. Dann raschelte es laut und lange wie von zu Boden geschleudertem Papier , dann schimpfte eine Stimme , dann erhob sich ein eigentümlich grausiger Singsang in Tönen wie : Joi ! und Huh ! und auf einmal knisterte es wie von Flammen . Der alte Jordan riß die Tür auf und schrie gleich einem Kind . Philippine stand in einem Haufen brennenden Papiers . Sie hatte Daniels Truhe geöffnet , alle Handschriften herausgeworfen und sie in Brand gesteckt . Der Anblick , den sie bot , war fürchterlich . Ihre Haare hingen verworren über die Schultern , mit den Armen machte sie unablässige Bewegungen , als ziehe sie an einem Brunnenschwengel , aus ihrem Mund kamen hohe , lallende , gurgelnde Töne , die nichts Menschenähnliches hatten , ihr von den Flammen bestrahltes Gesicht zeigte eine grauenvolle Wollust , und während Herr Carovius und der alte Jordan wie gelähmt auf der Schwelle standen , fing sie an zu hopsen und streckte dabei die Hände gegen das Feuer aus , welches immer höher schlug . Herr Carovius , aus seiner Erstarrung erwachend , sah , daß es höchste Zeit war , sich zu retten , und mit dem Arm sein Gesicht bedeckend , floh er , so schnell ihn seine Füße trugen , zur Flurtür und zur Stiege . Dem alten Jordan rannen die Tränen über die Wangen , der Schrecken machte ihn unfähig zu überlegen , er rannte in seine Stube zurück , öffnete das Fenster und brüllte auf den Platz hinunter , dann erinnerte er sich seiner geliebten Puppe , eilte hin und nahm sie in den Arm ; aber als er das Zimmer verlassen wollte , strömte ihm der Qualm betäubend und beizend entgegen , er taumelte hindurch , gelangte bis zur Stiege , tat einen Fehltritt , stürzte , die Puppe krampfhaft fest umschließend , kopfüber die Stiege hinunter , zuckte noch einige Male und blieb dann regungslos liegen . Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht . Dorothea , die in der Wohnung ihre Habseligkeiten zusammengerafft hatte , eilte , den Koffer schleppend , mit fahlem Gesicht an seiner Leiche vorüber , ohne einen Blick darauf zu werfen , und verschwand in dem Gewühl aufgeregter Menschen . 9 Im Haus der Frau Hadebusch hatten die Polizisten Daniel und den Amerikaner endlich voneinander gerissen . Daniel fiel auf einen Stuhl und starrte stupid vor sich hin . Frau Hadebusch brachte Wasser herbei , der Amerikaner kleidete sich unter dem Gelächter der Zuschauer an . Danach wurden die beiden Männer auf die Wache geführt , und der Kommissär schrieb auf , was er für die spätere Amtshandlung wissen mußte . Daniel gewahrte eine Gaslampe , einen Federstiel , mehrere grinsende Gesichter , seine eigene blutige Hand , sonst nichts . Der Amerikaner wurde zur Verhütung weiterer Feindseligkeiten noch zurückbehalten , indes man Daniel gehen hieß . Er hörte , daß der junge Mensch in seinem radebrechenden Deutsch und mit wuterstickter Stimme allerlei erzählte , aber er nahm es nicht in sich auf . Er hörte einen Hund bellen , einen Wagen rasseln , eine Glocke schlagen , er hörte sprechen , murmeln , rufen und das Scharren von Füßen , aber es klang alles wie durch die Mauern eines Gefängnisses . Taumelnd setzte er seinen Weg fort . Als er zur Frauenkirche kam , wandte er sich rechts gegen den Obstmarkt und sah plötzlich das Gänsemännchen vor sich . » Geh heim , « schien das Männchen zu sagen , und seine Stimme war traurig , » geh heim ! « Wer bist du und was willst du von mir ? fragte es in Daniel . Aber da war es , als ob die Figur unsichtbar würde und erst in der Ferne wieder , in einem lichten Glanz , wahrzunehmen sei . Über den Egydienplatz rannten Leute , und einzelne schrien : » Feuer ! « Daniel bog um die Ecke und konnte sein Haus sehen . Hinter den Fenstern seiner Stube loderten Flammen . Er preßte die Hände gegen die Schläfen und drängte sich mit angstvoll geweiteten Augen durch die Menge bis ans Haus . » Um Gottes- , Himmelswillen , « stieß er hervor , » rettet mir die Truhe ! « Viele sahen ihn an . Eine Gestalt zeigte sich oben am Fenster , viele Arme deuteten hinauf . » Das Weibsbild ! schaut das Weibsbild ! « wurde gerufen ; und dann wieder : » die hat gezündelt ! die hat das Feuer gelegt ! « Daniel stürzte ins Haus . Feuerwehrmänner überholten ihn . Da sah er im Flur , in der Beleuchtung von hastig hin und her getragenen Laternen , notdürftig und in Eile aufgebahrt , die Leiche des alten Jordan ; die Leiche und neben ihr , wie überirdischen Hohn , die Puppe , die Älplerin mit der Maschine im Bauch . Dumpf seufzend fiel er nieder , und seine Stirn berührte die tote Hand des Greises . Wie im Schlaf vernahm er das Zischen aus den Wasserschläuchen , die Kommandos , das geschäftige Vorbeirennen der Männer , dann war es ihm , als tauche ein Schatten flüchtig auf , eine Gestalt wie aus der Unterwelt ; eine geballte Faust öffnete sich und warf zerknitterte Blätter vor ihn hin , und wie er emporblickte , sah er nur die rings um ihn sich drängenden Menschen , die Gestalt hatte sich zwischen ihnen hindurchgeschoben , und niemand hatte in der Verwirrung ihrer geachtet . Mit abwesender Gebärde griff Daniel nach dem Blatt , das ihm zunächst lag . Es war auf das Gesicht der Puppe gefallen . Er entknitterte es und gewahrte die von seiner Hand geschriebenen Noten aus der » Harzreise im Winter « . Und unter den Notenzeilen standen die Worte : Aber abseits , wer ist ' s ? Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad , hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen das Gras steht wieder auf , die Öde verschlingt ihn . Melodie und Rhythmus ,