Reich , König Witichis , und dann kommt Weib und Kind und Kindeskind . « Groß war der Eindruck dieser Tat Hildebrands auf das Heer , größer noch auf den König . Witichis fühlte das Gewicht , das durch dieses Opfer jede Forderung des Alten gewonnen hatte . Und mit dem Gefühl , daß jetzt jeder Widerstand viel schwerer geworden , kehrte er in sein Zelt zurück . Und Hildebrand benutzte seinen Vorteil , die Stimmung . Er trat am Abend mit Teja in das Zelt des Königs . Schweigend , Hand in Hand saßen die Gatten auf dem Feldbett ; auf dem Tisch vor ihnen stand die schwarze Urne , daneben lag eine Goldkapsel nach Art der Amulette an blauem Bande : die kleine römische Bronzelampe verbreitete nur trübes Licht . Als Hildebrand dem König die Hand reichte , sah ihm dieser ins Antlitz : ein Blick sagte ihm , daß Hildebrand mit dem festen Entschluß eingetreten sei , jetzt seinen Gedanken durchzusetzen um jeden Preis . Alle Anwesenden schienen stillschweigend von dem Eindruck des bevorstehenden Seelenringens durchschauert . » Frau Rauthgundis , « hob der Alte an , » ich habe Hartes mit dem König zu reden . Es wird Euch kränken , es zu hören . « Die Frau erhob sich , aber nicht um zu gehen . Der Ausdruck tiefen Schmerzes und tiefer Liebe zu ihrem Gatten gab den regelmäßigen , festen Zügen eine edle Weihe . Sie legte , ohne die Rechte aus der Hand des Gatten zu ziehen , leise die Linke auf seine Schulter . » Sprich nur fort , Hildebrand , ich bin sein Weib und fordre die Hälfte dieser Härte . « » Frau , « mahnte der Alte nochmal . » Laß sie bleiben , « sprach der König , » fürchtest du , ihr ins Angesicht deine Gedanken zu sagen ? « - » Fürchten ? nein ! und sollt ' ich einem Gott ins Antlitz sagen , das Volk der Goten ist mir mehr als du - ich tät ' s ohne Furcht : Wisse denn ... « - » Wie ? du willst ? Schone , schone sie , « sprach Witichis , den Arm um seine Frau schlingend . Aber Rauthgundis sah ihn groß und fest an : » Ich weiß alles , mein Witichis . Wie ich gestern abend durchs Lager wandelte , unerkannt , im Schutz der Dämmerung , hörte ich die Heermänner an den Feuern auf dich schelten und diesen Alten hoch erheben . Ich lauschte und hörte alles , was dieser fordert und was du weigerst . « » Und du hast mir nichts gesagt ? « - » Hat es doch keine Gefahr . Weiß ich doch , daß du dein Weib nicht verstoßen wirst . Nicht um eine Krone und nicht um jenes zauberschöne Mädchen . Wer will uns scheiden ? Laß diesen Alten drohn : ich weiß ja doch , es hängt kein Stern am Himmel fester als ich an deinem Herzen . « Diese Sicherheit wirkte auf den Alten . Er furchte die Stirn : » Nicht mit dir hab ' ich zu rechten . Witichis , ich frage dich vor Teja : du weißt , wie es steht . Ohne Ravenna sind wir verloren - Ravenna öffnet dir nur Mataswinthens Hand . - Willst du diese Hand fassen oder nicht ? « Da sprang Witichis auf . » Ja , unsre Feinde haben recht ! Wir sind Barbaren ! Da steht vor diesem fühllosen Alten ein herrlich Weib , an Schmerzen wie an Treue unerreicht , vor ihm steht die Asche unsres gemordeten Kindes , und er will von diesem Weib , von dieser Asche weg den Gatten zu neuer Ehe rufen . Nie , niemals ! « » Vor einer Stunde waren Vertreter aller Tausendschaften des Heeres auf dem Weg in dein Zelt , « sprach der Greis . » Sie wollten erzwingen , was ich fordere . Ich hielt sie mit Mühe ab . « » Laß sie kommen ! « rief Witichis , » sie können mir nur die Krone nehmen , nicht mein Weib . « » Wer die Krone trägt , ist seines Volkes , Nicht mehr sein eigen . « » Hier , « - da ergriff Witichis den Kronhelm und legte ihn auf den Tisch vor Hildebrand , - » noch einmal geb ' ich euch und zum letztenmal die Krone zurück . Ich habe sie nicht verlangt , weiß Gott . - Sie hat mir nichts gebracht als diese Aschenurne . - Nehmt sie zurück : - laßt König sein wer will und Mataswintha frein . « Aber Hildebrand schüttelte das Haupt . » Du weißt , das führt zum sichersten Verderben . Schon jetzt sind wir in drei Parteien gespalten . Viele Tausende würden Arahad nie anerkennen . Du bist ' s allein , der noch alles zusammenhält . Fällst du weg , so lösen wir uns auf , ein Bündel losgebundener Ruten , die Belisar im Spiele bricht . Willst du das ? « » Frau Rauthgundis , kannst du kein Opfer bringen für dein Volk ? « sprach Teja nähertretend . » Auch du , hochsinniger Teja , gegen mich ? ist das deine Freundschaft ? « - » Rauthgundis , « sprach dieser ruhig , » ich ehre dich vor allen Frauen hoch , und Hohes fordre ich darum von dir . « - Hildebrand aber begann : » du bist die Königin dieses Volkes . Ich weiß von einer Gotenkönigin aus unsrer Ahnen Heidenzeit . Hunger und Seuchen lasteten auf ihrem Volk . Ihre Schwerter waren sieglos . Die Götter zürnten den Goten . Da fragte Swanhild die Eichen des Waldes und die Wellen des Meeres , und sie rauschten zur Antwort : Wenn Swanhild stirbt , leben die Goten . Lebt Swanhild , so stirbt ihr Volk . Und Swanhild wandte den Fuß nicht mehr nach Hause . Sie dankte den Göttern und