und den beschnürten grünen Rock abgelegt und ging in schlichten Kleidern und mit einem Hute , der nur durch etwas breitere Krempen und durch die sorglose Art , mit welcher er behandelt und getragen wurde , den Künstler bezeichnete . Aber desto tiefer hatte sich der inwendige grüne Heinrich das Barettchen in die Augen gezogen und in das närrische Röckchen eingeknöpft , und wenn unser Held in der großen Stadt rasch die Freiheit und Sicherheit der äußerlichen Bewegung unter den vielen jungen Leuten angenommen hatte , so verkündete dagegen sein selbstvergessenes und wie im Traume blitzendes Auge , daß er nicht mehr der durch Einsamkeit früh reife und unbefangene Beobachter seiner selbst und der Welt war , wie er sich in seiner Jugendgeschichte gezeigt , sondern daß er von der Gewalt einer großen Nationalkultur , wie diese an solchem Punkte und zu dieser Zeit gerade bestand , gut oder schlecht , in ihre Kreise gezogen worden . Er schwamm tapfer mit in dieser Strömung und hielt vieles , was oft nur Liebhaberei und Ziererei ist , für dauernd und wohnlich , dem man sich eifrig hingeben müsse . Denn wenn man von einer ganzen Menge , die eine eigene technische Sprache dafür hat , irgendeine Sache ernsthaft und fertig betreiben sieht , so hält man sich leicht für geborgen , wenn man dieselbe nur mitspielen kann und darf . Da ihn aber dennoch irgendein Gefühl ahnen ließ , daß auch diese Zeit mit ihren Anregungen vorübergehen werde , so gab er sich nur mit einem bittersüßen Widerstreben hin , von dem er nicht wußte , woher es kam . Heinrich war ausgezogen , die große Germania selbst zu küssen , und hatte sich statt dessen in einem der schimmernden Haarnetze gefangen , mit welchen sie ihre seltsamen Söhne zu schmücken pflegen . Sein täglicher Umgang bestand in zwei Genossen , welche , gleich ihm vom äußersten Saume deutschen Volkstumes herbeigekommen , in verschiedener und doch ähnlicher Lage sich befanden . Der Zufall welcher das Kleeblatt zusammengeführt , schien bald ein notwendiges Gesetz zu sein , so sehr gewöhnten sie sich aneinander . Der erste und hervorragendste an körperlicher Größe und Wohlgestalt war Erikson , ein Kind der nördlichen Gewässer , ein wahrer Riese , welcher selbst nicht wußte , ob er eigentlich ein Däne oder ein Deutscher sei , indessen gern deutsch gesinnt war , wenn er um diesen Preis den großen Stock der Deutschen , gewissermaßen das Reich der Mitte , wie er es nannte , als charakterlos und aus der Art geschlagen tadeln durfte . Er war ein vollkommener Jäger , ging stets in rauher Jägertracht und hielt sich häufig auf dem Lande , im Gebirge auf , um Birkhühner zu schießen , sich in der Gemsjagd zu versuchen oder sich selbst den Männern des Gebirges anzuschließen , wenn sie nach einem seltenen Bären auszogen . Alle Vierteljahr malte er regelmäßig ein Bildchen vom allerkleinsten Maßstabe , nicht größer als sein Handteller , das in einem oder anderthalb Tagen fertig war . Diese Bildchen verkaufte er jedesmal ziemlich teuer , und aus dem Erlöse lebte er und rührte dann keinen Pinsel wieder an , bis die Barschaft zu Ende ging . Seine kleinen Werke enthielten weiter nichts als ein Sandbord , einige Zaunpfähle mit Kürbissen oder ein paar magere Birken mit einem blassen schwindsüchtigen Wölkchen in der Luft . Warum sie den Liebhabern gefielen und wie er selbst dazu gekommen , sie zu malen , wußte er nicht zu sagen und niemand . Erikson war nicht etwa ein schlechter Maler , dazu war er zu geistreich ; er war gar kein Maler . Das wußte er selbst am besten , und aus humoristischer Verzweiflung verhüllte er die Nüchternheit und Dürre seiner Erfindungen und seine gänzliche Unproduktivität mit so verzwickten zierlichen Pinselstrichen , geistreichen Schwänzchen und Schnörkelchen , daß die reichen Kenner ihn für einen ausgesuchten Kabinettsmaler hielten und sich um seine seltsamen Arbeiten stritten . Seine größte , tiefsinnigste Kunst , und von wahrhaftem Verdienst , bestand in der weisen Ökomonie , mit welcher er seine Bildchen so anzuordnen wußte daß weder durch den Gegenstand noch durch die Beleuchtung Schwierigkeiten erwuchsen und die Inhaltlosigkeit und Armut als elegante Absichtlichkeit erschienen . Aber trotzdem waren jedesmal die anderthalb Tage Arbeit ein höllisches Fegefeuer für den biedern Erikson . Seine Hünengestalt , die sonst nur in ruhig kräftiger Tat sich bewegte , ängstigte sich alsdann in peinlicher Unruhe vor dem kleinen Rähmchen , das er bemalte ; er stieß mächtige Rauchwolken aus der kurzen Jägerpfeife , welche ihm an den Lippen hing , seufzte und stöhnte , stand hundertmal auf und setzte sich wieder und klagte , rief oder brummte » O heiliges Donnerwetter ! Welcher Teufel mußte mir einblasen , ein Maler zu werden ! Dieser verfluchte Ast ! Da hab ich zuviel Laub angebracht , ich kann in meinem Leben nicht eine so ansehnliche Masse Baumschlag zusammenbringen ! Welcher Hafer hat mich gestochen , daß ich ein so kompliziertes Gesträuch wagte ? O Gott , o Gott , o Gott , o Gott ! O wär ich , wo der Pfeffer wächst ! ei , ei , ei , ei ! Das ist eine saubere Geschichte - wenn ich nur diesmal noch aus der Tinte komme ! Oh ! warum bin ich nicht zu Hause geblieben und ein ehrlicher Seemann geworden ! « Dann fing er aus Verzweiflung an zu singen , denn er sang so schön und gewaltig wie ein alter Seekönig , und sang mit mächtiger Stimme : » O war ich auf der hohen See Und säße fest am Steuer ! « Er sang Lied auf Lied , Trinklieder , Wanderlieder , Jagdlieder , der Glanz und Duft der Natur kam über ihn , er pinselte in seiner Angst kühn darauf los , und seine winzige Schilderei erhielt zuletzt wirklich einen gewissen Zauber . War das Bildchen fertig , so versah es Erikson mit einem prachtvollen goldenen Rahmen , sendete es weg , und sobald