allein im Fürstenzelt . Auch der Leibarzt mußte sich entfernen , bevor Malimmes dem Herzog half . Als man nach Regensburg aufbrach , brannte das Fieber des Kranken noch immer ; er mußte kurze Tagesmärsche machen und lange Ruhepausen halten ; aber mit jedem Morgen wurden seine Pulse ruhiger , und am vierten Tage fühlte er sich körperlich so sehr gekräftigt , daß er den Tragsessel nimmer nötig hatte , sondern reiten konnte . Der Leibarzt , der ein bißchen kleinlaut geworden war , hielt sich immer in der Nähe des schmuck gekleideten , nach Art eines ritterlichen Herrn gewaffneten Söldners . Endlich kam er mit der Frage : » Wie hast du dem Fürsten geholfen ? « Mißlaunisch schüttelte Malimmes den Kopf . » Jedem das Seine , Ihr seid ein Medikus , ich bin ein Kriegsmann . Alles im Leben ist Handel . Weiset mir einen Bolz , mit dem man einen im Küraß auf tausend Gang aus dem Sattel schießt , so will ich Euch weisen , wie man die Müden munter macht . « In der Abenddämmerung , nicht weit hinter Landshut , überholte Herzog Heinrichs klirrender Reiterschwarm den gemächlich reisenden Zug der Herzöge von München . Herr Heinrich begrüßte die Vettern mit lebhafter Herzlichkeit . Der Gegengruß war minder freundlich . Herzog Wilhelm und Prinz Albrecht blieben stumm ; im Gesicht des Prinzen war eine heiße Zornflamme ; und Herzog Ernst lachte in seiner schwerfälligen Art. » Warum so wunderlich , meine lieben Vettern ? « fragte Herr Heinrich mit dem Anschein eines Gekränkten . » Solltet Ihr noch nicht vernommen haben , wie kräftig wir euch bei Dachau zu Hilfe kamen ? « » Vernommen ? « sagte Herzog Ernst . » Ob das ein zutreffendes Wort ist ? Sollte man nicht sagen : wahrgenommen ? Ja , Vetter Heinrich ! Wir haben wahrgenommen . Deine klugen Taten sind wie stille Seufzer . Man hört nicht viel von ihnen . Aber sie werden ruchbar . « Herr Heinrich legte den Kopf zurück . » Sehr höfisch redest du nicht , mein derber Vetter ! Ich hätte wohl besser das Eisen im Leder gelassen . Jetzt muß ich an ein Wort meines Schwagers Zollern denken . Wenn er Gutes tat und Undank erfährt , pflegt er zu sagen : Es ist mein Schicksal , mißverstanden zu werden . « Er nickte einen Gruß . » Ihr reiset langsam . Ich habe Grund zur Eile . In Regensburg ! « Herzog Heinrich rasselte mit seinem Schwarm davon . Er überholte während der beiden folgenden Tage noch manchen Reiterzug , der von Städten , Burgen oder Klöstern kam . Die Reise ging vorüber an Feldern , auf denen die Ernte faul geworden , vorüber an öden Kohlstätten verbrannter Dörfer und an gebrochenen Mauern . Überall lungerte das Elend neben der Straße , und in der schönen , milden Sonnenluft waren üble Gerüche . In den Stauden und Gräben kauerten müde oder kranke Menschen , die aussahen , als wären sie hinter einem Wanderzuge erschöpft zurückgeblieben . Niemand kümmerte sich um die Niedergebrochenen ; jeder , den die Füße noch trugen , hatte mit sich selbst zu schaffen ; unter den Schrecken dieses Kriegsjahres war die Barmherzigkeit abgestumpft , das Erbarmen erloschen . Wer sterben mußte , blieb liegen , wo er lag , und war umschwärmt von Ungeziefer , von Krähen und Geiern . Am letzten Reisemorgen geriet Herr Heinrich in lange Züge von wandernden Menschen und mußte vorsichtig reiten , weil diese Müden und Erschöpften die Straße nur langsam räumen konnten . Als der ungeduldige Reiterschwarm des Herzogs solch einen Hauf von grau verstaubten Wandersleuten zerkeilte , verhielt Malimmes plötzlich den schönen , feurigen Schimmel , den ihm der Herzog geschenkt hatte . In einem Trupp , der neben dem Straßengraben rastete , war ihm ein langer , magerer Bauer aufgefallen . » Höi ! Du ! Bist du nicht der Fischbauer vom Hintersee ? « » Was denn sonst ? « Da fand Malimmes seit dem Tage von Dachau das erste heitere Lächeln . » Guck , der Seppi Ruechsam ist noch allweil lebendig . Die Guten sterben nit . « Er sah den Bauer an , der ihn mißtrauisch betrachtete . » Mensch ? Was tust denn du in Regensburg ? « » Du mußt mich ja nit hintragen . « » Willst du am End gar zum deutschen König ? « » Was denn sonst ? « Malimmes wollte nach Mutter und Bruder fragen . Doch schweigend gab er dem Schimmel die Sporen und jagte dem Schwarm des Herzogs nach , wieder mit jener stumpfen Trauer in den Augen . Um die Mittagsstunde , als die Scharen der Wandernden immer dichter wurden , sah man von einer Waldhöhe in das liebliche Tal der Donau hinunter , das zärtlich begleitet war von lind geschwungenen Hügeln und herbstlich gefärbten Buchenwäldern . In ihrer Mitte , wie ein feiner Kern in der Schale , lag das von Mauern und Wällen umschlossene Dächergewirre der freien Stadt mit schlanken Kirchtumspitzen und plumpen Streittürmen . Ein dumpfes Murren von Bumbardenschüssen und ein sanft verschwommenes Tönen vom Geläute vieler Glocken . Es war zu der Stunde , in der die edlen Geschlechter und der große und kleine Rat von Regensburg mit Pomp und Jubel ausrücken wollten , um auf der Nürnberger Straße den König Sigismund und die Königin Barbara feierlich einzuholen . Den deutschen König , den Kaiser zu empfangen , hatte die alte , freie Donaustadt sich schön gemacht mit Gewinden der letzten Herbstblumen , mit bunten Tüchern und wehenden Fahnen . In den letzten Nächten hatte man große Schweineherden durch die Stadt getrieben , damit die braven , für Reinlichkeit sorgenden Tiere alles verschlingen möchten , was bequeme Bürgersfrauen an üblen Dingen aus ihren Fenstern auf die Straße zu werfen pflegen . Und was die Schweine zu entfernen verschmähten , wurde in fleißiger Nachlese von den ruhelos umherwandernden Buttenknechten gesammelt . Man hatte das Stadthaus gesäubert und geziert