: » Ihr ? wäre es auch , wär ' s doch kein Verdienst ; Ihr selbst triebt ja den Gatten und Vater von ihnen . « - » Schweigt ! « herrschte ihm Wallrade zu : » Ich konnte sie verschmachten lassen , und that es nicht ; ich konnte sie dem Hohn der Welt preis geben , und that es nicht . Nach Baldergrün wollte ich sie führen . Der Gedanke gefiel mir , gerade ihnen wohl zu thun . Allein ... begehrt Ihr ihr ferneres Schicksal zu wissen , - so muß ich befürchten wirklich der Schlange zu gleichen , von welcher Ihr spracht . « - » O sagt ' s heraus ! « unterbrach sie Bilger schnell und verstört : » Euer Zögern gibt mir im Voraus den Tod . O welches Wort sprach ich jetzt aus ? « setzte er hinzu , und schauderte : » Mußte ich ihn nennen , den Tod ? Und steht er nicht in Verbindung mit dem , was ich von Euch erfahren werde ? « - » Möglich ; « antwortete Wallrade kalt : » Gewißheit ist indessen besser als der Zweifel . Durch meines Herzens Bezwingung erhielt ich Katharinens Freundschaft , allein weder Trost noch Freigebigkeit konnten ihr Leben erhalten . Mit ihrem Kinde im Arms stürzte sie sich in die Fluthen des Mains . « - Der Herr von der Rhön sank langsam nieder auf die Trümmer der Altarstufen . - » In die Fluthen des Mains ! « wiederholte er mit der eisigen Kälte der Verzweiflung , die jedes Wort mit Zentnergewicht belegt , damit es ja unerbittlich die Seele zerschmettre . - » In die Fluthen des Mains ? Das , unglückseliges Weib , war also deiner Tugend Ziel ? das das letzte Schlafstündlein meines Kindes ? O , wahr ist es , wahr , daß die Sünde nimmer Gedeihen bringt , aber nur der Teufel bringt die Sünde auf die Welt . « » Laßt doch meine Hand los ! « sagte Wallrade zitternd , da sie sich von Bilger ' s eisiger Rechten erfaßt fühlte : » Die Kälte des Todes zuckt in Euern Fingern ! « - » Warum habt Ihr nicht recht ? « jammerte der Herr von der Rhön , und erleichternde Thränen schossen in seine Augen , wie der Angstschweiß auf die Stirne : » Warum liege ich nicht auch , ein erstarrter Leichnam , im Abgrund des trügerischen Stroms ? Ach , ich habe ja doch nur sie geliebt . Was früher mein Herz bewegte , war eitler Tand , ... sie nur war das Juwel , die Perle meines Lebens . Aber so wie die Perl emporsteigt aus der Tiefe der Fluth , so hat sie sich hinunter gesenkt auf den kühlen Moosgrund , weil die Welt zu arm war , dies Kleinod zu kaufen und zu hüten . « » Ihr werdet wahnsinnig ! « versetzte Wallrade ; » laßt mich ! « - » Nicht eher , als bis Du mich hingeführt hast zum Grabe meines Weibes ! « sprach Bilger : » Wo ruht sie ? wo mein Kind ? O sage es mir , - Du , ihre letzte Pflegerin , Du ihre Mörderin ! « » Spart Euern Witz ! « antwortete das Fräulein kalt : » Eure Sünden haben sie umgebracht . Ihre Leiber fand man aber nicht , und gewiß hat die Fluth sie hinausgeführt in ' s offne Meer , damit nicht christlich geweihte Erde die Theilnehmerin wie die Frucht schändlicher Doppelehe bedecke ! « - » Nicht einmal ihr Grab werde ich sehen ? « klagte Bilger , ohne auf Wallradens Schmachrede zu hören : » Wie elend bin ich nun ? « Mochte ich doch flüchtig umherirren ... ich wußte ja doch , daß fern von mir zwei Herzen voll Liebe für mich schlagen ! Und diese sind jetzt zur Ruhe gegangen ! » O , ich Schändlichen ! Du , Grausame ! wir haben sie gemordet ! Ein unerbittlich Strafgericht hat mich gen Frankfurt geführt , und in diese Höhle des Raubes , damit ich erfahre , wie ganz verwaist ich nun bin ? Meine Katharine ! meine kleine , holde , unschuldige Agnese ! « - » Seht da , in welcher Erbärmlichkeit und Blöße Euer unmännlicher Schmerz Euch darstellt ! « sprach hierauf Wallrade , deren Büsen hoch aufklopfte bei diesem Anblick : » Ihr trauert um das Weib , das Euch nicht gehörte , - um das Kind der Unzucht ; und Eure rechtmäßige Gattin verabscheut Ihr ? nach Euerm Sohn sendet Ihr kein fragend Wort aus ? « - » Wölfin ! « seufzte Bilger , trostlos ihr in ' s Auge sehend : » Erbarmte mich nicht des Knaben Schicksal ? hielst Du ihn nicht von mir entfernt , und begannst meine Strafe , indem Du ihn mir entzogst ? « » Weil ich mein Kind nicht als einen Fündling in Euerm Hause wissen wollte ; « erwiederte Wallrade : » Täuschung verabscheut mein Herz . Der Knabe sollte Euern Namen nicht führen , aber unter Katharinens Herrschaft stehen ? Nimmermehr ! Ich behielt ihn , damit er mir stets Euer Verbrechen vergegenwärtige , und - ich läugne es nicht - zu meinem Rächer wollte ich ihn erziehen . « - » Mein Sohn sollte Dich an mir rächen ? « fragte Bilger entsetzt : » Weib ! Du hast keinen menschlichen Blutstropfen in Deinen Adern . Wo wird er zu diesem abscheulichen Geschäft erzogen ? « - » Ich hatte ihn dem Freiherrn von Issing vertraut ; « entgegnete Wallrade ruhig , obgleich bei diesem Namen ein Blitz aus Bilger ' s nassem Auge schlug : » allein der edle , von Euch verkannte Mann war schon in Preußen in einem Volksaufruhr gefallen , und der Knabe selbst wurde mir geraubt . « - » Geraubt ? « stammelte Bilger : » Geraubt ? O sprecht es aus :