verdrossenes Gesicht und war übel anzusehen . Nur die mit Moorschlamm behangene Reithose trug er und das offene , mit Blutflecken durchtränkte Hemd . Um den mageren Hals lief eine rote Strieme . Auch das gerade Stehen fiel ihm schwer . Aber das kam nicht von irgendwelchen nachteiligen Folgen des Rappenholzes , nur von den vier Maß Wein , die der Profos dem armen Sünder als letzte Lebensfreude bewilligt hatte . Herr Heinrich in seiner Schwäche sagte heiter : » Das Schwein ist besoffen . Aber sonst gesund . Gott sei Dank ! « » Mit dem Suff ist ' s nit so arg « , erklärte Malimmes in galligem Mißmut , » vier Maß , die reichen mir bloß vom Zehennagel bis zum Knie . « Immer munterer wurde der Herzog . » Wieviel mußt du schlucken , bis du voll wirst ? « » Sechs Maß gehen mir bis zum Nabel , acht Maß bis zu den Ohren . Höher ist mir ' s noch nie gegangen . Das Hirn ist allweil hell geblieben . « » Und solch einen glückseligen Magen gibt Gott den armen Knechten ! « Herr Heinrich betrachtete vorwurfsvoll den Leibarzt . » Mir wird schon übel nach einer Maß . « Stumm , mit einer Handbewegung , befahl er den Leuten , das Zelt zu verlassen . Den Malimmes winkte er zu sich heran . Neugierig streckte er sich und beguckte die rote Strieme am Hals des Söldners . » Hat ' s arg gekitzelt ? « Malimmes schüttelte ärgerlich den Kopf . » Ich bin ' s gewohnt , Herr ! Jetzt ist von meinen ungefährlichen Hänfenen der siebente überstanden , ohne daß ich ' s wollen hab . Der achte wird gefährlich . Wenn ich jetzt noch leben möcht , müßt ich werden , was die Biederleut einen braven Menschen heißen . Da tat mir grausen vor mir . Tut mir den Gefallen , Herr , und laßt mich aufknüpfen ! Nachher hab ich Ruh . « » Nein , du ! Ich will , daß du leben sollst . In meiner Gnade . « » Die verdien ich nit . Ich bin ein falscher Knecht . Das muß ich Euch ehrlich sagen . « Malimmes musterte den kleinen Herzog mit bösem Blick . » Seit gestern hab ich an Euch kein Wohlgefallen nimmer . « » Seit gestern erst ? « Herr Heinrich lächelte . » Da bist du spät auf den rechten Geschmack gekommen . Ich habe mir noch nie gefallen . « » Und gestern - « » Was ? « Der Söldner geriet in eine zornige Erbitterung . » Gestern hab ich wider Euch ein untreues Ding getan . « » Du ? Das glaub ich nicht . « » Wohl , Herr ! Das ist kein Versehen gewesen . Das hab ich wollen ! Wie der Seipelstorfer den Herzog Ludwig hätt greifen können , hab ich dem Hauptmann einen Streich aufs Dach gehauen , daß er den Fürsten hat müssen fahrenlassen . Und da hat der Törring den Ingolstädter aus der Not gerissen . Also , Herr ! Jetzt laßt mich hängen ! « Über das heiße Gesicht des Herzogs war ein Erblassen geronnen . Lange schwieg er . Dann fragte er in einem Zähneschauer : » Warum hast du das getan ? « » Weil mich des edlen Herrn erbarmt hat in seiner tückischen Not . « Mit funkelnden Augen betrachtete Herr Heinrich den Söldner . Etwas Schweres schien im Herzog zu kämpfen . Dann rief er die Diener und ließ den Hauptmann kommen : » Drei Stunden nach Mittag brechen wir auf . Zweihundert Harnischer reiten mit mir nach Regensburg . Die anderen in ihre Heimat . Was an Troß und Waffen erbeutet wurde , nach Burghausen . Man soll mich kleiden und in den Sessel heben . Ich will hinunterschauen in das Dreckloch , aus dem mein Vetter Loys nach Gottes und eines Menschen Willen entsprungen ist . « Er entließ den Hauptmann mit einem gnädigen Lächeln . Dann befahl er den Dienern : » Den Malimmes soll man säubern und soll ihm eine Ruhstatt schaffen . Sechs Stunden kann er schlafen . Dann soll man ihn kleiden und rüsten . Er reitet mit mir nach Regensburg . « » Teufel « , murrte Malimmes kummervoll , » es ist ein Elend auf der Welt , wenn der Mensch das Sterben nit fertigbringt . « Er wollte auf den betrunkenen Knien seinen unbekneipten Verstand aus dem Zelte tragen . Da winkte ihm der Herzog . » Du ! Beuge dich herunter zu mir ! « Und als der lange Mensch sich neigte , sagte ihm Herr Heinrich ins Ohr : » Ich bin , der ich bin . Drum muß ich wollen , was dir mißfällt . Wär ich du , so hätt ich gestern vielleicht getan , was vielen gefallen würde . Du bist von den Wohlgeratenen des Lebens einer . Solche , wie du bist , müssen wir Fürsten um uns haben . Willst du der Meinige werden ? « Ein bißchen verwundert guckte Malimmes den Herzog an . » Ich will ' s bedenken , Herr ! Erst muß ich ' s überschlafen . « Er ging . Unter dem Spalt des Zeltes drehte er das Gesicht . » Herr ! Wenn Euch nach der Mittagsstund noch allweil nit besser ist , so laßt mich wecken . Kann sein , ich weiß ein Ding , das hilfreich wider Euer Leiden ist . Aber da muß ich nüchtern sein . Auch in den Waden . « Im Zelt der Dienstleute wurde Malimmes gewaschen und gekleidet . Schweigend ließ er alles mit sich machen . Auf dem Lager , das man für ihn richtete , saß er noch lange wach , krumm zusammengebogen , mit dem Gesicht zwischen den Händen . Dann schlief er . Um die zweite Mittagsstunde wurde er geweckt und zum Herzog geholt . Er blieb mit Herrn Heinrich