wieder auf einem Floß , welches Schanhatta sinnig und mit großer Anstrengung zusammengefügt halte , denn die Hülfe , welche ich ihr bei dieser Arbeit leistete , war kaum zu rechnen und beschränkte sich eben nur auf Anweisungen , das Drehen von Weidenstricken und das Ausmeißeln eines Ruders . Trotzdem erhielt das einsacke Fahrzeug eine große Festigkeit , und als wir endlich von der Insel abstießen , da glitten wir auf den schwachen Strömungen , welche Schanhatta gewandt zu benutzen wußte , so sicher dahin , daß ich nicht umhin konnte , meine Freude darüber zu äußern , auf des treuen Mädchens Vorschlag eingegangen zu sein . Die Reise , des ersten Tages war nur kurz , die des zweiten Tages aber schon bedeutend länger , und am Abend des vierten Tages befanden wir uns bereits so weit von der Insel entfernt , daß wir im Besitz von guten Pferden hätten sein müssen , um in sechs Tagen wieder dahin zurück zu gelangen . Dort nun wurden wir vom Glück in einer Weise begünstigt , daß die Fortsetzung unserer Fahrt uns , im Vergleich mit den früheren Tagen , nur wie ein Spiel erschien . Schanhatta entdeckte nämlich in einer Binsenwaldung , welche die Mündung eines kleinen Nebenflusses bezeichnete , ein noch gut erhaltenes Rindenkanoe , welches jagende Indianer daselbst zurückgelassen hatten , augenscheinlich in der Hoffnung , es im Herbst nach beendigter Jagd wieder vorzufinden . Wir vertauschten daher daß unbeholfene Floß mit dem Kanoe , und nach weiteren acht Tagen trafen wir endlich vor dem Nebenflüßchen ein , auf dessen Ufer mein Winterquartier lag . Am folgenden Tage schon hielten wir unsern Einzug in der unangetasteten Häuslichkeit , in welcher wir bereits einen harten Winter auf verhältnißmäßig behagliche Weise verlebt hatten . Für mich war die Reise , außer daß ich zuweilen heftige Schmerzen erduldete , im Ganzen nur wenig beschwerlich gewesen . Um das Heilen zu fördern , hatte ich mein Knie steif gebunden ; durch diese Vorsichtsmaßregel war ich außerdem im Stande , mit Hülfe zweier , mit natürlichen Krücken versehenen leichten Pfähle , mir allein von der Stelle zu helfen . Schanhatta fiel dafür die ungetheilte Arbeit zu ; sie ruderte , sie kühlte meine Wunde mit frischem Wasser , sie bereitete die Speisen , sie suchte Kräuter , deren heilsame Wirkung sie kannte , und dabei bezogen wir kein einziges Mal unser Lager , ohne daß sie vorher von irgend einer Höhe aus die weitere Umgebung abgespäht hätte , ob wir auch wohl , ohne Sorge für unsere Sicherheit , das Haupt zum Schlaf würden niederlegen dürfen . Darin bestand also die Arbeit , welcher sie sich täglich unterziehen mußte . Wenn ich aber schildern sollte , in welcher Weise sie sich derselben unterzog , wie aus ihren Augen die innere Befriedigung leuchtete , sich förmlich für mich aufopfern zu dürfen ; wie sie , sobald ich die Augen , wenn auch nur zum Scheinschlaf schloß , meinen Athem bewachte , wie sie mir aufmunternd zulächelte , während sie mit blutendem Herzen und kaum fühlbaren Händen meine Wunde verband , wie sie mir Blumen brachte , welche ich , wie sie wußte , vorzugsweise liebte , ja , wenn ich alles Dieses schildern sollte , dann würde ich Tage und Tage , ja Wochen bedürfen , und immer noch kein Ende absehen . Es war eine langsame , eine traurige Reise , aber auch eine Reise , auf welcher wirklich ein neues irdisches Glück für mich heraufzudämmern begann . Denn nichts gleicht der innigen Freude , welche es mir gewahrte , Schanhatta zu beobachten , zu sehen , wir die in ihrer Brust schlummernden edlen Keime mehr und mehr zum Durchbruch kamen , wie sie sich allmälig bewußt wurde , daß es nicht allein das Gefühl der Dankbarkeit für empfangene Wohlthaten sei , welches sie beseelte , und wie dann ihre Liebe sie schüchtern machte und sie zugleich befürchtete , dieselbe in einer mir vielleicht nicht zusagenden Weise durchblicken zu lassen . Ja , ein beglückender Genuß war es , in ihrer reinen Seele zu lesen und die fortschreitende Entwickelung ihrer Begriffe und der Eigenschaften ihres Herzens zu bewachen und zu bewundern . Die erste Hälfte des August mochte verstrichen sein , als wir unser altes Winterquartier bezogen und uns in demselben für die nächste Zeit so häuslich , wie es unsere sehr beschränkten Mittel erlaubten , einrichteten . Unser Aufenthalt in der dürftigen Hütte sollte nur von kurzer Dauer sein . Ich beabsichtigte nämlich , daselbst nur so lange zu verweilen , bis meine Wunde , welche während der Stromfahrt , trotz aller angewendeten Vorsicht , einen bösartigeren Charakter angenommen hatte , wieder einigermaßen geheilt sei . Ich rechnete auf zwei Monate , nach deren Ablauf mir dann ja noch immer hinreichend Zeit geblieben wäre , wenigstens bis zur Mission , wo ich mein Geld aufbewahrt hatte , stromabwärts zu gelangen , und von wo aus ich überhaupt meinen Eintritt in die Welt und in das Geschäftsleben zu bewirken hoffte . Die Wunde heilte langsamer , als ich erwartet hatte , und sehr bald entdeckte ich zu meinen größten Schrecken , daß mein Knie nicht nur geschwächt , sondern sogar ganz steif bleiben würbe . Doch was halfen mir Kummer und Klagen ? Das Unglück war da und mußte mit Geduld getragen werden . Als eine wahre Wohlthat für mich erwies sich , daß ich bereits mit der Aufzeichnung meiner Lebensgeschichte begonnen hatte und die Mittel besaß , diese Arbeit fortsetzen zu können . Während der langen , langen Tage , an welchen ich mein Lager kaum anders , als kriechend oder auf Krücken hinkend verlassen durfte , hätte ich sonst der Verzweiflung anheim fallen müssen , trotzdem meine gute treue Schanhatta nicht anders von meiner Seite wich , als wenn sie ausging , um einige Fische zu angeln oder süße Wurzeln , eine Art wilder Kartoffeln , zu graben und dadurch etwas Abwechselung in meine einfache Küche zu bringen . In demselben