klugen Leute befragt hätte ! « Und seine Schrift ! War ihm nicht das seltsame begegnet , daß der Verleger , Herr Mittler auf der Stechbahn schon nach einigen Tagen , als er sich einige Exemplare zurückholen wollte , ihm lächelnd erklärt , daß sie sämmtlich vergriffen wären ? - Verkauft ? Alle bis auf das letzte , und - Niemand in der ganzen Stadt sprach davon ! Weil es wenige politische Schriften jener Zeit gab , erregten sonst auch die unbedeutenderen Aufsehen , und von seiner wusste Niemand , Niemand fragte ihn danach , keine Zeitung hatte sie erwähnt ! - Sein Auge streifte nach den Krähen hinaus . Dachte er an die Märchen von Raben , welche gestohlene Pretiosen in ihre Nester tragen ? Da blinkte es allerdings golden in dem Krähenneste zu seinen Häupten , aber es war ein Nachmittagstrahl , der das rauhe Geflecht anröthete . Die Wolken waren gebrochen , und die Sonne goß mit gesparter Kraft ihren Goldschein auf einen Theil der Gegend . Sanssouei mit seinen Metallkuppeln fing den vollsten Strahl auf . Die Schnörkelspitzen der Dächer glühten , es musste warm werden auf der Terrasse , warm wie ein später Herbsttag es zulässt , und Waltern fröstelte auf der windigen Höhe . Die Thore waren geöffnet und unbewacht . Die Wege waren mit welkem Laub überstreut . Das Knistern seiner Schritte rief kein lebendes Wesen herbei ; wen seine Beine trugen , war nach der Stadt gewandert . Ja , es war laue Luft auf der Terrasse und Walter müde . Er setzte sich auf einen der Steine , unter denen Friedrichs Hunde ruhen . Es stand ein verwitterter Name darauf . Ob unter Allen , die jetzt lebten , einer das Thier gekannt , das ihn trug ! Und doch hat sein Name Antwartschaft auf Unsterblichkeit ! Die Orangerie war längst in die Glashäuser geschafft , es sah leer , wüst und zerstört aus . Nur einige von den Riesenkürbis , die man nicht der Mühe werth hielt fortzutragen , faulten am Boden . Die hohen , bis zur Erde reichenden Glasfenster des Palastes waren golden von der Sonne angeglüht . Der Reflex des Lichtes blendete ihn , und doch sah er immer wieder hin : » als wären es seine großen Augen ! « Wenn diese Augen herab sähen , wenn sein Geist jetzt in den öden Sälen wandelte ! Wenn das zur Strafe an der Schwelle der Ewigkeit dem Größten seines Jahrhunderts diktirt wäre , zurückzukehren als Schemen und zu sehen , hören , einzuschlürfen den Schmerz , wie Staub und Wetter , Moos und Rost seine Schöpfung umzogen ! Noch nicht zwanzig Jahre vergangen , und wo war seine Herrlichkeit ! Klopfte es nicht an die Fenster , war es nicht sein Finger , der voll Unmuth dagegen hämmerte ? - Auch die körperlosen Wesen haben nicht die Macht , sie sind nur der Schwamm , der die Feuchtigkeit der Luft einsaugt , die Aeolsharfe , die vom Wind bewegt wird , die Seele , die den Weltschmerz empfangen muß ; aber keine Thräne , kein Wehruf , nicht das Blinken der Augenwimpern ist ihnen vergönnt , ihren eigenen Schmerz den Lebendigen kund zu geben ! Walter war ein Romantiker gewesen , an Geister glauben , war damals sein errungenes Recht . Aber an Friedrichs Geist glaubten die Romantiker nicht . Das Licht des achtzehnten Jahrhunderts war ein anderes , ein künstliches , selbst verfertigtes von einem nüchternen Geschlechte , blasse Strahlen werfend wie Mond und Nordlicht , keine Wärme verbreitend . So hatten sie gelehrt , so hatte er geglaubt . An einem andern Lichte müsse der Geist entzündet werden , an einem andern Feuer das Blut erwarmen . Nicht durch die Vernunft , numine afflatur der Geist . So steigt er in die Höhen der Seligkeit , wo das Auge trinkt aus einem Silbermeer der Wahrheit und Gnade , bis es trunken wird von Klarheit und Wonne . So hatten sie gelehrt und er hatte geglaubt . Dazwischen lagen freilich Jahre , und andere Gedanken hatten wie der Widerschein eines Weltbrandes in seiner Seele gezuckt . Was er noch lehrte , glaubte er nicht mehr , und was er glaubte lehrte er nicht mehr . - Ist denn nicht alles Licht aus einem Quell , der Funke , den der Titane stahl aus dem verschlossenen Schatz der Ewigen , und keine Fluthen , die der Himmel herabgießt , löschen es mehr ! Dort mattes , frostiges Licht , es wärmt nicht ; hier züngelnder Flammenschein , er sengt , verwirrt dich , sein Feuerhauch verzehrt dich vielleicht . Was ist besser ? Seitdem war er aus der Schule ins Leben übergegangen . Er hatte aus der Pflanze , aus dem Stein ihr Licht gezogen ; er suchte wieder nach einem , aus dem alle Lichter kommen und das Leuchten in allen Zeiten . Aber das Licht , das aus Friedrich leuchtete , war ihm ein kalter Schein geblieben . Man sagt , wer ein Romantiker gewesen , wer einmal aus dem Zauberquell getrunken , und aus der Erde die geheimnißvolle Wurzel riß , der höre immer summen und klingen die Zauberweisen , die ewigen Klagen und das ewige Hohngelächter der Natur , die nach Erlösung ächzt ; es sei der Venusberg , der sich immer wieder aufthut Dem , der aus ihm entronnen : sagen die Verständigen . Aber ich liebe die Schatten der Wälder , wenn mir zu heiß ward zwischen den Gluthöfen und ihren dampfenden Schornsteinen , unter dem Strahl der Saaten-reifenden Mittagssonne . Dann strecke ich mich auf das schwellende Grün unter ihren Riesenästen , und lausche dem Vogelgesang , dem Rieseln der Quelle , die an ihren Wurzeln spielt . Die Vögel und die Quellen singen : Und wurden diese Bäume denn geboren , als es Nacht war , weckte nicht auch sie der lebenzeugende Strahl aus dem Schoß der Erde , strebten sie nicht zum Licht und breiteten ihre Wipfel nach