dem , der sich diesem göttlichen Strahle verschließt , und in eigener Lust sich der allgemeinen Liebe verschließt ; immer enger ziehen sich die Schranken seiner Gedanken , er glaubt die Welt zu gewinnen und verliert sich selbst , alles entfremdet sich ihm , er versteht keine gute Seele und keine gute Seele versteht ihn mehr , und seine Liebe und sein Haß und seine Taten und sein Leben , alles ist scheinbar und nichtig . Ein Tag innerer Versündigung kann den Menschen um ein halbes Jahrhundert an Geist , Erkenntnis und Durchdringung alles Lebendigen schwächen und veralten - wie der Schäfer in alter Erzählung , von bösen Geistern in einer Zauberhöhle festgehalten , heimkehrt und nur einen Tag versäumt zu haben meint , aber die Welt , die Jahrhunderte fortgerückt ist , weder kennt noch versteht , auch sein Haus nicht wiederfinden kann , so geschieht auch dem Sünder ; darum hütet euch vor dem ersten Falle , die ihr das Licht und die Anschauung der Welt liebt . Seit jener unseligen Nacht am Ätna , in der die Fürstin sich ihrer Leidenschaft , die sie vorher noch zu bekämpfen strebte , ganz hingegeben , war ihr der Geist in allen seinen Kreisen verwirrt und verfälscht ; mit keiner Seele konnte sie sich eigentlich verständigen , in allen Wesen irrte sie sich . In Kleliens Gesellschaft ergriff sie eine wunderliche Beklemmung , sie haßte sie deswegen heimlich und wußte sich den Grund nicht anzugeben . Gegen Dolores empfand sie ein eigenes Mitleiden , das sie sich nicht gestehen wollte , deswegen machte sie sich oft unter mancherlei Vorwand von der Gesellschaft los . Der Graf hatte allmählich durch ein tieferes Eindringen in die Künste ein gewisses sinnendes Wesen bekommen , das ihn der Fürstin noch reizender darstellte , ihn aber noch viel mehr verhinderte , die Leidenschaft , die sie für ihn gefaßt und der sie nachhing , zu bemerken ; er meinte in der Achtung , die er gegen sie hegte , dies sei die höchste ideale Freundschaft , die je ein Weib erfaßt . Sie glaubte in jener Sinnigkeit seines Wesens , die bei dem ernsten Ausdrucke seines Gesichtes , bei dem Schwärmerischen seiner Augen einen eigentümlichen Ausdruck hatte , eine Trauer über seine gegenwärtigen Verhältnisse zu entdecken , ja sie deutete diese und die schöne Aufmerksamkeit , mit der er jeden ihrer Wünsche zu befriedigen suchte , als eine liebevolle Erinnerung jener Nacht , von der er nur aus Rücksicht für ihr Zartgefühl nicht zu sprechen wagte . Der Graf war nie so heiter in sich gewesen , als in dieser Zeit , nie so voll in Gedanken , nie so fertig und reich in allen seinen Tätigkeiten ; was er unternahm , gelang und Klelie hatte sich nicht mehr zu beklagen , daß er seine gemeinnützigen Arbeiten über eigne Ausbildung versäume . Die Fürstin gab ihm mit ihrer Empfänglichkeit für jede Kunst , mit ihrem freien Urteile alles das , was er je in seiner Nähe vermißt hatte ; sein Leben hatte etwas himmlisch Vollendetes , wie es auf Erden nur kurze Zeit dauert und meist in seiner höchsten Erwartung gestört wird . Vielleicht mochte sich auch die Fürstin in ihrer Wahrnehmung über eine gewisse Traurigkeit in ihm nicht ganz irren , sie irrte sich nur in der Ursache . Es ist die Natur vieler Menschen , wenn sie sich recht wohl fühlen , blaß zu erscheinen , während sich eine Kränklichkeit durch eine scheinbar blühende Farbe verkündet : so zeigte auch wohl der Graf in den Stunden seines höchsten geistigen Wohlseins und schöner Erfindsamkeit eine sanfte sinnige Trauer , die in dem Sonnenglanze des Glücks den Augen so wohltuend erscheint wie die dunklere Farbe alles Grüns in den heißen Sommermonaten ; diese träumerische Fülle einer Brust , in der nichts widersprechend , weil alle abwechselnden Schwingungen der Freude zu einem gleichen neuen Tone verschwingen , erschloß eine wunderbare Landschaft , die freilich auf unserm Erdboden unmöglich , wo die Lage der Felsen gegen einander einem gewissen Gesetze gehorchet , die aber auf einem anderen Planeten wohl denkbar wäre , und gönnt die Zeit Dauer , so erscheint sie bald in den wunderbaren Taten , bald in den wunderbaren Kunstdarstellungen sichtbar und erfreulich für viele . - Unserm Grafen sollte diese Dauer nicht werden ! - Die Besorgnisse der Gräfin Dolores waren durch manche Zufälligkeiten , die einem besorgten Gemüte niemals fehlen , sehr gesteigert worden ; der Graf , der allerlei Arbeiten mit frischer Liebe umarmte , hatte sie in der letzten Zeit seltener und flüchtiger besucht , bei der Fürstin dagegen hatte er sich oft lange verweilt , weil diese an allen den Arbeiten den lebendigsten und gebildetsten Anteil nahm , mit ihrem Urteile aufmerksamer machte , mit ihrem verständigen Beifalle ermunterte . Dolores hatte in dieser Zeit oft an ihren Johannes denken müssen , es tat ihr weh , daß er alle Belustigungen der andern Kinder , ihre kleinen Reisen , nicht mitgenießen durfte ; sie glaubte sich verpflichtet und tat es so gern , ihm recht oft schriftliche Nachricht von den Seinen nach dem Kloster zu schicken ; die Gesinnung des Sohnes hatte diesem Briefwechsel bald eine sehr ernste religiöse Gesinnung mitgeteilt . Heimlich trug sie sich schon lange mit einem Plane , den ihr Klelie vergebens auszureden suchte , ihrem Johannes in Rom die Erlaubnis zu schaffen , aus dem Kloster in den ritterlichen heiligen Johanniterorden überzugehen ; dem Grafen war dieser Plan sehr angenehm ; aber sie wußte nicht , wie sie es dem Sohne auf eine recht reizende Art darstellen könnte . Ihr letzter Brief an ihn trug es ihm endlich ausführlich vor , wie viel Glück noch in der Welttätigkeit warte , wie leicht er noch dazu gelangen könne , er schloß sich mit den Worten : » Lieber Sohn , wenn ich Deines Vaters tiefe unerschöpfliche Heiterkeit betrachte , diese Unendlichkeit , die sich seinem Gemüte in jedem Kreise erschließt und wohltuend zu allen spricht ,