. - So klug war wohl Prometheus auch , aber er konnte nicht sterben . Das Leben allein ist schwer , und der Tod ist unmöglich . Wenn ich nur schlafen könnte ! Graue , graue Tage sind vorübergeschlichen , vorübergekrochen ; ein kleines Geschöpf hat sich meiner erbarmt , ein Mäuschen , und nun bin ich nicht mehr allein . Ich kann eigentlich diese kleinen Tiere nicht leiden , aber in der Wüste hören die feinen Unterschiede auf , ist das kleine Ding doch ein lebendig Wesen , das unabhängig von mir seine Bewegungen macht , und durch diese Selbständigkeit in meine Öde und Leere Abwechselung , ich möchte sagten objektive Abwechselung bringt . Wenn ich so ruhig auf meinem Schmerzenslager liege , dann wagt sie sich immer weiter vor , um die kleinen Brotkrumen zu suchen , die ich zerstreut habe . Fehlen diese , so knubbert sie an meinen Stiefeln , als wüßte sie , daß ich keine Stiefeln mehr brauche ; gläsern ist das kleine Auge , aber die Bewegungen des Körperchens deuten auf Wohlbefinden und Behaglichkeit - soll ich das Tier beneiden ? Pfui , wie schwach ! Wer aus dem Kreise seiner Existenz heraus will , hat seine Existenz schon verloren . Aber ein Sperling setzt sich zuweilen auf die Spitze des Blechkastens , er gewährt keine Unterhaltung , da er nicht lange bleibt , aber er gewährt mir Freude und bringt mir die Märchenwelt . In diese hüll ' ich mich wie in weiche endlose Gewänder , mit denen man auch Augen und Ohren verschließt , um in eine ganz fremde Welt zu sinken ; Traum und Glaube sind so gefällige Träger , wenn unser Geist keine Hilfe hat , ich reite sanft auf dem Rücken des Vogels Rok , hoch über die südlichen Wüsten , Gebirge und Wasser dahin , nachts zwischen den Sternen umher , bald links grüßend , bald rechts . Auf den Sternen nämlich wohnen verteilt alle die Menschen , die mir jemals wert gewesen sind , sie reichen mir die Hand beim Vorüberfliegen , und wünschen mir glückliche Reise - ach , es wäre dem Herrgott doch eine Kleinigkeit , was im Märchen möglich ist , in Wahrheit möglich zu machen , und wie neu und interessant wäre die Welt , was gäb ' s für Kombinationen , und die Dichter herrschten , denn die Phantasie herrschte . Vielleicht ist die nächste Zukunft die Märchenzukunft . Wenn ich jetzt stürbe , müßt ' ich sie finden . Dann ist kein Gefängnis mehr möglich , als Fliege , als Sperling flög ' ich davon . Wo bin ich ? So wechselt ' s im Menschenherzen , und das stete Erwachen in diesem schmutzigen Loche ist so unnennbar schmerzhaft ! Manchmal , wenn mich ein fester Schlaf und Traum beglückt , wache ich rüstig auf , und erkenne dann mit Entsetzen wieder , wo ich bin - Traum und Märchen , sie könnten vor Blasiertheit und vor Kerker retten , kommt , kommt ! Steigt herunter auf goldenen Wolken ! Es laufen Gedanken in mir herum , Darunter auch jenes Wort , Der Welten tiefes Mysterium , Hasch ' ich , so fliegt es fort ! Ich lausch ' oft ganze Stunden lang , Ob es ein Geist mir nennt , Ich höre nur verworrnen Klang : » All Wissen hat bald ein End ' ! « Und sprech ' ich laut , was ich empfand , Was mir durchs Herze zieht , So wird daraus solch bunter Tand , Ein klein armselig Lied . Unglaubliches ist geschehen , und die Veränderung ist groß ; von den alten , längst gelesenen Büchern , die ich im ersten Gefängnisse hatte , sind mir einige verabreicht worden . Für Lektüre helfen sie nun zwar nichts , aber ich schreibe jetzt alle weißen Plätzchen voll , welche die Ränder des Gedruckten bilden , und die Titel- und Schlußblätter bieten hoffnungsreichen Raum . Die Freude war groß , und es ereignete sich noch Größeres . Als ich heut morgen noch im Bette lag , um den Vormittag kürzer zu machen , höre ich hinter der Wand neben mir Geräusch und Stimmen . Ich unterscheide , daß ein Gefangener neben mir eingebracht wird , ich sehe die Hoffnung deutlich zu mir herantreten , daß eine Verbindung , vielleicht gar ein Gespräch möglich zu machen ist , der Verkehr mit einem Menschen tritt mir nahe , ich bin außer mir . Um nichts zu übereilen , ließ ich mehrere Stunden vergehen . Alles ist still und tot wie sonst , ich klopfe leise an die Wand , und erschrecke selbst vor diesem signalartigen Geräusche - alles bleibt still ; ich fasse mir ein Herz , und da die Wache auf dem Korridor gerade abwärts schreitet , klopfe ich stärker - alles bleibt still , leise , ganz leise , wie aus weiter Ferne hör ' ich Erwiderung des Klopfens . Vorsichtig , langsam gesteigert setzen wir die Versuche fort , bis wir den Winkel , in welchem mein Bett steht , als den leichtest schallenden aufgefunden . Ich wage es sogar , die heiser gewordene Stimme da hineinzuschicken , aber die Wache verhindert große Höhe und Stärke , wir müssen oft lange still sein , aber in den Bemühungen hab ' ich allen Jammer vergessen , mein Kerker hat einen belebten Winkel , alles andere existiert im Augenblicke nicht mehr für mich , es ist gegen Abend , ich habe den Tag gewonnen , und ich weiß bereits den Namen meines Nachbars , und daß er schon drei Monate sitzt ; mehr freilich war noch nicht zu verstehen , und ich weiß nicht , wieviel ihm von meiner Mitteilung deutlich geworden ist , aber ich bin selig , und wenn wir nicht mehr haben können als das Klopfen , es verbürgt doch eine Menschennähe , die Todeseinsamkeit ist vorüber . Es hat lange an Papierlappen gefehlt , dafür hat sich mit meinem Nachbar eine Unterhaltung eingerichtet