bei dieser Eifersucht : ob sie aber der Kunst eben so zuträglich seyn werde , ist eine andere Frage . Wenigstens setzt sie jenen in eine starke Versuchung , sich eine dem Auge schmeichelnde geschwinde Manier anzugewöhnen , und künftig mehr für den schärmerischen Beifall des freigebig bezahlenden Liebhabers , als für das ruhige Wohlgefallen des streng urtheilenden Kenners zu arbeiten . Eine unsrer schönsten Hetären hat sich indessen wohlfeil genug in den Besitz seiner Leda ( die in ihrer Art über allen Preis ist ) zu setzen gewußt , und ist dadurch auf Einmal die reichste ihres Standes geworden , indem sie das eben so leicht erworbene als leichtfertige Gemäldchen dem Satrapen Teribazus für eine unerhörte Summe wieder verkaufte . Sage mir doch , Aristipp , was für ein Schwindel deine Kechenäer angewandelt hat , daß sie den König Artaxerxes , von welchem sie mit so großen Beweisen seines Wohlwollens und Vertrauens überhäuft worden , und dem sie es allein zu danken haben , daß sie wieder etwas unter den Griechen bedeuten , sich mit aller Gewalt zum Feinde machen wollen ? Zwar an dem Athenischen Volke wird mich keine Thorheit , wie ungeheuer sie auch seyn mag , jemals in Verwunderung setzen : aber wie Konon von seinem Glücke so sehr berauscht werden konnte , daß er sein eigenes Werk , die Frucht so vieler Gefahren und Arbeiten , mit eigenen Händen wieder vernichtet , das geht über meinen Begriff . Kannst du dir vorstellen , wie dieser um Athen so sehr verdiente Mann übermüthig und unklug genug seyn kann , das Vertrauen des Königs und des Satrapen Pharnabazus so unverschämt zu betrügen , daß er die Persische Kriegsflotte , die ihm zu gewissen Unternehmungen gegen Sparta untergeben worden war , dazu mißbraucht , die unter Persischer Oberherrschaft stehenden Ionischen Inseln und Städte , eine nach der andern , entweder geradezu den Athenern zu unterwerfen , oder zum Abfall zu reizen und in ein allgemeines Bündniß gegen den König zu verstricken ? Daß es ihm auch bei den Milesiern gelingen werde , zweifle ich indessen sehr . Es fehlt zwar auch hier nicht an unruhigen und regiersüchtigen Köpfen , die durch Ergreifung der Athenischen Partei zu gewinnen und den Pöbel auf ihre Seite zu ziehen hoffen , indem sie ihm die unermeßlichen Vortheile der Demokratie vorspiegeln , und ihm weiß machen wollen , die vereinigte Macht von Athen und Milet allein sey mehr als hinlänglich , dem großen König die Unabhänglichkeit des Griechischen Asiens abzutrotzen . Aber die edeln und reichen Häuser , und überhaupt alle zum Handelsstande gehörigen Bürger befinden sich bei der gegenwärtigen Verfassung , unter der gelinden Persischen Regierung ( die ihnen die wesentlichsten Vortheile der Freiheit willig zugesteht ) viel zu wohl , und sind durch ehmalige Erfahrungen zu sehr gewitziget , um solchen Lockungen Gehör zu geben . Inzwischen werden die Lacedämonier , die den Kechenäern von jeher an Staatsklugheit und Consequenz in ihren Maßregeln unendlich überlegen waren , sich den Unverstand der letztern bald genug beim Könige zu Nutze machen , und wir werden unversehens das Vergnügen haben , die luftigen Schwindler von ihrer Höhe eben so geschwinde wieder herabstürzen zu sehen , als sie sich in ihrer voreiligen Einbildung , die der Realität immer tausend Parasangen zuvorläuft , emporgeschwungen hatten . Antalcidas105 , einer der geschicktesten Staatsmänner und feinsten Unterhändler , welche Sparta besitzt , ist zu diesem Ende bereits an das königliche Hoflager abgegangen , und der Erfolg seiner Sendung kann um so weniger zweifelhaft seyn , da die Athener selbst ihm die stärksten Waffen gegen sich von freien Stücken in die Hände spielen , und ihr Möglichstes thun , dem so gröblich getäuschten Artaxerxes die Augen zu öffnen . Der große und entscheidende Vortheil , den das Aristokratische Sparta über die Athenische Demokratie immer behaupten wird , liegt darin : daß die gränzenlose Eitelkeit der letztern ihre Vergrößerungs-Projecte immer über alle Möglichkeit hinaustreibt , nichts berechnet , nichts vorhersieht , und sich ruhig auf das alte Orakel verläßt , daß die Götter ihre dummen Streiche immer wieder gut machen werden ; da hingegen die wohlberechnete Staatsklugheit der erstern sich auf die Oberstelle unter den Griechischen Republiken einschränkt , und noch nie über diesen höchsten Punkt ihrer Ambition hinauszugehen begehrt hat . Diese Mäßigung wird den Persischen Hof , der die Griechen auf seine Kosten endlich kennen gelernt haben muß , nothwendig auf den Gedanken bringen , sein eigenes Interesse erfordere , mit den Spartanern Friede zu machen , und die unzuverlässigen Athener , ohne darum ihre gänzliche Unterdrückung zuzugeben , sich selbst und ihrem Schicksal zu überlassen . Durch diese einzige Maßregel wird er es stets in seiner Gewalt haben , die Griechen in immerwährender innerlicher Gährung zu erhalten , und , ohne sehr großen Aufwand , durch seinen politischen Einfluß gerade so viel Gleichgewicht unter diese rastlos hin und her schwankenden Freistaaten zu bringen , als für das Interesse des Persischen Reichs und die allgemeine Ruhe der Welt nöthig ist . Denn es ist kaum möglich , daß das ewige Thema eurer Redekünstler , der Isokrates , Lysias , u.s.w. » Eintracht unter allen Griechen zu Vereinigung ihrer Kräfte gegen den gemeinschaftlichen Feind in Asien , « nicht endlich zu den Ohren des Königs kommen , und ihn überzeugen sollte , daß die Begünstigung des Spartanischen Systems das sicherste Mittel sey , einer so gefährlichen Coalition zuvorzukommen . Wundre dich nicht , Aristipp , wie ich mit meiner oben angerühmten sorglosen Denkart und Lebensweise dazu komme , dich so unversehens mit einer so reichlichen politischen Ergießung zu beträufen . Seit etlichen Wochen hört man hier nichts anders . Alles was