wo die Laube sei ? Der Vogel flog voran von Zweig zu Zweig , den Weg zu zeigen ; so kamen sie an eine stille Wiese , rings eingeschlossen , durch welche ein Bächlein , aus einer Felsenspalte springend , floß , wo gar artige Läublein von Hainbuchen standen . Die Bäumchen hatten ihre Zweige zur Erde geschlagen , so daß sie den Boden wie ein Dach überwölbten , durch diese Dächer aber stachen die Fächerblätter des Farrenkrauts und schufen den Laubhäuslein die Lucken und Giebel . Die Elster sprang auf eins der Laubhäuslein , schaute durch eine Lucke und flüsterte geheimnisvoll : » Hier schläft die Prinzessin . « - Mit klopfendem Herzen trat der Schüler hinzu , kniete vor der Öffnung der Laube nieder und blickte hinein - ach ! da wurde ihm ein Anblick , der ihm Sinn und Seele in noch gewaltigeren Aufruhr jagte , als da er das Zauberwort aussprach . Auf dem Moose , welches wie ein Pfühl die schöne Last umquoll , ruhte die reizendste Jungfrau und schlummerte . Ihr Haupt lag etwas erhöht , den einen Arm hatte sie unter den Nacken geschoben , die weißen Finger leuchteten aus dem Goldbraun der Locken , welche in langen weichen Fluten sich zärtlich um Hals und Busen schmiegten . Mit unsäglicher Wonne und Wehmut schaute der Schüler in das herrliche Antlitz , auf den Purpur der Lippen , auf die Blüte der Glieder , von denen ein verklärender Widerschein auf das dunkele Mooslager fiel . Daß die Schläferin , wie von einem geheimen Drucke belastet , in süßer Angst zu atmen schien , machte sie in seinen Augen nur noch verlockender , er fühlte , daß sein Herz auf immerdar gefangengenommen sei , und nur an diesem Munde sein Lechzen stillen könne . » Ist es nicht schade « , sagte die Elster , die durch die Lucke in die Laube gehüpft war , und sich der Schläferin auf den Arm setzte , » daß eine so schöne Prinzessin sich hat müssen einspinnen lassen ? « - » Wie ? Einspinnen ? « fragte der Schüler ; » sie ruht ja , in ihren weißen Schleier gehüllt . « - » O Torheit ! « rief die Elster , » ich sage , es sind Spinnweben und der König Kanker hat sie eingesponnen . « - » Wer ist der König Kanker ? « » Im menschlichen Zustande war er ein reicher Garnspinnerherr « , versetzte die Elster , indem sie wohlgefällig mit dem Schwanze wippte . » Er hatte seine Garnspinnerei nicht weit von hier , außer dem Walde , am Flüßchen , und an die hundert Arbeiter spannen unter ihm . Das Garn wuschen sie im Flüßchen . Darin wohnt aber der Nix , und der war ihnen schon lange bitterböse , weil sie mit der ekelhaften Wäsche seine klaren Fluten trübten , und weil alle seine Kinder , die Schmerlen und die Forellen , von der Beize abstanden . Er wirrte das Garn untereinander , die Wellen mußten es über den Rand des Ufers schleudern , er trieb es abwärts in die Strudel , um den Spinnerherrn zu warnen , aber alles war vergeblich . Endlich , am Johannistage , an welchem die Flußgeister Macht haben , zu schrecken und zu schaden , spritzte er der ganzen Garnwäscherzunft und ihrem Haupte , da sie eben wieder ihre Wäscherei recht frech und gewissenlos trieben , Feienwasser in das Antlitz , und , wie wilde und blutdürstige Menschen Werwölfe und Werkater werden können , so sind die Garner und ihr Haupt Werkanker geworden . Sie liefen alle vom Flüßchen zum Walde und hangen mit ihren Geweben überall an Bäumen und Sträuchen umher . Die Spinner sind gewöhnliche kleine Kanker geworden , fangen Fliegen und Mücken ; ihr Herr aber hat fast seine frühere Größe behalten und heißt der Kankerkönig . Er stellt den schönen Mädchen nach , umspinnt sie , betäubt sie mit seinem giftigen Dunste und saugt ihnen dann das Blut vom Herzen . Zuletzt hat er diese Prinzessin überwältigt , welche von ihrem Gefolge im Walde abgekommen war . Sieh dort - dort - dort regt er sich zwischen den Büschen . « Wirklich war es dem Schüler , als sehe er durch die Zweige gegenüber einen riesigen Spinnenleib schimmern , zwei haarige Füße , dick wie Menschenarme arbeiteten sich durch das Laub ; eine entsetzliche Angst um die schöne Schläferin ergriff ihn , er wollte dem Ungeheuer entgegenstürzen . » Umsonst ! « rief die Elster und schlug mit den Flügeln ; » alle verzauberte Menschen haben furchtbare Kräfte , das Ungetüm würde dich in der Umknotung ersticken , aber streue deiner Schönen Farrensamen auf die Brust , der macht sie unsichtbar vor dem Kankerkönig , und solange nur ein Stäubchen davon liegt , dauert der Segen aus . « Eiligst streifte der Schüler den braunen Staub von der unteren Fläche eines Farrenblattes ab und tat , wie ihm der Vogel gesagt hatte . Indem er sich hiebei über die Schläferin beugte , rührte ihr Othem seine Wange . Verzückt rief er : » Gibt es kein Mittel , dieses geliebte Bild zu befreien ? « - » Oh ! « schrie der Vogel und schoß wie toll in Zickzackflügen um den Schüler , » wenn Ihr mich um so ein Mittel befragt , das gibt es wohl . Unser weiser Alter in der Kluft hat den Eibenbaum in Verwahr , wenn Ihr davon einen Zweig bekommt und mit demselben die Stirne der Schönen dreimal berührt , so weicht alle Fesselung von ihr , Denn vor den Eiben Die Zauber nicht bleiben ; sie wird in Eure Arme sinken und Euch , als ihrem Retter , angehören . « In diesem Augenblicke war es , als ob die Schlafende die Reden des Vogels vernähme . Ihr schönes Gesicht wurde von einer zarten Röte überzogen , ihre Züge nahmen den Ausdruck einer unendlichen Sehnsucht an . » Führe mich zum weisen