die Liebe des Fräuleins weicht jetzt der Furcht , sie kann nicht fliehen , aber sie wendet sich von ihm und schließt ihre Augen mit beiden Händen . Es ist ein Augenblick , wo alles stille steht , daß die Ratsuhr über den vollen Markt zu hören ist , dann aber hat die Seele aus ihrer innersten Tiefe einen Lebensmut getrunken . » Gertraud , ich lebe « , ruft der Ritter , » geliebte Gertraud , sieh , mein Waidewund kennt mich und legt sich mir zu Füßen , wende dich nicht fort von mir . « Kaum ruht sie selig in seinen Armen , so eilt Susanna auf Anton zu und spricht zu ihm : » Herr , waffnet Euch , oben in der Stadt , im Wirtshause wird heftig gefochten , viel fremdes Volk ist in der Stadt , die sie verbrennen wollen , alle rufen nach Seger , der muß ihr Anführer sein . « Nach diesem Zuruf reichte sie ihm den Degen der Frau und einen Helm , den sie gefunden . Schon stürzen die Ratsherren herbei und einzelne bewaffnete Bürger , viele sprechen von Gegenwehr . » Nieder mit den Mordbrennern ! « schreien sie , aber keiner führt sie , keiner weiß die Macht zu richten . Da tritt Anton in ihre Mitte und schreit : » Wer die Stadt lieb hat , der folge mir ! « - Die Gewalt seiner Stimme und seines Ansehens unterwirft sich alle , Ritter Blaubart selbst stellt sich an seine Seite , keiner kennt ihn und doch trauen ihm alle , denn mit rascher Einsicht teilt er die Männer ab , läßt die Halbbewaffneten zurück , teilt die Bewaffneten in drei Rotten , die eine führt er , die andere der Ritter , die dritte Susanna . Diese drei läßt er durch drei verschiedene Straßen gegen das Wirtshaus andringen , wo die fremden Mordbrenner Seger suchen . Wo sie ziehen , geben sie den guten Bürgern Mut sich ihnen zu gesellen , ihre Zahl vermehrt sich um das Doppelte , ehe sie an dem Ort des Kampfes ankamen wo die Bürger eben nach allen Seiten vor den Fremden zurückwichen , aber auf allen drei Seiten , wo sie fliehen wollten , von den frischen Rotten aufgenommen und in den Kampf zurückgedrängt wurden . Der Kampf war über alle Erwartung heftig , die Gegner wohl bewaffnet und so entschieden auf Sieg oder Tod gefaßt , daß alle Anerbietungen von Gnade bei ihnen abgleiteten ; sie selbst hatten hinter sich die Häuser angezündet , daß keiner der Ihren im Wahne sich zu retten , den Kampf verlassen konnte , dabei schien eine Religionswut sie zu begeistern , denn sie riefen grimmig den Bürgern » Ketzer ! Ketzer ! « entgegen , auch teilte das ausbrechende Feuer die Aufmerksamkeit des Rats und der herbeieilenden Bürger . Anton half nach , wo er irgend einen Kampf zweifelhaft sah , ihn selbst scheuten die Verräter , er aber schonte sie nicht und sein Degen arbeitete in seiner Hand , daß er es selbst nicht begreifen konnte . Sein Mut drängte ihn vor , und er war fast von den Feinden umringt , als ihm die bekannte Stimme Fausts zurief : » Komm , flüchte in meine Arme , ich weinte mich blind , wenn dein Leib durchbohrt wäre . « Aber mit grimmem Zorne , den er nicht bewältigen konnte - es war ihm , wie in der Kindheit , wenn ihn große Mädchen verspotteten - schlug er auf den Doktor ein und streckte ihn nieder . Jetzt aber trat ein fahrender Schüler gegen ihn auf , der einen festen Degen hatte , keiner mochte da nahe treten , viele aber ruhten einen Augenblick , denn solche Künste hatte noch niemand geschaut , aber wie zwei Ärzte , welche mit ihrer Kunst bei einer Frau , die beide lieben , gegen einander wirken und beide nichts ausrichten können , weil sich ihre Mittel und Liebestränke einander aufheben , so fochten auch diese festen Degen gegen einander ganz vergebens , bis Güldenkamm , der bisher unter den Fremden versteckt gewesen war , mit des Fräuleins Nadel , die er in seinem Busen bewahrt hatte , den fahrenden Schüler von hinten durchstach , daß er umsank . Jetzt konnte Anton erst wieder auf die Seinen sehen , da war aber alles rückwärts gewichen , ja alles wäre verloren gewesen , wenn nicht die , welche am Markte von ihm zurückgelassen worden , jetzt verstärkt ihnen zugezogen wären . Unter diesen waren endlich auch gute Schützen , die ihre Musketen geladen hatten und den Kampf entschieden , da gab es ein Bücken , ein Schreien zu allen Heiligen , ein Fluchen und Würgen ; die Fremden wurden endlich in den brennenden Hof des Wirtshauses getrieben , nachdem sie ihre größte Zahl verloren hatten . In dem Jammer dieser Glut suchten sie wieder hinauszudringen , da stürzte aber das Gebäude zusammen und die letzten schrieen mit großer Wut , aber unerschütterlicher Festigkeit Rache und Trotz gegen die ketzerische Stadt . Jetzt ließ Anton den Bürgern noch nicht Zeit ihre Gefallenen zu betrauern und ihre Gefangenen auszuforschen , dem Feuer mußte erst Einhalt getan werden , das mit unermüdlicher Tätigkeit um sich griff und zerstörte . Anton befahl , einige kleinere Häuser , die den brennenden Teil mit dem übrigen Teile verband , niederzureißen , er selbst stieg voran und half mit seiner Stärke ; als diese Arbeit beendigt , ließ er die Spritzen an diesen Übergangsorten sammeln , jenen Teil aber dem Feuer Übergeben , das ihn auch in einer Stunde nach dem Kampfe bis zu den Kellern ausgebrannt hatte . Die Wachen blieben noch immer an ihren Stellen ; jetzt aber , wo man mitten in dem Jammer und in der Freude der Bürger , die siegend viele der Ihren verloren hatten , zu der Untersuchung schreiten wollte , verkündeten die Hörner aller Turmwächter die Ankunft eines Heeres . Das Zutrauen zu Anton hatte