? « Ich schüttelte den Kopf . » Was für Auskunft können Sie uns über sich selbst geben ? « Seltsam ! Seitdem ich die Schwelle dieses Hauses überschritten hatte und seinen Bewohnern von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand , fühlte ich mich nicht mehr wie eine Ausgestoßene , wie eine Landstreicherin , die von der ganzen Welt geächtet ist . Ich hatte den Mut , die Bettlerin abzulegen und meine natürliche Art und Weise , meinen eigenen Charakter wieder anzunehmen . Jetzt begann ich , mich selbst wieder zu erkennen . Und als Mr. St. John einen Bericht verlangte – welchen zu geben ich für den Augenblick zu schwach war – sagte ich nach einer kurzen Pause : » Sir , ich bin nicht fähig , Ihnen heute abend noch Näheres mitzuteilen . « » Aber was erwarten Sie denn von mir , daß ich für Sie thun soll ? « fragte er . » Nichts ! « entgegnete ich . Meine Kraft reichte nur für kurze Antworten hin . Diana nahm das Wort . » Wollen Sie damit sagen , daß wir Ihnen jetzt alle Hilfe geleistet haben , deren Sie bedürfen ? « fragte sie , » und daß wir Sie wieder hinaus in den Regen und auf den durchweichten Sumpf lassen können ? « Ich blickte sie an . Ich fand , daß sie ein bemerkenswertes Gesicht hatte , in dem sich Klugheit , Kraft und Güte vereinten . Plötzlich faßte ich Mut . Indem ich ihren mitleidigen Blick mit einem Lächeln beantwortete , sagte ich : » Ihnen will ich vertrauen . Wenn ich ein herrenloser , verlaufener Hund wäre , so weiß ich , daß Sie mich heute abend nicht mehr aus Ihrem Hause jagen würden . Wie es nun ist , hege ich wirklich keine Furcht . Thun Sie mit mir und für mich , was Sie wollen ; aber erlassen Sie mir das Reden – mein Atem ist kurz – ich fühle eine Art Krampf , wenn ich spreche . « Alle drei beobachteten mich und alle drei verhielten sich schweigend . » Hannah , « sagte Mr. St. John endlich , » laß sie dort für den Augenblick noch sitzen und richte keine Fragen an sie . Nach Ablauf von zehn Minuten gieb ihr den Rest von der Milch und dem Brote . Mary und Diana , laßt uns ins Wohnzimmer gehen und die Sache weiter überlegen . « Sie zogen sich zurück . Sehr bald kehrte eine von den Damen zurück – ich konnte nicht unterscheiden welche . Eine Art angenehmer Bewußtlosigkeit bemächtigte sich meiner , als ich so neben dem belebenden Feuer saß . Mit leiser Stimme erteilte sie Hannah einige Befehle . Es dauerte nicht mehr lange , und ich vermochte mit Hilfe der Dienerin eine Treppe hinan zu steigen ; meine durchnäßten Kleider wurden mir ausgezogen , und bald lag ich in einem trocknen , angenehm durchwärmten Bette . Ich dankte Gott – empfand trotz meiner unbeschreiblichen Erschöpfung ein Gefühl der innigsten Dankbarkeit – und schlief ein . Neuntes Kapitel . An die drei Tage und Nächte , welche hierauf folgten , habe ich nur eine sehr schwache , verworrene Erinnerung bewahrt . Ich kann mir wohl einige Empfindungen zurückrufen , welche ich in der Zwischenzeit hatte ; aber einen festen Gedanken vermochte ich nicht zu hegen ; eine Handlung zu vollbringen war ich zu schwach . Ich wußte , daß ich mich in einem kleinen Zimmer , in einem schmalen Bette befand . An das Bett schien ich fest gewachsen zu sein . Bewegungslos wie ein Stein lag ich darin , und wenn man mich daraus entfernt hätte , so wäre das gleichbedeutend mit Tod gewesen . Ich bemerkte nicht , daß die Zeit verging – ich wußte nichts vom Übergange des Morgens zum Mittag , des Mittags zum Abend . Ich bemerkte , wenn jemand ins Zimmer trat oder es wieder verließ ; ich hätte sogar sagen können , wer sie waren ; ich konnte verstehen , was gesprochen wurde , wenn der Redende in meiner Nähe stand , aber ich vermochte nicht zu antworten ; es war mir ebenso unmöglich , ein Glied zu rühren , wie die Lippen zu bewegen . Hannah , die Dienerin , war meine häufigste Besucherin . Ihr Kommen störte mich . Ich hatte das Gefühl , als wünsche sie mich wieder fort ; daß sie weder mich noch meine Verhältnisse begriff ; daß sie ein Vorurteil gegen mich hege . Ein- oder zweimal täglich erschienen Diana und Mary im Zimmer . Sie flüsterten viel an meinem Bette , und ungefähr wie folgt : » Ich bin froh , daß wir sie aufnahmen . « » Ja . Sonst wäre sie am folgenden Morgen ohne Zweifel tot vor unserer Thür gefunden worden , wenn wir sie die ganze Nacht draußen gelassen hätten . Ich möchte nur wissen , was sie alles durchgemacht hat . « » Seltene Trübsal und Entbehrungen , glaube ich – armes , verhungertes , bleiches Menschenkind ! « » Sie ist keine ungebildete Person , vermute ich , nach ihrer Sprache zu urteilen . Ihr Accent war sehr rein ; und die Kleider , welche sie abgelegt hat , waren , wenn auch naß und schmutzig , so doch fein und wenig abgenützt . « » Sie hat ein eigentümliches Gesicht ; trotzdem es fleischlos und hager ist , gefällt es mir doch ; und ich kann mir sehr gut vorstellen , daß ihre Physiognomie angenehm , wenn sie gesund und fröhlich und glücklich ist . « In all ihren Gesprächen hörte ich niemals auch nur eine einzige Silbe des Bedauerns über die Gastfreundschaft , welche sie mir gewährt hatten ; oder ein Wort der Abneigung oder des Mißtrauens gegen mich . Ich war also beruhigt . Mr. St. John kam nur einmal ; er sah mich an und sagte , daß dieser Zustand der Lethargie das Resultat der Reaktion nach übermäßiger und anhaltender Ermüdung sei