Martyrer sich verbluteten und wo St. Ignatius von Antiochien unter den Zähnen der Löwen rief : Meine Liebe ist gekreuzigt ! laßt mich ein Nachfolger der Leiden meines Gottes sein ! Um das Koliseum schwebt in meiner Phantasie eine Glorie von Purpurfarbe . « » O diese Martyrer , « rief Uriel , » haben in Wahrheit die streitende Kirche zur triumphierenden gemacht ! « » Darum stirbt auch dies heilige Geschlecht nie in ihr aus . Sie soll triumphieren - trotz Ketten und Banden , trotz Schmach und Verfolgung , über den Satan und seinen Anhang ! Und das tut sie , bald auf diesem , bald auf jenem Punkt der Erde . Sieh ' die Christenverfolgungen in China , in Japan - überall wiederholt sich die alte Tatsache : Christus der Gekreuzigte lebt in den kämpfenden Gliedern seiner Kirche . Sie werden mit ihm gemartert , gehöhnt und getötet ; sie werden begraben und Steine vor die Gruft gewälzt und Wächter bestellt ; und wenn das alles sicher besorgt ist , dann kommt der Ostertag , und mit den Hingewürgten ist die Kirche , die man erwürgt und begraben wähnte , auferstanden . Das sind ihre unvergänglichen Geschicke . So hat sie es auf Kalvaria gelernt . Dazu lebt und webt in ihr der heilige Geist . Deshalb umfängt und trägt sie durch die Weltzeiten den eucharistischen Christus . Solche Gottesanstalten überdauern den Anprall Luzifers und seiner Legionen . « » Ja wohl , Legionen ! « rief Uriel . » Von allen Ecken und Enden der Welt strömen eben jetzt die hochgehenden Fluten des Unglaubens und des Irrglaubens mit voller Wut gegen den Felsen Petri und die revolutionären Stürme , die aus allen Gegenden der Windrose , von Thron und Katheder , aus Schenkstube und Presse , aus Kammerverhandlungen und geheimen Gesellschaften zusammen brausen , toben gegen nichts und niemand so rasend , als gegen das Schifflein des galiläischen Fischers . Ich habe in England und Deutschland Leute gekannt , von denen es heißen konnte , wie in Schillers Wallensteins Lager : Es sind Tiefenbacher , Gevatter Schneider und Handschuhmacher - so behaglich schmausten sie ihr Beefsteak mit obligatem Porter ; so friedlich kannegießerten sie bei der Tabakspfeife und dem Schoppen ; Damen hab ' ich gekannt , gebildete , kunstsinnige , schöngeistige , romanesk poetische : nun ! diese ganze Gesellschaft - so philisterhaft der eine Teil und so hypergebildet der andere - verfiel in eine Art von Berserkerwut , wenn die Rede auf den Papst und die katholische Kirche kam . Rom , als Mittelpunkt der antiken Welt und der modernen Kunst , ließen sie gelten . Über Rom , als Hauptstadt der Christenheit , waren sie rabbiat . In den Kreisen der Freiheitsmänner , der Licht- und Volksfreunde versteht sich so etwas von selbst , weil Rom das unüberwindliche Bollwerk der Wahrheit - also der wahren Freiheit , des wahren Lichtes , des wahren Rechtes ist : aber bei meinen Tiefenbachern und bei meinen Geistreichen hab ' ich mich immer verwundern müssen , daß sie nicht einsahen , wie Beefsteak und Bildung nicht zu retten sind , wenn es möglich wäre , daß das Schifflein Petri unterginge . Ein gesellschaftliches Chaos würde beginnen . Es gehört mit zu den greulichen Lügen der Zeit , die geschichtlichen Ereignisse und Charaktere zu Parteizwecken zu verfälschen und schon dem Kinde in der Schule Zerrbilder statt Vorbilder in die junge Seele zu prägen . « » Und damit zieht sie , wie das von der Lüge auch nicht anders zu erwarten ist , einen so traurigen und furchtbaren Haß groß , daß , wenn jetzt heftige Katastrophen ausbrächen , der giftigste Gram sich gegen die Vertreter und Diener der Kirche entladen würde . Lies die vertilgungswütigen Verfolgungen , welche der treue und standhafte französische Klerus in der Revolution des vorigen Jahrhunderts zu erdulden hatte . So würde es jetzt überall sein , wo Revolutionsmänner an die Spitze kämen . Der Priesterhaß wächst , je mehr Luzifers Scharen wachsen . « » Das wäre ein Grund , um Priester zu werden ! Was Satan haßt , muß Gott lieben ! « rief Uriel . » Und doch sind die Bestrebungen des Hasses dem Priester vielleicht nicht so quälend , als die der sogenannten Humanität , « sagte Levin . » Ich habe in meinem langen Leben schon manche Phase der Geschicke der Kirche durchgemacht . Zu Ende des vorigen Jahrhunderts ging man mit der Guillotine und Deportation auf sie los ; das hat ihr nichts geschadet ; im offenen und entschiedenen Martertum liegt eine Art von übernatürlicher Lockspeise , die ihr gut bekommt . Aber nach den napoleonischen Kriegen brach in Deutschland eine entsetzliche Zeit , eine nüchtern-schwärmerische Epoche aus , die mit Deutschtümelei und allerhand Bruderliebe seltsam herausgeputzt war . Da sollte die Kirche deutsch sein und human und jedermanns Freund ; den Quell ihres Lebens sollte sie verstopfen und von Rom sich lossagen ; und dafür die Vorteile genießen , die der Zeitgeist ihr aufzuzwängen suchte : Lockerung heiliger und heilsamer Disziplin , Verblasenheit ihres Dogma ' s , Fraternität mit allerhand unkirchlichen und widerkirchlichen religiösen und philosophischen Systemen . Statt der katholischen Kirche sollte eine Allerweltskirche organisiert werden , ohne Offenbarung Gottes , ohne festbestehendes Dogma , ohne positiven Glauben , folglich ohne wahres Christentum und zwei Mittel schienen vorzugsweise geeignet , dies zu bewerkstelligen : die Aufhebung des Cölibates und die Sanktionierung der gemischten Ehen . Das verehelichte Individuum , welches den katholischen Priester ersetzen sollte , lehrt , was der Staat oder ein beliebiges Oberhaupt seiner Sekte von ihm begehrt : das beweist die Erfahrung aller Zeiten ; und in einer Mischehe ist von einem frischen und kräftigen Familienleben im positiven Glauben keine Rede ; das sieht man alle Tage . Diese Mauerbrecher sollten die Kirche zersprengen . Aber unbewegt hielt sie den Stoß aus - die heilige Kirche ! die gemischten Ehen wurden nicht sanktioniert - nur traurig geduldet ; und der priesterliche