auftauchend , in der Rechten ein Testament , das ihn zum Herrn des Vermögens machte , welches die Baronin seit ihrer Verheirathung als das ihrige angesehen hatte ! Wo ein Ausweg aus diesem Labyrinth ? Und was würde Helene zu dem Allen sagen ? wie würde ihr Stolz sich winden , wenn sie erfuhr , daß der Diamantenschmuck des fürstlichen Ranges nichts war , als schnödes schlechtes Glas , mit dem zu schmücken , eine Courtisane sich wohl bedacht hätte ? Ein Wagen rollte schnell in den Hof des Palais . Helene kam zurück . Der Baronin schlug das Herz , als ob jetzt erst die Entscheidung eintrete . Ein paar bange Augenblicke , und die schöne Tochter eilte , bleich und verstört , in das Zimmer und warf sich der Mutter mit einer Leidenschaftlichkeit in die Arme , die gegen ihre sonstige gemessene , fast kalte Haltung eigenthümlich abstach . Gott sei Dank , daß Du kommst ! sagte Anna-Maria ; ich muß fort ; ich wollte Dich fragen , ob Du mich begleiten willst ? Kannst Du das fragen ? rief Helene ; ich hier bleiben und ohne Dich ? hier , wo mich die Mauern erdrücken ! - So bist Du nicht gern hier , Helene ? Nein , nein ! ich liebe den Fürsten nicht ; ich habe ihn nie geliebt ! Und Helene verbarg ihr Gesicht an dem Busen der Mutter . Die Baronin war auf ' s höchste überrascht . Was Helene da sagte und noch mehr , der Ton , in welchem sie es sagte , dazu ihr seltsam von Leidenschaft durchglühtes Wesen gaben ihr einen nie geahnten Einblick in das Herz des jungen Mädchens . Sie hatte ein dunkles Gefühl davon , daß ihr große weite Regionen des Lebens bisher gänzlich verborgen geblieben waren , und daß sie , trotz all ' der Klugheit , auf die sie sich so viel zu Gute that , bisher im Dunkeln getappt hatte . Warum hast Du ihm denn Dein Wort gegeben ? fragte sie . Ich weiß es nicht ; ich war - ich wußte nicht , was ich that . Aber jetzt weiß ich es ; ich kann den Fürsten nicht heirathen ; ich muß mein Wort zurück haben ; wenn Du darauf bestehst , daß ich es halte , so muß ich sterben . Und wenn ich nun nicht darauf bestehe ? Helene sah die Baronin mit starren , verwunderten Augen an . Höre mich an , mein Kind . Ich habe heute Morgen Entdeckungen gemacht , die mich , milde gesprochen , äußerst beunruhigt und mir die Ueberzeugung eingeflößt haben , daß wir in der ganzen Angelegenheit mit einem Mangel an Vorsicht zu Werke gegangen sind , der sich möglicherweise sehr schwer hätte rächen können . Ich verstehe Dich nicht , Mutter , sagte Helene . Ach , es ist auch kaum zu begreifen , klagte Anna-Maria , ich weiß gar nicht mehr , wo mir der Kopf steht . Ich bin eine unglückliche Frau ! Und die Baronin warf sich wie gebrochen in einen Stuhl und fing an , bitterlich zu weinen . Helene hatte die Mutter noch nie weinen sehen . Der ungewohnte Anblick rührte sie tief . Sie kniete neben ihr nieder und suchte sie mit schmeichelnden , freundlichen Worten zu trösten . Aber es war vergeblich . Es ist nicht nur dies , obschon es schon schlimm genug ist , schluchzte Anna-Maria , auch wir sind mit einer ähnlichen Schmach bedroht ! - Und in dem Drang des Momentes , getrieben von dem Verlangen , sich , koste es was es wolle , an einen Andern anzuschließen , erzählte sie in fliegenden Worten von den Ansprüchen , die Oswald möglicherweise auf ihr Vermögen habe , und daß , wenn die Ansprüche gerichtlich anerkannt würden , sie , die Mutter und die Tochter , Bettlerinnen seien . Helene hatte dieser Erzählung in athemloser Spannung zugehört . Ihre Farbe wechselte in jedem Augenblick ; ihre Augen waren fest auf die Mutter gerichtet ; ihre Hände hielten die Hände der Mutter krampfhaft umfaßt . Bettlerinnen , sagst Du ? besser das , und ein reines Gewissen haben , als in der Fülle dieses Glanzes vor Angst vergehen ! Komm , Mutter , ich fürchte mich nicht vor der Armuth ! Du hast mir oft gesagt , daß Du arm gewesen bist , ehe Du den Vater heirathetest . Warum soll ich etwas vor Dir voraushaben ? ich sehe nicht , daß Dich der Reichthum glücklich gemacht hat , auch den Vater nicht ; er hat es mir in seinen letzten Augenblicken gestanden . Ich habe es noch eben mit meinen eigenen Augen gesehen , wie viel glücklicher als wir die Menschen sind , die nichts haben , als ihre Liebe ; auf nichts vertrauen , als auf ihre eigene Kraft . Ich habe Kraft ; ich kann und will für Dich arbeiten , wenn es nöthig sein sollte . Aber jetzt laß uns fort von hier . Du bist krank und angegriffen , Deine Hände sind eiskalt , und Deine Stirn brennt - bleib hier sitzen . Ich will Deine Sachen packen . Du brauchst Dich um nichts zu bekümmern , ich bin in fünf Minuten fertig . Nein , sagte die Baronin , laß das mich mit Hülfe unserer Marie besorgen . Du kannst ein anderes Geschäft übernehmen . Wir können nicht fort , ohne wenigstens schriftlich von der Fürstin Abschied zu nehmen , da ihr Unwohlsein und unsere Eile nichts Anderes zuläßt . Schreib ihr in wenigen Worten : freundlich und höflich , nicht mehr und nicht weniger , als das unumgänglich Nothwendige . Ich will es thun , sagte Helene , indem sie sich an das Bureau setzte , während die Mutter sich in die Schlafgemächer begab . Helene hatte kaum die Feder in der Hand , als ein Geräusch hinter ihr sie von dem Papier aufblicken machte . Mitten im Zimmer stand Oswald , bleich wie