so leicht zu erdrücken dachte , wie den Wurm unter ihrem Fuße - Fennimor , dies unberechtigte , geringe Wesen , dessen Ansprüche ihr kaum der Widerlegung werth geschienen , hatte doch mit seinem unbedeutenden Leben den Boden untergraben , auf dem sie fest zu stehen glaubte ; und sterbend noch schien sie die Rache , alle Pläne umzustürzen , die auf ihren Untergang berechnet waren , vollführt zu haben . Von Leonin ' s Flucht bei der Nachricht ihres Sterbens , mußte die Marschallin den Verfall des Glanzes ihres Hauses herrechnen . Wenn sie an den Morgen des Tauftages dachte , mußte sie sich sagen , daß ihr Herz , in stolzer Befriedigung schwellend , ihr fast die Brust beklemmt habe ; und wenige Stunden nachher war Alles in einem Grade verändert , den sie in ihren Verhältnissen für unmöglich gehalten hatte . Wir haben hier noch einmal die Veranlassungen zu ihrem Gemüthszustande berührt , um uns dann um so deutlicher denken zu können , mit welchen Empfindungen sie Reginald , mit dem beleidigenden Zunamen Ste . Roche , ansehen mußte , der , wenn ihm auch sein wahrer Name damit geraubt war , dennoch eine Begünstigung schien , gegen die sie noch immer Vertilgungsmittel in ihrem Geiste aufsuchte , nie die Hoffnung aufgebend , ihn aus Berechtigungen zu verdrängen , durch welche sie ihr Haus für beschimpft hielt . So viel als möglich , leugnete sie seine Gegenwart ganz . Sie hatte eine Weise , über ihn wegzublicken , ihn nie zu hören , jede Anregung Anderer hinzunehmen , als sei sie auf diesem Punkte taub und blind , daß es bis jetzt unmöglich geblieben war , den jungen Mann ihr vorzustellen , wodurch sie jede Ermuthigung verhinderte , und ihr die Freiheit gesichert schien , ein nie anerkanntes Verhältniß zur gelegenen Stunde mit unvergebener Stärke angreifen zu können . Dessen ungeachtet ward es ihr nicht erspart , den Jüngling so oft , als ihren angebeteten Enkel sehen zu müssen . Da die jungen Leute an keiner Gesellschaft Theil nahmen , war es nur der Mittagskreis beim Grafen Crecy , in welchem sie zu gewissen Tagen erscheinen durften , und wo sie nur die nächsten Freunde und Verwandte fanden , und welche Tage die Marschallin zuletzt nicht mehr versäumte , um sich mit Uebergehung Reginald ' s an ihrem Enkel zu entzücken . So bitter nun Souvré selbst den Chevalier de Ste . Roche haßte , so war ihm doch seine Gegenwart ein unendliches Ergötzen , der stolzen Marschallin gegenüber ; und er hatte tausend kleine Kunstgriffe , um die feste Stellung seiner geehrten Freundin zu erschüttern oder das Maaß des Unwillens , woran sie zehrte , zu vermehren . Auch war Reginald selbst wie dazu geschaffen , diesen bösen Willen zu unterstützen ; denn es gab kein freieres , sorgloseres Betragen als das seinige . Er übersah jede Unfreundlichkeit ; denn er hielt sie für unmöglich . Kein Zug seines Gesichtes oder seines Karakters erinnerte an seinen Vater ; er war das vollständigste Bild seiner Mutter . Sein Anstand war so ausgezeichnet , daß er Jedem eine Art Erstaunen einflößte ; seine bezaubernde Höflichkeit , die von einem seelenvollen Ausdrucke der Güte unterstützt ward , machte auf die ältesten und vornehmsten Personen einen Eindruck , der sie unwillkürlich jede seiner Aeußerungen mit einer Art Verbindlichkeit aufnehmen ließ . Ohne daß man nachweisen konnte , wie es geschah , nahm er bald überall einen ausgezeichneten Platz ein . Es war kein Zug von Anmaßung in ihm ; aber seine Unbefangenheit ließ ihn den Platz einnehmen , der ihm eingeräumt ward . Er hatte die unschuldige Freude der Entwicklung und schien seine jungen Kräfte auf jedem Platze mit Lust und Frische zu prüfen . So ergriff er auch mit einer rührenden Wärme und Hingebung das Verhältniß zu der Gemahlin des Grafen Crecy und zu dem jungen Grafen Ludwig . Er nahm mit der sicheren Voraussetzung ihrer Liebe , ihr Vertraun , ihre Theilnahme in Anspruch , und gab dafür mit reichen Händen Alles , was er selbst besaß . Beide junge Leute waren unzertrennlich ; Ludwig betete seinen jungen Freund an , und Viktorine wußte , daß dies Gefühl bei ihm stärker sei , wie bei Reginald ; denn sie hatte längst erkannt , daß dieser sie am meisten liebe . Ebenso war Reginald im Kloster bei seinen Lehrern und Erziehern besonders ausgezeichnet ; er war ihr Stolz , ihr Triumph . Die jungen Leute aus der Fremde , besonders aus England , aus den vornehmen Familien , die mit den Stuarts sich verbannt hatten , und von denen einige den Vorzug erlangten , ihre Söhne den berühmten Mönchen von St. Sulpice anvertrauen zu dürfen , fanden alle in dem jungen Chevalier de Ste . Roche ein Vorbild , dem sie sich anschlossen . Seine Ueberlegenheit stützte sie Alle , und ihr ganzes Leben unter seiner heitern und doch so edeln und sittlich festen Leitung fand Genuß , ohne Tadel zu erwecken . Als die Marschallin von Crecy die Absicht erfuhr , beide junge Leute auf Reisen zu schicken , that sie noch ein Mal Alles , was ihr an Macht im Hause ihres Sohnes zustand , um diese unbegreifliche Unschicklichkeit zu hindern . Aber sie drang auch dies Mal nicht durch und entschloß sich endlich , diesen Gegenstand fallen zu lassen , um einen anderen , ihr wichtigeren verfolgen zu können . Sie fand nämlich bei der sorglosen und unwürdigen Art , wie beide Eltern die höchst wichtigen Verhältnisse ihrer Familie vertraten , daß sie in ihrem Enkel , so viel es noch die ihr zugetheilten Lebensjahre zuließen , retten und schützen müsse , was ihm dereinst zur vollen Aufrichtung des alten Glanzes dieses Hauses behülflich werden könne ; und dazu hielt sie eine Vermählung für das geeignetste Mittel . Die Gräfin La Fajette half aus eignem Familienstolze diese Wünsche unterstützen . Ihre Tochter , die Gräfin d ' Aubaine , die Freundin Louise de Crecy ' s