! « Kara hatte nämlich während seiner Untersuchung des Pferdes die Leine gelöst . Nun sprang der Gefangene zwischen den Trabanten hervor , schwang sich auf seinen Fuchs und jagte davon , auf der Bahn dahin , die für das Rennen vollständig freilag . Jedermann sprang auf , und fast auch Jedermann schrie . Kara aber war nicht im Geringsten verblüfft . Die Kurbadsch seines Vaters noch von vorhin in der Hand , schnellte er sich sofort auf den sattellosen Kiss und rief : » Ich bin schuld ; darum bringe ich ihn auch wieder ! « Ein scharfes , aufforderndes » Chchchchchhhhh « trieb das Pferd vorwärts . - - - Das erste Rennen begann , aber freilich ein ganz anderes , als wir vermutet hatten . Nur Diejenigen , welche sich in Hörweite von der Tribüne befanden , wußten , um was es sich handelte , die vielen , vielen Andern aber nicht . Sie hielten die ganze Bahn rund um den See besetzt und drängten sich nur noch enger und dichter zusammen , als sie die beiden Reiter kommen sahen , voran der Henker , für den es erst an dem Ende des Sees eine Aussicht gab , durch die Menschen zu brechen und dann nach einem der Pässe zu entkommen . Hinter ihm Kara , der dies sehr wohl erkannte und sich darum bemühte , ihn vorher einzuholen . Der langbeinige Turkmene griff weite Sätze ; der kleinere zierlichere Kiss aber ging trotz seines Alters leichter und schneller . Hierzu kam ein Umstand , an den der Henker nicht gedacht hatte ; er schleppte nämlich die lange Leine nach , und da diese am Ringe des Brustschildes festgebunden war , konnte er sich ihrer nicht entledigen . Sie kam dem Fuchs wiederholt zwischen die Beine . Das störte ihn . Er wurde vorsichtig , dann gar bedenklich . Auch die Zuschauer machten ihn irr . Diese sahen , daß der Reiter halb nackt war . Sie sahen ebenso den sonderbaren Aufzug des Kiss und die drohend geschwungene Peitsche des Verfolgers . Diese Umstände sagten ihnen , daß es sich nicht um eine Wette , sondern um eine wirkliche Flucht handle . Sie schrieen einander zu , den Henker nicht etwa ausbrechen zu lassen . Und dieser Lärm machte den Fuchs scheu , nicht aber den anders gearteten Kiss . So kam es , daß der Letztere dem Ersteren immer näher rückte und ihn grad da einholte , wo es die einzige Möglichkeit gab , zwischen den Bergen hinauszukommen . Kara war klug . Er ritt an der äußeren Seite und hieb mit der Nilpferdpeitsche so auf den nackten Henker ein , daß dieser auf der innern bleiben mußte und also dem See immer wieder zugedrängt wurde . Es hagelte Hieb auf Hieb . Was dabei für Worte fielen , das erfuhren wir erst später . Der Henker bot Himmel und Hölle auf , Kara zu bewegen , ihn entkommen zu lassen , bekam aber als einzige Antwort nur Hiebe und immer nur Hiebe . So wurde er nach der andern Seite des Sees und dieser entlang gepeitscht und getrieben , uns wieder näher und immer näher , rund auf der Bahn , am Tempelweg vorbei , durch den Duar und endlich bis her zur Tribune . Er war fast von Sinnen . Er schäumte . Da trieb Kara den Kiss noch einmal an , kam vor , entriß Jenem den Zügel , gab einen Ruck , daß beide Pferde sich bäumten . Der Henker mußte herunter ; Kara ihm nach , indem er rief : » Schuft , ich schlage dich tot , wenn du nicht antwortest . Ist Kiss ein Schund oder nicht ? « Der Gefragte stand da , an allen Gliedern zitternd . Er brachte kein Wort hervor . » Schund oder reines , edles Blut ? « wiederholte Kara , indem er ihm die Peitsche über das Gesicht herüberstrich . » Kein Schund , kein Schund ! Edles , reines Blut ! « klang da nun das Geständnis . » Von Euch zum Schund gelogen ? « » Ja - - - gelogen ! « stammelte der Henker aus Angst vor der wieder drohenden Peitsche . » Das bittest du dem Ustad ab ! Sofort , sofort ! « Ein neuer Hieb sauste nieder . » Ja doch - - ja doch - - - ich bitte ; ich bitte ! « Er faltete beide Hände und hob sie flehend empor . Was bildete er doch jetzt , hier unten , für eine ganz andere Figur als vorhin dort oben , wo er auf der schamlos angemaßten , hohen Stufe stand und wie eine unfehlbare Gottheit vom Himmel niederschmetterte ! Tausende und Abertausende hatten gedacht , an ihn glauben zu müssen , weil sie Wunder meinten , was ein gefährlicher Multasim zu bedeuten habe , gegen dessen Rachsucht man keine Waffe besitze . Und nun kam hier ein ganz einfacher , junger Mensch und zeigte vor ebenso tausenden von Augen , wie es um die Wichtigkeit dieser Personage eigentlich stehe : Nur der Stand hatte sie verhüllt ; in ihrer jetzigen , entlarvten Blöße aber war sie weniger , viel weniger als - - nichts ! » So bin ich mit dir fertig . Marsch , fort , zu deinem Richter ! « sagte Kara , indem er ihn mit der Peitsche hin zum Hauptmanne trieb , welcher ihn mit den Worten empfing : » Die Prügel hast du bekommen . Du holtest sie dir selbst . Nun geh zum Scheik ul Islam , deinem Beschützer ! Der zieht dich wieder an , um den Ehrenmann von Neuem herzustellen . Dann hängen wir dich auf . Der Mir Dschassab100 steht schon bereit - - der Henker für den Henker ! « Das brachte eine seltsame Wirkung auf den Multasim hervor . Sein bisher angstverzerrtes Gesicht nahm einen ganz anderen Ausdruck an . Er kroch in sich zusammen und fragte : » Gehenkt