thronte er im Lehnsessel in der Mitte seiner Lieben . Jeder suchte ihm seine Liebe und Achtung zu beweisen , Niemand reizte ihn durch Widerspruch , wie er ihn in Berlin erfahren hatte , denn der Arzt , der sogleich pflichtgemäß die Sorge für seine Gesundheit übernahm , untersagte es allen Hausgenossen , durch lebhafte Anregungen die schwachen Lebenskräfte des sich dem Grabe zuneigenden Greises zu zerstören , dessen Tage auf diese Weise im süßesten Frieden der Seele und in aller Behaglichkeit eines sorgenlosen Lebens dahin schwanden . Und kam der Abend , der ihm jedes Mal die Sehnsucht nach einer l ' Hombre-Partie brachte , so fehlten seine beständigen Mitspieler , der Prediger und der Arzt , niemals , und wurde ja einer von ihnen durch seinen Beruf ein Mal abgehalten , so nahm die Mutter des Grafen Robert willig die Karten und verkürzte dem Greise die Stunden durch seine gewohnte Unterhaltung . Der Prediger und der Arzt hatten sich durch die Vermittelung des Grafen Robert leicht mit einander versöhnt und betraten von Neuem den Pfad der ihnen zum Bedürfniß gewordenen Freundschaft . Der Prediger war geneigt , die Zwistigkeiten mit dem Freunde zu vergessen , denn er fühlte sich im Grunde in allen Verhältnissen des Lebens durch seinen klaren Verstand und richtigen Blick so sehr über den Arzt erhaben , daß er alles , was er dessen Thorheit nannte , ruhig verachtete , und der Arzt war zu glücklich , als daß er ein feindliches Gefühl im Herzen hätte bewahren können . Er betrachtete mit Entzücken die gänzliche Veränderung , die der Aufenthalt in Berlin mit dem Aeußeren seiner Braut hervor gebracht hatte . Ein schüchternes , blödes , sich oft linkisch benehmendes Kind war hingegangen , und eine junge Dame kam zurück , die sich in Kleidern nach der letzten Mode ohne Zwang bewegte , ohne Verlegenheit an allen Gesprächen Theil nahm und wenigstens eine oberflächliche Kenntniß der Literatur verrieth , und dennoch ruhten , trotz aller dieser erlangten Vorzüge , die blauen Augen noch mit derselben Theilnahme auf ihm , wie früher , und wie zerstreut er auch war , so hörte er doch , daß der Klang ihrer Stimme gefühlvoller war , wenn sie mit ihm sprach , als wenn sie ihre Worte an Andere richtete . Das , ihm neue , beseligende Gefühl des Glücks , geliebt zu werden , gab seinem ganzen Wesen eine Weichheit , die ihn mehr , als je , geneigt machte , alles zu verzeihen , wodurch er sich beleidigt glaubte . Selbst abgesehen von dieser glücklichen Stimmung , wie hätte er nicht versöhnlich sein sollen , - er trug ja einen vollkommenen Sieg über den Prediger davon , - sein künftiges Wohnhaus wurde mit einem Balkon gebaut und die ganze Einrichtung desselben viel schöner , als er es hätte ersinnen können . Er hatte schon im Frühlinge einen Theil seines Gartens mit ausländischen Sträuchern und Gewächsen bepflanzen lassen , von denen ihn Bücher , die er zu diesem Behufe angeschafft , lehrten , wie sie behandelt werden müßten , wenn sie in unserm Klima gedeihen sollten , und er nannte den Raum , auf dem diese Gewächse vereinigt waren , seinen botanischen Garten . Aber freilich gewährte dieser einen traurigen Anblick ; denn da der Arzt den Gärtner in der Behandlung der Pflanzen unterrichtete und durchaus darauf bestand , daß sie ganz nach seiner Vorschrift gewartet werden sollten , so gingen die meisten aus , welches der Gärtner ganz natürlich fand , der sich oft äußerte , wenn der Arzt die Sache nur ihm überlassen und den armen Pflanzen Ruhe gönnen wollte , so würde sie Gott eben so gut wachsen lassen , wie andere unter seiner Pflege befindliche im Treibhause des Schlosses . Dieß Mißlingen seiner Anlage hatte den Arzt oft verdrüßlich gemacht und ihn dem Spotte des Predigers ausgesetzt . Aber nun richtete er die kleinen scharfen Augen im Gefühle des Sieges auf den spottenden Freund , denn es hatte ihm nur ein Wort gekostet und der Graf Robert hatte ihm versprochen , ein Treibhaus mit dem neuen Gebäude zu verbinden , und die Pflanzen aller Himmelsstriche konnten dann durch den geschickten Gärtner des Schlosses gezogen werden . Mit dem Gefühle inniger Dankbarkeit überrechnete der Arzt oft sein Glück . Ein anständiges Auskommen ; eine junge , schöne , ihn schwärmerisch liebende Braut ; ein prächtiges , einem adlichen Wohnsitze ähnliches , schon im Entstehen begriffenes Haus , daran ein Treibhaus und ein botanischer Garten , darin eine Bibliothek und ein Naturalienkabinet ; für alle Genüsse des Leibes und Geistes also auf alle Weise gesorgt ; dabei geachtet von seiner Umgebung , glücklich in seinen Launen . Dankend hob er nach solchen Betrachtungen die Hände zum Himmel empor ; die kleinen Augen glänzten in Thränen seliger Rührung , und er versprach sich selbst , sein Glück würdig zu genießen , und bescheiden und dankbar zu bleiben . Die Frau Professorin hatte freiwillig die Führung des Haushalts im Schlosse übernommen , weil der thätigen Frau Beschäftigung Bedürfniß war . Aber sie bemerkte oft , daß die Abwesenheit Dübois nur zu sichtbar sei , denn die Ordnung , die Ruhe , der Anstand und das vornehme Wesen , welches er zu erhalten verstehe , werde nie ganz ohne ihn erreicht werden , - eine Anerkennung , die den alten Mann entzückt haben würde , wenn er sie hätte vernehmen können . So wohl und glücklich fühlten sich alle Bewohner des Schlosses Hohenthal , während die eigentlichen Besitzer manchem Kummer im Herzen Raum gaben . IV Nach der Abreise ihrer geliebten Freunde wurde die dadurch entstehende Lücke in der gräflichen Familie in Berlin sehr fühlbar , und der Trübsinn wurde gesteigert , weil keine Nachrichten von St. Julien eintreffen wollten . Es war nur zu deutlich , daß die Freude der Spanier über einen Herrscher aus Napoleons Geschlecht nicht so groß war , als dessen Bulletins der Welt verkünden wollten , und die Sorge um den Sohn und Geliebten