kurios lächelndes Gesicht gegen mich , weil er den Volksglauben kannte , der an dem kleinen Gnadenörtchen haftete . Er selbst mochte den weichlichen Liebessegen nur mitgenommen haben , wie ein derberer Trinker etwa aus Versehen ein Gläschen süßen Likörs schnappt , das gerade dasteht . Der Landsitz , bei dem wir anlangten , war schon ziemlich belebt ; in einem geräumigen Gartenland gelegen , zeigte seine gemischte Bauart , daß er früher den Zwecken einer Gastwirtschaft gedient und erst seit neuerer Zeit und jetzt noch in der Umwandlung zum Sommerhaus einer Familie begriffen war , wo ein Pächter oder Wirtschaftsführer zugleich für allerhand haushälterischen Nutzen sorgte . So kam jetzt vorzüglich der gute Rahm bei dem erquicklichen Kaffeetrinken zustatten , welches Frau Rosalie für den Empfang der Gäste veranstaltet hatte . Die Sonne schien so warm , daß mehrere den Trank im Freien , vor den Türen der neueingerichteten Gartenzimmer , genossen , während andere inwendig um die Kaminfeuer oder gar in einer alten Wirtsstube beim geheizten Ofen saßen . Ich war nicht viel kecker als meine Schutzbefohlene und drang sachte mit ihr vor ; doch wurden wir bald von der schönen Wirtin entdeckt , die jetzt in stattlichem Seidenkleide sich munter bewegte und Agnesen unverweilt ins Innere des Hauses führte . » Die Göttertracht « , sagte sie , » will sich doch nicht recht für unser Klima schicken , besonders für uns Frauen ! Gehen wir hinein , wo es ein Feuer gibt ! Auch der König von Babylon oder Ninive , Herr Lys , ist drinnen ; denn er würde hier erfrieren . « Lys hatte es in der Tat mit seinen bloßen Armen und im Batisthabit nicht im Freien ausgehalten und saß nicht eben in bester Laune an einem großen Ofen ; auch der Kaffee , für uns andere gut genug , vermochte nicht die Sorgen zu zerstreuen , die auf seiner Stirne lagerten . Die Alltagstracht , in welcher er unerwartet nicht nur Frau Venus , sondern auch Erikson angetroffen , hatte diese Sorgen heraufbeschworen , und mehr noch die rüstige Tätigkeit des guten Freundes , den man bald ein Faß des besten Bieres über den Hof rollen , bald einige Brote zerschneiden oder sonst etwas hantieren sah , als stände er da Tagelohn . Der Anblick Agnesens war dem düstern Assyrer unter solchen Umständen nicht unwillkommen . Er bot ihr sofort freundlich den Arm als einer schicklichen Ergänzung für die Zeit der Einsamkeit oder Abwesenheit Rosaliens , welche sich vor dem Hause aufhielt , um nicht nur die vom Walde herüberkommenden Festgenossen , sondern auch verschiedene ihr verwandte und befreundete Personen zu empfangen ; denn auch solche hatte sie in der Schnelligkeit herbeirufen lassen . Gerade die ungewohnte Heftigkeit der Leidenschaft , die Lys befallen , hieß ihn auch , wie einen Kriegshelden im Felde , eine verdoppelte Wachsamkeit üben ; er konnte jetzt eine gefährliche Erkältung oder gar tödliche Krankheit nicht brauchen und mußte die Torheit seiner Kleidung durch vorsichtige Zurückhaltung gutmachen ; und da diente ihm nun die silberne Diana , deren Gewänder er ja gekauft hatte , trefflich zur Verhüllung seiner Lage . So war sie jetzt an seiner Seite , in der Heimat ihrer Liebe , und schien zu ihrem Rechte zu kommen . Aber sie zeigte keinen Triumph , keine Überhebung , sondern atmete nur etwas ruhiger auf , die innere Glut bis auf weiteres verschließend ; denn sie hatte in kurzer Zeit zu Schlimmes erfahren , um es schon vergessen zu können . Sie ging vielmehr mit gesammeltem Ernste am Arme des schönen Großkönigs durch die Zimmer , der sich scherzend für den alten Nimrod ausgab und behauptete , er habe mit bekanntem Jägerglück die Göttin der Jagd selbst gefangen . Erst als sie an einem großen Spiegel vorübergingen , kannte sie deutlicher seine veränderte , glänzende Tracht und Gestalt , sah sich selber daneben und die Blicke der Anwesenden , welche das eigentlich leuchtende Paar mit Verwunderung vefolgten . Da überflog eine leichte heitere Röte das weiße Gesicht ; allein sie hielt sich tapfer zusammen und bewahrte das gleichmütige Aussehen , obschon sie vielleicht die einzige Person im Hause war , auf welche Lysens auffälliger Putz in dem verführerischen Sinne wirkte , wie seine Verirrung es wollte . Inzwischen ertönte aus den entlegeneren Räumen des Hauses eine lockende Tanzmusik , wie es von dem jungen Volke und der Karnevalszeit nicht anders zu erwarten war . In einem ehemaligen Wirtschaftssaale war noch die kleine Tribüne der Spielleute vorhanden , mit bunten Teppichen behängt und mit Topfpflanzen verziert worden . Auf diesem Gestelle saßen vier musizierende Kunstgesellen , die ihre Instrumente herbeigeschafft hatten , auf denen sie an manchen Abenden zusammen zu spielen pflegten , als unter sich verbundene , sinnig lebende Leute . Sie wurden die vier frommen Geiger genannt , weil sie teils aus Liebhaberei , teils auch um einen kleinen Nebengewinn zu erzielen , sonntags auf dem Chore einer der vielen Kirchen der Stadt mitspielten . Ihr Hauptmann war ein hübscher bräunlicher Rheinländer von etwas untersetzter Gestalt , mit heitern Augen und treuherzigem Munde , der von krausligem Barte umgeben war . Er hieß bei der Künstlerschaft der Gottesmacher , weil er nicht nur silberne Kirchengeräte von guter Form schmiedete , sondern auch Kruzifixe und Muttergottesbilder sauber in Elfenbein schnitt und zur tieferen Ausbildung in diesen Übungen vom Rheine herübergekommen war . Überall wohlgelitten , bezeigte er keineswegs eine fanatische Gesinnung und wußte eine Menge lustiger Pfaffenstücklein zu erzählen . Dergestalt logierte er in dem katholischen Wesen wie in einer alten Gewohnheit , die nicht zu ändern ist , dachte darüber niemals nach und führte übrigens stets ein Faß eigenen Weines aus der Heimat mit sich , das er schleunigst zum Füllen sandte , wenn es leer geworden . Der Gottesmacher handhabte das Cello , und zwar in der Tracht eines Winzers aus dem Bacchuszuge ; die erste Violine spielte der lange Bergkönig , der seinen Bart beiseite gelegt hatte und nun als ein junger