der Satan und die » Hen « . Einige niedrige Wesen bemühten sich , die Leiche der » Shen « auf die Seite zu schleppen . Zwischen den Trümmern des Tores stürzten sie hervor , die Unglücklichen , die weder sahen noch hörten , sondern nur den einen Gedanken hatten , sich in Sicherheit zu bringen . Sie quollen in eng zusammengedrängter Masse heraus , mit verzerrten Gesichtern , heulend und schreiend , sich stoßend , drängend und treibend . In ihrer blinden Angst bemerkten sie die drei am dunklen Felsen Stehenden nicht , denen sie den Verlust des Paradieses verdankten . Nur vorwärts , vorwärts strebten sie , obgleich infolge dieser fürchterlichen Panik Viele in den Abgrund stürzten , der auf der andern Seite gähnte . Da gab es Europäer , Amerikaner und Asiaten , weiße , schwarze , rote und gelbe Menschen , Kaukasier , Mongolen , Indianer , Neger und alle Arten von Mischlingen . Sie alle waren im Paradiese gewesen , und sie alle wurden nun aus demselben vertrieben , weil sie nicht der himmlischen » Shen « , sondern dem von der » Hen « verführten Menschengeiste gehorcht hatten . Ihre Scharen füllten die Wege und breiteten sich nach allen Seiten über das öde , wüste Land , weiter , nur immer weiter , bis sie ganz draußen , da , wo die Hinterwand abschloß , in der dort beinahe undurchsichtbar gewordenen Luft verschwanden . Denn die Atmosphäre war diejenige eines Unwetters , eines Erdbebens , einer ganz unbeschreiblichen Katastrophe . Da , wo ganz vorn , hinter den Bäumen und Sträuchern der Pflanzengruppe , das Paradies zu vermuten gewesen war , schien Alles in hellen , verzehrenden Flammen zu stehen . Die glühende Hitze schleuderte die zersprengten , schieferigen Reste des Gesteines hoch in den Lüften herum . Schwefelgelb , von orangenen Blitzen durchschossen , schlug die Lohe heraus und warf über die Gruppe am Felsen und die verzerrten Gesichter der Fliehenden ein , ich möchte sagen , alle Hoffnung verzehrendes Licht . Dieses Gelb verwandelte sich in immer tiefer werdendes , diabolisches Rot , welches sich schließlich zu einem häßlich schmutzigen Violett verdichtete , in dem weder Mensch noch sonst etwas mehr zu unterscheiden war . Bis hierher durfte ich mich in der Beschreibung dieses Bildes wagen , weiter aber nicht ; die Gründe habe ich bereits angegeben . Auch über die Wirkung will ich nur das Eine sagen , daß es mir unmöglich ist , sie in Worte zu fassen . Ich hatte unter dem gewaltigen Eindruck dieses Meisterwerkes ein innerlich bohrendes , verzehrendes Gefühl , eine Empfindung , als ob ich selbst auch als einer dieser Unglücklichen dazu verdammt worden sei , die Erde nun für die Hölle und die Menschen für Teufel zu halten . Ich war so ergriffen und innerlich so tief gepackt , daß ich erst nach und nach die Akkorde beobachtete , welche , als ob sie hierzu gehörten und von den Bildern unzertrennlich seien , durch den Saal erklangen . Oder hatten grad sie mit dazu beigetragen , das , was ich sah , zu erfassen und zu vertiefen ? Da wurde dieser eine Vorhang wieder vorgezogen , und der andere bewegte sich von seiner Stelle . Gleich der erste Blick zeigte mir , daß ich mich in ganz genau derselben Gegend befand , in späterer , später , vielleicht gar zukünftiger Zeit . Ein herrliches , reines , orientalisch heiliges Sonnenlicht fiel auf das Land des alten Erdenfluches . Kann man an Luft und Licht erkennen , daß heut nicht Werktag , sondern Sonntag sei ? Gewiß , wenn der Maler wirklich ein Künstler ist ! Es war hier Feiertag , am Tag des Herrn , in Gottes Morgenfrühe ! Und durch das Land der Hölle kamen sie gezogen , die jetzt nun wirklich Menschen waren , in allen Rassen , allen Farben und jeder Tracht , die es auf Erden gibt . Erst einzeln , langsam , zagend , mit bangen Fragen im Gesicht . Dann zu zweien , dreien , ferner mehr und immer mehr , einander rufend , winkend , zujubelnd . Hierauf weiter mehr und mehr , in Gruppen , in Haufen , endlich gar in Scharen . Der Horizont ist dunkel von Unzähligen , die zu entfernt sind , als daß sie sehen könnten , was am Tor des Paradieses geschieht . Aber sie hören , und sie glauben , und der Glaube ist der Weg zur Seligkeit . Und Allen voran , an der Spitze der noch Zagenden , geht er , der Menschengeist . Wie bescheiden - - wie demütig - - wie gering und arm ! Ein Bettler - - doch wohl wissend , daß seine Bitte nicht vergeblich sein , daß sein Gebet Erhörung finden werde . Er schaut zwar still und unterwürfig drein , jedoch auch hoffnungsvoll , fast scheint es , zuversichtlich ! Denn gar nicht weit von ihm steht Gottes Pforte offen , das Tor des Paradieses , das neu erstanden ist , und hinter seinen aufgeschlagenen Flügeln erscheinen die Gestalten heiliger Wächter , die er , der Vater , dem einst verlorenen , nun aber zurückkehrenden Sohne entgegensandte , ihm seine Tür zu öffnen . Und grad vor dieser Tür , und grad in diesem Augenblick geschah , was jene alte Sage schon seit Jahrtausenden der Welt versprochen hatte : Da stand der Satan , und da stand die » Hen « . Sie hielten sich gefaßt und deckten mit ihren Gestalten den schwarzen Felsen und das Grab , in welches damals » Shen « , die Himmlische , verborgen worden war . Was stand da wohl auf ihren Gesichtern geschrieben ? Haß und doch Anbetung , das ganze Entsetzen der letzten , höchsten Angst und dennoch aber die Freude , daß endlich , endlich nun Alles vorüber sei , daß Hölle und Teufel auf ewig verschwinden müsse und die Menschheit nun nicht mehr belogen und betrogen werden könne ! Denn es