? Gehenkt soll ich werden ? Wirklich ? « » Ja , und zwar sofort , damit ich Dschafar Mirza rette ! « » So flüchte ich mich in den Schutz des Scheik ul Islam , der mich verteidigen muß , wenn er nicht selbst zugrunde gehen will . Ich würde Alles verraten ! « Er rannte hin zu ihm . Dieser aber streckte beide Hände abwehrend gegen ihn aus und rief : » Bleibe mir fern , du Unvorsichtiger ! Warum hast du dich entlarven lassen ! Wer nicht einmal das Alphabet der Sillan geheim zu halten weiß , der ist auch imstande , die Absichten des heiligen Islam an das Laientum zu verraten ! Du bist ein abtrünniger Christ , also überhaupt Verräter gewesen , seit ich dich kenne . Nun drohst du auch mir mit Verrat . Hebe dich weg ! Ich sehe mit Freuden dich hängen ! « Da brüllte der Henker laut auf . Er trat , anstatt sich zu entfernen , ganz nahe an ihn heran , ballte die Fäuste und sprach , infolge seines nicht zu überwältigenden Grimmes in die unbeschränkteste Offenheit verfallend : » Ja , du hast recht ; ich bin ein Verräter , ein Verräter überhaupt ! Ich habe nicht nur die Menschen verraten , sondern auch Gott und mich selbst . Ich verriet meinen christlichen Glauben . Ich täuschte sodann den Beherrscher . Ich betrog den Fürsten der Schatten . Ich täuschte auch dich , genau so , wie du selbst täuschest . Aber einmal lüge ich nicht , nämlich jetzt , wenn ich öffentlich beichte ! Soll ich gehangen werden , so hänge man gleich Zwei ! Die Dritte und den Vierten wird man wohl laufen lassen . Dir aber knüpfe ich die wohlverdiente Schlinge ! « Er wendete sich von ihm ab , zu uns , richtete sich hoch auf und wollte sprechen . Da griff der Scheik ul Islam nach den vor ihm liegenden Kleidungsstücken , bei denen auch das Messer des Henkers lag , faßte es , zuckte es gegen ihn und drohte : » Schweig , Wahnsinniger , sonst stirbst du an deiner eigenen Klinge ! « » Ob Strick oder Klinge , das ist nun Alles gleich ; aber ich spreche ! « entgegnete der Multasim , schnell zugreifend , um sich zu wehren . » Dann fahre hin , und rede in der Hölle , aber nicht hier ! « Im nächsten Augenblicke hatten sie sich gefaßt . Die Khanum Gul schrie vor Entsetzen auf , gab Raum und eilte fort . Niemand schaute ihr nach , denn aller Augen waren auf die beiden Kämpfenden gerichtet , welche einander niederzerrten und dann unter den Sitzen weiterrangen , still , lautlos , wie zwei ineinander verbissene , wilde Tiere . Da plötzlich gab es einen Blitz und hoch über uns einen lauten Krach . Der Donner rollte . Unsere ganze Aufmerksamkeit war so ausschließlich hier unten festgehalten worden , daß wir die schweren Wetterwolken gar nicht beachtet hatten , welche hinter dem Ruinenberge aufgestiegen waren und nun über dem Alabasterzelte drohend kulminierten . Wir kannten diese Art von Wetter , welche sich in jenen Bergen ganz unerwartet zusammenziehen und alle Gewalt der Elemente entfesselt zu haben scheinen101 . Darum wußten wir sogleich , daß wir auf unser lustiges Vorrennen wenn nicht ganz , so doch für jetzt zu verzichten hatten . Es fielen schon gleich einzelne schwere , erbsengroße Regentropfen . Da war der Kampf auf Leben und Tod zu Ende . Der Scheik ul Islam kam unter den Sitzen hervorgekrochen und richtete sich auf , ganz ermattet , langsam , blutend . Er sah sich mit stierem Blick im Kreise um und rief mit heiserer Stimme : » Es kam so , wie ich sagte : Er ist zur Hölle gegangen . Dort mag er reden , was er will , so wird es doch nichts schaden . Die Teufel glauben nicht so schnell wie die Menschen ! Ich bin verwundet . Bringt mich nach meinem Zelte ! « Einige Taki eilten hinzu , um ihm zu helfen . Man zog den Multasim hervor . Er war tot . Das Messer steckte bis an den Griff in seiner nackten Brust . Da blitzte und krachte es abermals , und der Regen begann in einer solchen Weise sich zu ergießen , daß ich schleunigst nach dem Zelte Agha Sybils eilte , wo ich , der längst Erwartete , von meinem alten Bagdader Freunde und all den Seinen mit herzlicher Freude aufgenommen wurde . Mein Erstes war , gute Plätze für Halef , Hanneh und Kara zu reservieren , welche natürlich nicht auf sich warten ließen , und dann geschah der Freundschaft und der Vergangenheit ihr Recht , mochte es draußen gießen oder strömen und hier innen tropfen oder träufeln , wie es wollte . Auch Kepek wurde erwähnt . Man hatte ihn wegen seiner unbehilflichen Körperfülle so schnell wie möglich als Fracht nach Isphahan gesandt , wo sein Herr sich für die Zukunft mit ihm niederlassen wollte . Die » Festjungfrau « war als lebenslängliche Köchin in Aussicht genommen , und Tifl hatte dabei als Pendant zu Kepek tüchtig mitzuessen . Der Regen währte ausnahmsweise stundenlang . Als er einmal eine Pause machte , schickte Schakara für mich und Kara Pferde , für Halef und Hanneh aber eine Doppelsänfte , mit deren Hilfe wir schnell nach Hause kamen . Der Ustad folgte erst später . Wie umsichtig Schakara war , bewies sie jetzt auch wieder dadurch , daß sie unsere Pferde aus dem schweren Regen in das bereits wohlbekannte Gewölbe gerettet hatte . Der Ustad kam mit Dschafar Mirza , eben als das zurückgekehrte Gewitter mit einer zweiten , noch längeren Entladung einsetzte . Sie hatten im Hause des Chodj-y-Dschuna ein bequemes Unterkommen gefunden und von dort aus Alles beobachtet und nach Kräften dirigiert . Sie nahmen den von dem Unwetter angerichteten Wirrwarr nicht von der tragischen , sondern von der komischen Seite