Stellung dann für mich , der ich die Sache der Commune vertheidige und mich doch auch zu sehen - hm ! hm ! - zu sehen freuen müßte , daß die Schulden des alten Fürsten dann plötzlich getilgt sind ... ! Ich will noch einmal in die Wohnung der Gebrüder Wildungen und hören , ob es wirklich ein echter oder erborgter Dankmar Wildungen war , der mit den Meinigen reiste . Im letzteren Falle ist Prinz Egon Jemand anderes gewesen ... Aber wer ? fragte Pauline . Ein junger Handwerker , sagte Schlurck ruhig , der im Schlosse Hohenberg ein gewisses Bild stehlen wollte ... Nein ! sagte Pauline lebhaft , das ist nicht möglich ... Warum nicht , gnädige Frau ? Dieser Verdächtige sitzt bis auf weitre Ordre - wir haben schon mit dem Obercommissär Pax Rücksprache genommen - er sitzt im Plessener Thurme ... Und ? Und ? Wenn der Prinz sich so compromittirte , daß er sich eine in diesem Grade schimpfliche Behandlung mußte gefallen lassen , so konnte er Ihre werthe Familie nicht begleiten , konnte nicht die Liebe Ihrer schönen Tochter - die ich nun kennen lernen muß , Justizrath - gewinnen ... konnte auf dem Heidekruge nicht das Bild ... doch genug ! Es kann kein Prinz Egon im Hohenberg ' schen Palais krank liegen , wenn der echte die Folgen eines gewagten Incognitos im Plessener Thurme büßt . Sehr scharfsinnig ! antwortete Schlurck , zog aber einen Brief aus der Brusttasche hervor und sagte : In dem Falle thut mir nur Eines leid ... Sie stocken ? Was ? Frau von Zeisel , die mir ihr besonderes Vertrauen schenkt , schreibt mir soeben und im größten Zorn auf meine Familie . Man hätte sie und ihren Gatten mishandelt , man hätte vor Fremden ihr , einer Nutzholz-Dünkerke , ein Dementi gegeben und was dergleichen Aufwallungen einer in einem kleinen Orte mit ihrem Ehrgeize eingetrockneten , aber sonst ganz charmanten Dame mehr sind . Das Wichtigste ist , daß Herr von Zeisel , wahrscheinlich von dem Zorn seiner in einer Einladung oder Nichteinladung gekränkten Gattin ermuthigt , den Gefangenen aus dem Thurme längst entlassen hat . Pauline sprang auf . Ist Das möglich ? rief sie . Bei Patrimonialrichtern , sagte Schlurck , ist Alles möglich . Empörend ! Dieser Gefangene ... Dieser Gefangene wäre ja durch nichts Erhebliches gravirt gewesen , schreibt die liebe , etwas polternde , aber wie gesagt charmante Frau . Man hätte sich in Plessen nie lange mit fremdem Gesindel aufgehalten und wie sie denn dergleichen sicherheitspolizeiliche , ganz stichhaltige Gründe mehr anführt , die jedoch wol zunächst nichts , als eine Rache dafür zu sein scheinen , daß auf dem Schlosse plötzlich andre Menschen erschienen , die sie verdrängten . Herr von Zeisel greift mit Freuden zu , wo ihm eine Gelegenheit geboten wird , mit den Provinzialgerichten außer Berührung zu bleiben . Also gnädige Frau , dieser Gefangene ist nicht mehr im Thurm . Pauline brach in die heftigsten Verwünschungen und Drohungen aus . Diese Nichtachtung gegen einen so hohen Beamten wie ihren Gemahl , sagte sie , würde dem Justizdirector theuer zu stehen kommen ! Schlurck suchte sie im Interesse der ihm sehr werthen Frau von Zeisel zu beschwichtigen . Einem feinen Beobachter konnte kaum entgehen , daß ihn auch vorzugsweise wol nur diese Angelegenheit hergeführt hatte . Offenbar bereute Herr von Zeisel die schnelle Übereilung eines Entschlusses , den er nur auf Antrieb seiner Frau faßte ... Pauline nannte nun den ganzen gegenwärtigen Staatszustand anarchisch und war plötzlich wieder so ultrareactionär , daß sie mit Spitzkugeln und Shrapnels dem Universum drohte . Auffallend ! sagte Schlurck , um die Geheimräthin nur auf andre Gedanken zu lenken , auffallend bleibt es , daß der Bilderdieb mit dem sogenannten Dankmar Wildungen im Einverständnisse war , denn jener berief sich auf diesen ... Ein Helfershelfer ! Ich wußt ' es ja schon ! Ein Chaos ! Ein Chaos ! Es soll diesen Zeisels theuer zu stehen kommen ! rief Pauline und zeigte nicht wenig Lust , auch den Justizrath empfinden zu lassen , wie sehr sie sich durch seine Vertheidigung anarchischer Zustände verletzt fühle . Sie ging im Zimmer auf und ab , ignorirte den bei ihrer Aufregung so ruhig bleibenden Besuch und hätte ihm bald verächtlich den Rücken gewandt , wenn Schlurck nicht ein Mittel zu finden wußte , sie plötzlich zu zähmen . Andrerseits bin ich überrascht , fuhr er nämlich mit lauernder Miene fort , wie der wahrscheinliche Prinz Egon soviel mit den Zecks verkehrte . Die Wirkung dieses Namens war erstaunlich . Pauline erblaßte . Krampfhaft hielt sie sich an ihrem Schreibtisch fest und richtete starr ihre Augen auf den spitzen Blick des Justizrathes , der fast gleichgültig und lächelnd , aber tiefforschend hinzufügte : Überall sah man ihn , auch bei der Ursula Marzahn im Walde ! Worin der Stachel dieser neuen Erwähnung nun auch liegen mochte , ob Schlurck auf Dinge anspielte , die er kannte oder nur erforschen wollte , Pauline war fast einer Ohnmacht nahe . Ihre Lippen erblaßten . Die Augen übergoß ein eigner verglaster Ausdruck starrer Abwesenheit . Das Weiße trat schreckhaft blendend hervor . Die Hand fuhr über das Bandeau , riß die Schleife auf und warf es zur Seite . Wie heiß ! sagte sie mit bebender Lippe . Schlurck meinte boshaft : Und in solcher Hitze trägt man im Sommer diese Verhüllungen ? Die Mode ! Die Mode ! Aber , ich halte Sie auf ! Ich habe versprochen , bei Lippi griechischen Wein zu kosten . Ich sehne mich nicht nach dem griechischen Wein , aber nach Lippi ' s kühlem Keller . Sie haben hier wirklich sehr heiß , Gnädigste . Leben Sie nun wohl , Excellenz ! Damit stand Schlurck auf , um zu gehen . Aber Pauline rief : Wo wollen Sie denn hin ? Bleiben Sie doch , Justizrath . Ich habe Sie jetzt nöthiger , als Sie glauben .