Haus Gentz ein vollkommen dynastisches Gefühl ausgebildet hatte . Alexander Gentz stand nicht als einfacher Alexander Gentz , sondern als eine Art Karl Stuart vor seinen Richtern , der bekanntlich , als ihm während der Verhandlung sein Stöckchen aus der Hand fiel , sich wunderte , daß niemand der Richter zusprang , das Stöckchen wieder aufzuheben und ihm zu überreichen . Und mit diesem charakteristischen Zug aus der Zeit des gegen Alexander Gentz angestrengten Prozesses bin ich nunmehr bei dem Prozesse selber angelangt und habe zu diesem , der seinerzeit soviel Staub aufwirbelte , Stellung zu nehmen . Wie stand es damit ? Zunächst mit dem Konkurs selbst ? Von befreundeter Seite wird mir darüber geschrieben : » Daß ihn ( Gentz ) , wie fast jeden , der zur Bankrotterklärung gezwungen wird , ein bestimmtes Maß von Schuld trifft , ist wohl nicht zu leugnen . Ein vorsichtiger Kaufmann muß rechtzeitig für Reservegelder sorgen und auf den Wandel der Zeiten achten . Beides unterließ er . Er war nicht weitsichtig genug . Dazu kam , daß der ihm angeborene Hang , alles nach Möglichkeit schön und künstlerisch zu gestalten , ihn zu ganz unnützen Mehrausgaben veranlaßte . Nicht bloß seine Parkanlagen sind ein vollgültiger Beweis dafür , derselbe Zug prägte sich auch bei den Kanalbauten im Luch aus , wo er sich ' s beispielsweise nicht nehmen ließ , erst die lange Wasserstraße selbst und dann die Torfgräberhäuser mit niedlichen Anpflanzungen zu umgeben . Diese künstlerische Liebhaberei verschlang ein Vermögen . « Ich habe dieser trefflichen und selbst in ihrem Tadel noch in gewissem Sinne verbindlichen Schilderung nichts hinzuzufügen . Er raste , jeder Warnung unzugänglich , in sein Verderben hinein , durch nichts berechtigt oder entschuldigt , als durch den Glauben an seinen Stern . Und so war es denn weder verwunderlich , noch auch die Betätigung eines besonderen staatsanwaltlichen Rigorismus , ihn schließlich zur Verantwortung gezogen zu sehn . Nur der Modus konnte vielleicht in diesem und jenem ein anderer sein . Es war ein Vorgehen , das in vielen Stücken an den berühmteren Professor Gräfschen Prozeß erinnert , bei welcher Gelegenheit auch die von Gräfs Schuld Überzeugtesten sich mit einzelnen Details des Verfahrens nicht einverstanden erklären konnten . Ähnlich im Prozeß Gentz . Das Richtige , das was sein soll , kam schließlich in jedem Anbetracht zu seinem Recht , er war schuldig , und das Maß der ihm zudiktierten Strafe wurde sicherlich nicht zu hoch bemessen , aber in das , was der eigentlichen Prozeßverhandlung voraufging , mischte sich wohl manches ein , was besser gefehlt hätte ; lange bevor ihn das Gericht verurteilen konnte , war er schon verurteilt durch die Gefühle seiner Mitbürger . Daß diese Gefühle durchweg die richtigen gewesen wären , kann ich nicht zugeben . Es brauchte seine Schuld nicht beschönigt , am wenigsten geleugnet zu werden , aber wenn jemals » mildernde Umstände « da waren und mitsprechen durften , so war hier ein solcher Fall gegeben . Alexander Gentz war das Opfer großer Unternehmungen , die , wenn auch vorwiegend zum eigenen Nutzen unternommen , doch schließlich der Gesamtheit von Stadt und Land zugute gekommen waren . Dem trug man nicht Rechnung . Sein Fall , statt Mitleid zu wecken , weckte nur Freude , denn kein Jubel ist größer , als der Jubel derer , die – nachdem man über sie gelacht – sich schließlich als die Klügeren oder doch jedenfalls als die Siegreichen erweisen . Jetzt , wo das Grab ihn deckt und das furchtbare Leid , durch das er ging , viele seiner alten Gegner mit ihm ausgesöhnt haben wird , wird auch sein Name wieder wachsen , und wenn abermals ein Menschenalter verflossen und der Letzte seiner Mitlebenden heimgegangen sein wird , wird sich das dann lebende Geschlecht seiner als eines Wohltäters der Grafschaft erinnern , als eines Mannes , der in manchem als eine Warnung , in vielem aber auch als ein Vorbild gelten kann . In seiner Schöpfung Gentzrode lebt er fort . 5 5 Gentzrode von 1881 bis jetzt Um die Gläubiger in ihren Ansprüchen wenigstens bedingungsweise befriedigen zu können , war , gleich nach der Konkurserklärung , der Tempelgarten von der Stadt , die Torfstiche von der Deutschen Bank , Gentzrode selbst von den Herren Albert Ebell und Oberamtmann Troll übernommen worden . Nur mit den Schicksalen von Gentzrode haben wir uns in diesem Schlußkapitel zu beschäftigen . Es war im September 1881 , daß die vorgenannten Herren ( Ebell und Troll ) , die beide Gläubiger , aber nicht Inhaber von Hypotheken waren , Gentzrode , das ungefähr eine Million gekostet hatte , kauften , und zwar für die Summe von 210000 Mark . Sie hatten von vornherein nicht die Absicht , sich hier zu behaupten , sondern gingen lediglich in der Erwartung einer guten Finanzoperation vor , worin sie sich auch nicht getäuscht sahen . Eine nicht unbeträchtliche Summe floß ihnen aus der Realisierung des überreich ausgestatteten Inventars zu , welcher Inventar-Realisierung im Juli 1882 , also nach kaum zehnmonatlichem Besitz , der Wiederverkauf von Gentzrode selbst folgte . Die Kaufsumme war auf 270000 Mark gestiegen . Der diesmalige Käufer des Gutes war der zu Halle a. S. lebende Herr A. Wernicke , Fabrikant für Maschinen landwirtschaftlichen Betriebs , insonderheit für Zuckerfabriken . Es ist wahrscheinlich , daß sein Plan dahin ging , Gentzrode ganz auf Zuckerfabrikation hin umzugestalten . Er mußte sich aber bald von der Unmöglichkeit überzeugen – die Maschinen standen ihm zur Verfügung , aber der alte Dünensand der Kahlenberge , wieviel man auch aus ihm gemacht hatte , war doch kein Rübenland . A. Wernicke hielt im übrigen das Gut in gutem Stande , war aber schließlich doch froh , es nach fünfjährigem Besitz gegen Austausch wieder veräußern zu können . Er übernahm das in der Provinz Posen gelegene Gut Konooko und trat dafür Gentzrode an den Besitzer ebengenannten polnischen Gutes , Herrn Paul Höpffner ab . Konooko war bei diesem Tausch auf 500000